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Politik

'Bro’s before Ho’s'

Politisches Merchandise gehört zum amerikanischen Wahlkampf wie inszenierte Fernsehduelle oder engagierte Hollywoodstars. Der Wahlkampf 2008 eröffnet allerdings eine neue Dimension - gesellschaftlich und wirtschaftlich.

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Millionen von Amerikanern gieren in diesen Tagen förmlich danach, ihre politische Meinung öffentlich zur Schau zu stellen und sich zu einem der Kandidaten zu bekennen. Die Folge: Das Geschäft mit den “Polit-Fanartikeln” boomt. Besonders die Demokraten Barack Obama und Hillary Clinton dienen als perfekte Merchandise-Objekte – ihre Abbilder zieren Tshirts, Sweatshirts, Base-Caps, Kaffeetassen, Armbänder, Kalender, Mousepads und so weiter. Einfallsreichtum ist bei der Entwicklung der diversen Tshirt-Slogans gefragt. “Bro's before Ho's” steht beispielsweise auf einem nicht nur bei Obama-Fans beliebten Shirt im Rapperslang und bedeutet so viel wie: Der beste Kumpel (Obama) geht immer vor, die Freundin (Hillary) muss zurückstecken.

Barack Obama gewinnt auch ohne Superdelegierte

Während Nachrichtensender wie die CNN mit "Screentouch"-Diagrammen und detallierten Grafiken das Rennen um die Vorwahlen begleiten, hat der Online-Kleidungs-Shop cafepress.com ein ganz eigenes Barometer entwickelt. Ausgewertet werden darin die aktuellen Merchandiseverkäufe der einzelnen Politiker und finden einen eindeutigen Sieger: Über 60 Prozent aller verkauften Artikel bescheren Barack Obama den ersten Platz – und das ganz ohne Superdelegierte. Hillary Clinton kommt immerhin noch auf 22 Prozent, der republikanische Kandidat John McCain landet bei 5,5 Prozent. Die eigene Vermarktung hilft den Kandidaten vor allem dabei, sich selbst als Marke zu etablieren. Die Shirts mit dem Konterfei von Barack Obama haben schon fast den Kult der guten alten Che Guevara-Shirts erreicht. Statt "Viva la revolution" steht unter seinem Abbild allerdings "Vote for Change".

Das Internet macht es möglich

Und das große Interesse an ihren Fanartikeln rentiert sich für die Politiker gleich doppelt: So steigert es nicht nur ihre Popularität, sondern spielt auch immer mehr eine wirtschaftliche Rolle. Einnahmen aus Merchandise Verkäufen werden nämlich als Spenden gezählt und fließen direkt in die eigene Wahlkampfkasse. Um die entsprechenden Käufer zu erreichen, haben die Politiker erstmals verstärkt das Internet als Absatzmarkt entdeckt. Mehr als 1,4 Millionen Dollar verdiente Barack Obama alleine im Monat Januar 2008 durch seinen Online-Store. Viele Amerikaner bezahlen gerne dafür, selbst zur Werbefläche politischer Propaganda zu werden. Es ist schließlich "in", Teil einer großen Politgemeinde zu sein - und dies dann auch zu zeigen.

"Bitches Get Stuff Done" vs. "Ghettobama"

Doch bei all dem Hype um ihre Lieblinge wird die eigentliche politische Botschaft besonders für junge Wähler immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Politiker werden als Kultfiguren verehrt und auf diversem Merchandise auch als solche dargestellt. Im Onlineshop cafepress.com ist das "Bitches Get Stuff Done"-Shirt absoluter Bestseller für Hillary Clinton Fans, bei Obama-Anhängern steht das Shirt mit dem Schriftzug "Ghettobama" hoch im Kurs. In einer Gesellschaft, in der das laszive „Obama-Girl“-Video auf Youtube mit über sechs Millionen Klicks einen nicht unbedeutenden Beitrag zum Wahlkampf leistet, sollte das aber niemanden überraschen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass sich für eine ganze Generation die Sichtweise auf die Politik von Grund auf verändert. Für die jeweiligen Akteure geht es nicht mehr nur darum, politische Standpunkte zu transportieren, sondern vor allem, sich selbst am besten zu verkaufen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.