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Wirtschaft

Broker verspielt fünf Milliarden Euro

Ein einzelner Aktienhändler der französischen Großbank Société Générale hat die unvorstellbare Summe von 4,9 Milliarden Euro verbrannt. Die Branche ringt um Fassung.

Eingang der Societe Generale in Paris

Eingang der Societe Generale in Paris

Bank-CEO Daniel Bouton, Quelle: AP

Bank-CEO Daniel Bouton darf vorerst bleiben

Der Mann habe über das vergangene Jahr seine eigenen Geschäfte "innerhalb der Bank" gemacht, teilte Bankenchef Daniel Bouton am Donnerstag (24.01.2008) mit. Er sei dabei so schlau vorgegangen, dass er unbemerkt durch sämtliche Kontrollen gerutscht sei. Die Bank erstattete Anzeige gegen den Mann. In Gewerkschaftskreisen hieß es nach einer Krisensitzung mit der Chefetage, der Händler habe das Geld "einfach verspielt". Bouton sagte, er habe seinen Rücktritt angeboten; dies habe die Bank aber abgelehnt.

Aus dem Geldinstitut verlautete, der 31-jährige Händler habe seit 2000 für die Société Générale gearbeitet. Bis vor zwei Jahren sei Jérôme K. im so genannten Back Office tätig gewesen, seit 2005 im Handelsraum. Bankchef Bouton entschuldigte sich bei einer Pressekonferenz bei allen Anlegern. Der geschäftsführende Vorstand Philippe Citerne und er selbst würden sich ihren Bonus für das vergangene Jahr nicht auszahlen lassen, kündigte Bouton an. Bis "mindestens Juni" würden sie zudem auf ihr Festgehalt verzichten.

"Wir sind fast vom Stuhl gefallen"

Ein Gewerkschaftsmitglied sagte nach einer von mehreren Krisensitzungen in der Bank, der Händler habe die Firma anscheinend "nicht zu seinen Gunsten" betrogen. Er habe "einfach gespielt". "Wir sind fast vom Stuhl gefallen", fügte der Gewerkschafter hinzu. "So etwas hat man noch nicht gesehen."

Etwa hundert Anleger erstatteten eine Sammelanzeige, wie Rechtsanwalt Frederik-Karel Canoy mitteilte. Sie wollten unter anderem wegen "Betruges, Vertrauensmissbrauchs und Fälschung" gegen das Geldinstitut vorgehen. Seine Mandanten hätten auf einen Schlag "wahrscheinlich ihr gesamtes Geld verloren", sagte der Anwalt. Die französische Zentralbank kündigte eigene Ermittlungen an. Frankreichs Regierungschef François Fillon sprach am Rande des Wirtschaftsforums in Davos von einer "schwer wiegenden Angelegenheit".

Bankenriese wankt

Die Société Générale hatte schon vergangene Woche mitgeteilt, dass einer ihrer Aktienhändler in Paris fiktive Geschäfte gemacht und dabei die Kontrollmechanismen umgangen habe. Der Angestellte habe den Betrug zugegeben und werde entlassen; mehrere Manager, denen seine Machenschaften entgangen waren, müssten ebenfalls gehen.

Zu den 4,9 Milliarden Euro Verlust durch den Betrug des Händlers kommen nach Angaben der Bank noch zwei Milliarden Euro, die das Haus wegen der weltweiten Finanzkrise abschreiben muss.

Trotz der Belastungen werde der Gewinn der Bank für das vergangene Jahr noch im positiven Bereich liegen, erklärte das Unternehmen. Es sei mit 600 bis 800 Millionen Euro zu rechnen. Im Jahr davor hatte die Bank noch 5,2 Milliarden Euro verdient. Um den Verlust auszugleichen, will die Société Générale in den kommenden Wochen ihr Kapital um 5,5 Milliarden Euro erhöhen.

Schlimmer als Skandal bei Barings

Der Rekordbetrug erinnert an den von Nick Leeson verursachten Finanzskandal vor zwölf Jahren, der die alteingesessene Barings Bank in den Ruin trieb. Der damals 28-jährige Brite verursachte mit illegalen Spekulationen an der Börse in Singapur Verluste von umgerechnet weit mehr als einer Milliarde Euro. Er musste dreieinhalb Jahre im Gefängnis in Singapur absitzen und leitet heute die Geschäfte eines irischen Fußballvereins.

Es handelt sich aber nicht um den größten Betrug bei einer Bank in der Wirtschaftsgeschichte. Betrügereien, die 1991 zum Zusammenbruch der Bank BCCI mit Sitz in London, Luxemburg und auf den Cayman-Inseln führten, hatten einen Umfang von damals mehr als zehn Milliarden Dollar. (kas)

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