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Aktuell Welt

Britischer Außenminister mahnt zu Geduld in Ägypten-Krise

Das Chaos nach dem Arabischen Frühling könne noch Jahrzehnte dauern, meint die britische Regierung und ruft dazu auf, trotzdem für Dialog zu werben. Auf dem Sinai kam es zum blutigsten Überfall seit dem Umsturz am Nil.

In Ägyptens Großstädten demonstrieren die herrschenden Generäle und ihre Übergangsregierung radikale Härte gegen die Gewalt der Islamisten, auf der Sinai-Halbinsel scheinen sie zunehmend die Kontrolle zu verlieren: Beim blutigsten Anschlag auf ägyptische Sicherheitskräfte in den vergangenen Jahren wurden dort mindestens 25 Polizisten umgebracht. Das Innenministerium in Kairo sprach von einem Angriff "einer bewaffneten Terroristengruppe", von sunnitischen Dschihadisten war die Rede.

Wenige Stunden zuvor waren mindestens 35 Mitglieder der Muslimbruderschaft bei einem Fluchtversuch aus einem Gefangenentransport an Tränengas erstickt, wie die Behörden erklärten. Die Islamisten sprachen von Mord.

Ägyptische Soldaten auf ihrem Panzer am Grenzübergang Rafah (foto: AFP/Getty Images)

Auf dem Weg zum Grenzposten Rafah wurden 25 ägyptische Soldaten im Norden des Sinai bei einem Terrorangriff extremistischer Moslems getötet. Der Übergang zum Gazastreifen wurde geschlossen.

Die internationalen Appelle und Drohungen als Reaktion auf die eskalierende Konfrontation mit den islamistischen Muslimbrüdern erscheinen hilflos und haben bislang bei der Interimsführung in Kairo wenig Wirkung gezeigt. Die Außenminister der Europäischen Union werden an diesem Mittwoch in Brüssel bei einem Sondertreffen über die Krise beraten. Der britische Außenminister William Hague mahnte, ungeachtet derzeit fehlender Perspektiven die Hoffnung auf demokratische Entwicklungen nicht aufzugeben.

Einfluss nur gering

"Wir müssen unser Bestes tun, um für demokratische Institutionen und politischen Dialog zu werben, und weiter an die Mehrheit der Ägypter glauben, die ein friedliches und stabiles Land wollen", sagte Hague in einem BBC-Interview. "Unser Einfluss mag begrenzt sein", räumte Hague in London ein, und die Konflikte in Ägypten und in anderen Regionen des Nahen Ostens könnten noch Jahrzehnte dauern. "Wir müssen die Nerven behalten", so der Brite, es handele sich schließlich um die bislang bedeutendesten Ereignisse des 21. Jahrhunderts, mit mehr Folgen für die Welt als die Finanzkrise.

"Terrormethoden"

Die Führung der Muslimbrüder mobilisierte zum Wochenbeginn weiter zu Demonstrationen gegen die Regierung und für die Wiedereinsetzung des gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi.

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Hass und Gewalt in Ägypten

Minister des Übergangskabinetts bekräftigten das vorrangige Ziel, Ruhe und staatliche Ordnung wieder herzustellen. In den vergangenen Tagen hätten aufgeputschte Islamisten immer häufiger zu "terroristischen Methoden" gegriffen, um ihre Forderungen gewaltsam durchzusetzen. Mit diesem Kräften könne es keine Versöhnung oder Zusammenarbeit geben.

Auch Armeechef Abdel Fattah al-Sisi erklärte: "Wir werden niemals schweigend der Zerstörung des Landes zusehen". Meldungen über eine baldige Freilassung des Ex-Diktators Hosni Mubarak dürften die gereizte Stimmung zwischen den politischen Lagern weiter anheizen.

SC/qu (afp, rtr, dpa)

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