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Wichtiger Brexit-Tag

Britisches Pfund kommt wieder auf die Beine

Heute entscheidet der Oberste Gerichtshof Großbritanniens, ob das Parlament über den Startschuss zum Brexit abstimmen muss. Investoren würden das begrüßen, denn sie brauchen vor allem eines: Gewissheit.

Einen Tag vor der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes zur Beteiligung des Parlaments an der Brexit-Entscheidung stieg das Pfund auf den höchsten Stand seit Dezember. Für morgen rechnen Experten trotzdem nicht mit weiteren Kursausschlägen. "Theresa May hat bereits gesagt, dass sie den abschließenden Brexit-Deal sowohl  dem Unterhaus wie auch dem House of Lords vorlegen will", sagt James Hughes, Chef-Analyst beim Londoner Online-Broker GKFX im Gespräch mit der DW. "Die Entscheidung, darüber, ob das Parlament bereits bei der Einleitung des Brexit-Prozesses einbezogen werden muss, wird deshalb nicht mehr so stark ins Gewicht fallen."

Dramatischer Absturz

Seit dem Referendum zum EU-Ausstieg hat die britische Währung eine veritable Achterbahnfahrt hingelegt - mit Grundtendenz nach unten. Rund ein Fünftel hat Sterling gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren. Nach einem erneuten Tief von 1,20 US-Dollar in der letzen Woche hatte man gespannt auf die Grundsatzrede der Premierministerin am Dienstag (17.01.2017) gewartet, die endlich mehr Klarheit über den Kurs zum Brexit bringen sollte. Und obwohl Theresa May wichtige Details schuldig blieb, machte sich doch so etwas wie Optimismus bemerkbar; der Pfundkurs erholte sich.

Hard Brexit

Denn endlich schien so etwas wie ein Plan erkennbar zu werden - auch, wenn der vielen nicht passt. Während May sprach, platzten  der Reihe nach die schönsten Träume der Brexit-Gegner, etwa der, dass man schon irgendwie einen Verbleib im Binnenmarkt heraushandeln werde. Pustekuchen. May gab sich kämpferisch, fast provozierend.  Ganz unverblümt stellte sie sowohl den Zugang zum Binnenmarkt wie auch den Verbleib in der Zollunion zur Disposition, ein "Hard Brexit", also eine Scheidung unter Tränen, ist damit wahrscheinlicher geworden. "Besser kein Deal als ein schlechter Deal", rief May zum Schrecken der britischen Wirtschaft: ihre Produkte und Dienstleistungen würden durch Zölle schlagartig teurer.

Britische Aktien-Rally

Dennoch: Allen Unkenrufen zum Trotz scheint der Brexit-Beschluss noch keine ernsthaften Konsequenzen zu haben. Auf dem Papier ist die britische Wirtschaft gut in Schuss. In der zweiten Jahreshälfte 2016 gab es zwei Prozent Wachstum, und weniger als fünf Prozent Arbeitslose.

London Stock Exchange (picture-alliance/dpa)

Die Kurse an der Londoner Börse profitierten bislang von den Brexit-Plänen

Der britische Aktienindex FTSE-100 legte gar eine richtige Rally aufs Parkett, er notiert momentan rund sieben Prozent höher als vor dem Brexit-Referendum. Kein Wunder: Produkte britischer Exporteure werden durch den Kursverfall im Ausland konkurrenzfähiger. Zudem bilanzieren britische FTSE-Konzerne in Pfund, erwirtschaften aber einen Großteil ihrer Gewinne im Ausland - die schwache Heimatwährung schönt so die Bilanz. In Dollar gerechnet haben FTSE-Investoren tatsächlich Verluste gemacht. Die britischen Verbraucher indes gehören schon jetzt zu den Verlierern. Nicht nur Urlaubsreisen und Importgüter werden teurer, die steigende Inflation schmälert ihre ohnehin stagnierenden Reallöhne.

Keine "Rosinenpickerei"

Auch und besonders die Finanzwirtschaft  würde der Verlust der sogenannten EU-Passporting-Rechte hart treffen, die es etwa japanischen oder amerikanischen Finanzinstituten erlauben, von ihrem Sitz in London aus in der ganzen EU Geschäfte zu machen. May hat zwar die Absicht, für spezielle Sektoren der britischen Wirtschaft maßgeschneiderte Deals auszuhandeln, darunter neben der Finanzwirtschaft Bereiche wie Luftfahrt- und Autoindustrie. Diese Industrien sind besonders auf einen unbürokratischen Warenverkehr angewiesen, um ihre pan-europäischen just-in-time Produktionsketten aufrechtzuerhalten. 

Doch Experten halten das für illusorisch, wie allein die Reaktion von Angela Merkel auf die Rede ihrer Amtskollegin von der Insel zeigt: Man werde den Briten nicht gestatten, sich die Rosinen aus dem Kuchen zu picken, beschied die deutsche Kanzlerin kühl. May's Brexit-Minister, David Davis, hat bereits zugegeben, dass britische Lastwagenfahrer sich schon bald auf langwierige Zollkontrollen an der französischen Grenze einstellen können.

 

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