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Großbritannien

Britisches Pfund unter Druck

Gut eine Woche vor den britischen Unterhauswahlen haben Anleger am Devisenmarkt am Mittwoch das Pfund Sterling in hohem Bogen aus den Depots geworfen. Auslöser war eine neue Wahl-Umfrage.

Nach einer am Dienstagabend veröffentlichten Berechnung des Instituts YouGov für die "Times" könnten Mays Konservative bei der Wahl am 8. Juni auf nur noch 310 Mandate kommen und damit die absolute Mehrheit um 16 Sitze verfehlen. Die Labour-Partei könnte dagegen Sitze gewinnen. Dabei hatte May mit den vorgezogenen Wahlen im April ihre Mehrheit ausbauen und so ihre Position bei den Brexit-Verhandlungen mit der EU stärken wollen.

Die britische Währung wertete am Vormittag um 0,7 Prozent auf 1,2770 Dollar ab und notierte damit so niedrig wie zuletzt am 21. April. Das Pfund war seinerzeit nach der Ankündigung der Wahl von weniger als 1,26 Dollar auf zeitweise über 1,30 Dollar gestiegen. An den europäischen Aktienmärkten gaben sich die Anleger dagegen gelassen.

Die Zustimmung für die Konservativen sinkt seit Mitte Mai. Insgesamt sieben Umfragen innerhalb der vergangenen Woche ermittelten, dass sich der Abstand zu Labour verringert. Einen Verlust der absoluten Mehrheit hat bislang aber kein Institut prognostiziert. "Das Umfrageergebnis hat die Art von Unsicherheit geschürt, die die Märkte nicht mögen", sagte nun Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital.

"Demenzsteuer"

Die Unsicherheit über den Wahlausgang und die möglichen Folgen für die Verhandlungen über den britischen EU-Austritt dürften noch eine Weile auf dem Pfund lasten, so ein Händler. "Wenn uns das Brexit-Votum eins gelehrt hat, dann, dass bei Wahlen alles möglich ist", sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. 

Parlamentswahlen in Großbritannien Theresa May (Picture alliance/dpa/S. Rousseau/Pool PA)

Wahlkämpferin: Britische Premierministerin Theresa May

Die Talfahrt in den Meinungsumfragen hatte mit der Ankündigung der Premierministerin begonnen, älteren Briten höhere Eigenleistungen bei der Pflege abverlangen zu wollen. Das Vorhaben wurde von Gegnern als "Demenzsteuer" bezeichnet. Nach dem Anschlag von Manchester mit 22 Toten in der vergangenen Woche setzte die oppositionelle Labour-Partei den Tories auch mit Kritik an den Stellenkürzungen bei der Polizei zu.

Die YouGov-Analyse basiert der "Times" zufolge auf Befragungen in der vergangenen Woche und einer Modellrechnung für jeden einzelnen Wahlkreis. Das Institut selbst räumte ein, das System sei umstritten. Allerdings sei das gleiche Modell bereits im Vorfeld des Referendums um einen EU-Austritt eingesetzt worden und habe stets eine Mehrheit für das Brexit-Lager ergeben.

ar/wen (rtr, dpa)

 

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