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Politik

Britischer Finanzminister wegen Datenverlusts unter Druck

Peinlicher Vorfall: In Großbritannien steht Finanzminister Alistair Darling in der Kritik, nachdem der Steuerbehörde zwei CDs mit persönlichen Daten von 25 Millionen Briten verloren gegangen sind.

Schatzkanzler Alistair Darling, Quelle: dpa

In der Kritik: Schatzkanzler Alistair Darling

Die Regierung in London ist nach dem Verschwinden vertraulicher Daten von 25 Millionen Briten massiv unter Druck geraten. Schatzkanzler Alistair Darling betonte am Mittwoch (21.11.2007), es bestehe kein Risiko, dass die CDs mit Informationen über Kindergeldempfänger in "falsche Hände" gefallen seien. Es gebe bisher keine Anzeichen für einen kriminellen Hintergrund. Banken riefen die Kunden jedoch auf, ihre Kontobewegungen genau zu prüfen.

Auf den CDs befinden sich dem Minister zufolge die Daten von 7,25 Millionen Familien. Sie beinhalten persönliche Informationen wie Namen, Bankdetails, Adressen und Sozialversicherungsnummern von fast der Hälfte der britischen Bevölkerung. Die Datenträger waren bereits im Oktober spurlos verschwunden, als ein Angestellter der Steuerbehörde die CDs per Post von Washington, einem Ort in Nordostengland, nach London versandte. Dort kamen sie aber nie an.

Schlechter Informationsfluss

Die Behördenleitung habe erst rund drei Wochen später von dem Vorfall Erfahren, erklärte Darling vor Abgeordneten. Er selbst sei am 10. November von dem "höchst bedauerlichen Geschehen" unterrichtet worden und habe die Durchsuchung beider Behörden angeordnet, die aber nichts gebracht habe.

Die Polizei verhörte demnach vom 14. November an Mitarbeiter, gehe aber nicht davon aus, dass die Daten bislang für "kriminelle Aktivitäten" missbraucht worden seien. Darling entschuldigte sich für die Panne: "Das ist in der Tat eine sehr, sehr schlimme Situation." Die Daten reichten aber nicht aus, um in betrügerischer Weise an die Konten heranzukommen, sagte er.

Die Website der britischen Steuerbehörde, Quelle: dpa

Wenig vertrauenserweckend: Die Website der britischen Steuerbehörde

Premierminister Gordon Brown entschuldigte sich im Unterhaus in London für die "Unannehmlichkeiten und Sorgen". Er ordnete eine Überprüfung der Datensicherheit in allen Regierungsbehörden an.

Chef der Steuerbehörde tritt zurück

Am Dienstag war bereits der zuständige Vorsitzende der Steuerbehörde, Paul Gray, wegen des Vorfalls zurückgetreten. Die oppositionellen Konservativen warfen der Regierung Inkompetenz vor. Sie habe dem Missbrauch mit den persönlichen Daten der Hälfte aller Bürger Großbritanniens Tür und Tor geöffnet. Damit stehe Darlings Posten auf dem Spiel.

"Ist er der richtige Mann für den Job als Schatzkanzler?", fragte Schattenkanzler George Osborne. Die Regierung habe in ihrer "obersten Pflicht versagt", die Bürger zu schützen, betonte er.

Darling lehnte einen Rücktritt ab: "Ich werde nicht

davonlaufen, wenn es schwierig wird." Brown erklärte im Unterhaus, Darling mache einen "hervorragenden Job".

Darling, ein enger Freund des Premierministers, hatte das Amt Ende Juni von Brown übernommen. Er steht bereits wegen der Krise einer Hypothekenbank massiv unter Druck. Medien sprachen "Inkompetenz" und einem "Daten-Desaster". Auch Brown selbst ist seit der Absage der Parlamentswahlen im vergangenen Monat schwer unter Beschuss. (tos)

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