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Brexit

Britisches Pfund nach Richterspruch stabil

Das oberste britische Gericht hat dem Parlament in London gewisse Mitspracherechte in Sachen Brexit eingeräumt - und das Pfund reagiert diesmal verhalten. Auch die Börse steckt den Richterspruch einfach weg.

Das Pfund verzeichnete am Dienstagvormittag zwar moderate Kursverluste, erholte sich aber bald nach der Delle wieder. Vor der Entscheidung des Supreme Court in London war das Pfund über der Marke von 1,25 zum Dollar gehandelt worden. Nach dem Richterspruch sank die Landeswährung kurzzeitig auf ein Tagestief von 1,2438 US-Dollar, zog dann aber wieder etwas an. Ähnlich entwickelte sich der Handel zum Euro.

In den vergangenen Tagen hatte das britische Pfund zwar deutlich zugelegt. Händler führten das aber auf eine breite Schwächephase beim US-Dollar zurück. Insgesamt verlor das Pfund seit der Entscheidung der Briten für einen Ausstieg aus der Europäischen Union ordentlich an Gewicht: Seit dem Votum im vergangenen Juni sackte das Pfund im Vergleich zum Dollar um 18 Prozent ab. Im Vergleich zum Euro verlor das Pfund rund 14 Prozent.

Händler an der Börse und an den Finanzplätzen hatten die Entscheidung der elf höchsten Richter des Landes offenbar so erwartet. "Der Markt war nicht erstaunt von dem Ergebnis", sagte Neil Jones, Händler bei Mizuho in London. Der britische Aktienindex FTSE 100 quittierte die Gerichtsentscheidung umgehend mit einem Plus von 0,4 Prozent.

Chance oder Bremse?

Positives kann auch der Chef des deutschen Ifo-Instituts, Clemens Fuest, dem Brexit-Urteil des Londoner Gerichts abgewinnen. Das Urteil sei eine Chance, einen harten Schnitt des Landes mit der EU zu vermeiden, so Fuest. Wenn die Regierung das Parlament nun einbeziehen müsse, werde das den gesamten Prozess zwar verzögern. Es könne aber dazu führen, "dass die Stimmen an Gewicht gewinnen, die einen ‘Hard Brexit’ ablehnen und eine möglichst enge Anbindung der britischen Wirtschaft an den europäischen Binnenmarkt wünschen".

In der möglichen Verzögerung des Verfahrens sieht Volker Treier, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages DIHK hingegen eine Gefahr. "Denn ohne Klarheit und Berechenbarkeit bezüglich des Brexit hält sich die Wirtschaft noch stärker als ohnehin mit Investitionen zurück“. Es wäre wichtig für alle Seiten, "dass die britische Regierung bis zum Antrag Ende März weiß, was sie will", so Treier.  

Easyjet Logo (picture-alliance/dpa/Hannibal)

Pfund wird zur Belastung

 

Last für Easyjet

Die anhaltende Schwäche des Pfund belastet derweil zunehmend britische Unternehmen mit starkem Auslandsgeschäft. Am Dienstag konnte man das an Zahlen der Billigfluglinie Easyjet sehen. Das Unternehmen teilte mit, der Wertverlust des britischen Pfund habe Easyjet im vergangenen Geschäftsjahr 112 Millionen Pfund gekostet, umgerechnet rund 120 Millionen Euro. Das sind gut zehn Prozent mehr als erste Schätzungen im vergangenen November prognostiziert hatten.

ar/iw (dpa, afp)