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Europa

Britische Polizei weitet Giftanschlag-Ermittlungen aus

Die Polizei hat ihre Ermittlungen zum Tod des Ex-Spions Alexander Litwinenko ausgeweitet. Russische Medien sprechen unterdessen von einem anti-russischen Komplott und beschuldigen den Milliardär Boris Beresowski.

Zwei Polizei-Transporter vor dem Millennium Hotel in London, wo Litwinenko russische Ex-Agenten traf

Polizei-Transporter vor dem Millennium Hotel in London, wo Litwinenko zwei Russen traf

Mit Unterstützung von Geheimdienst-Experten wertet die britische Polizei Videobänder von Beobachtungskameras aus, um den Tod des Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko aufzuklären. Zudem fahnden Detektive nach Tatverdächtigen und befragen potenziellen Zeugen, die weitere Aufschlüsse über den Hergang der Vergiftung geben könnten, berichtete der Sender BBC.

"Staatlich gefördertes Attentat"

Alexander Litwinenko im Mai 2002

Alexander Litwinenko im Mai 2002

Zugleich geht die mit den Ermittlungen betraute Spezialeinheit für Terrorismusbekämpfung der Frage nach, woher die hoch giftige, radioaktive Substanz Polonium 210 stammte, mit der Litwinenko vergiftet wurde. Polonium wurde bereits vor Jahrzehnten als Neutronenquelle beim Bau von Atombomben eingesetzt - in der damaligen Sowjetunion ebenso wie in den USA. Die britischen Behörden hoffen nach eigenen Angaben auf Mithilfe russischer Sicherheitskreise. Eine entsprechende Bitte war der Moskauer Regierung noch am Freitag offiziell durch das Londoner Außenministerium übermittelt worden.

Allerdings weisen britische Geheimdienstkreise nach Angaben der Zeitung "The Times" vom Samstag (25.11.2006) darauf hin, dass der Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion "deutliche Zeichen eines staatlich geförderten Attentats" aufweise. Vieles deute darauf hin, dass der Anschlag "durch ausländische Agenten ausgeführt wurde". In London war am Freitag das höchste britische Sicherheitsgremium zusammengekommen, um über den Vorfall zu beraten. Dem COBRA-Komitee gehören der Innenminister, ranghohe Vertreter der Polizei sowie die Leiter der Geheimdienste an.

Obduktion verschoben

Derweil wurde die Obduktion der Leiche Litwinenkos erneut verschoben. Hauptgrund dafür seien Befürchtungen, dass der Körper noch so stark mit Strahlungsmaterial belastet ist, dass davon eine Gefährdung für das an einer Obduktion beteiligte medizinische Personal ausgehen könnte. Personen, die mit Litwinenko Berührung hatten, wurden zu medizinischen Tests aufgerufen.

Wladimir Putin

Wladimir Putin

Der 43-Jährige war nach Erkenntnissen der britischen Behörden vor rund drei Wochen mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 vergiftet worden. Er habe die Substanz entweder mit der Nahrung aufgenommen, inhaliert oder sie sei über eine Wunde in seinen Körper eingedrungen. Ermittler gehen davon aus, dass ihm ein bislang noch unbekannter Täter das Polonium am 1. November heimlich verabreichte. An dem Tag hatte er mehrere Treffen, darunter mit zwei anderen Russen. Litwinenko starb am Donnerstagabend auf der Intensivstation eines Londoner Krankenhauses. Vor seinem Tod hatte Litwinenko, der zuletzt zur Ermordung der Kreml-kritischen Journalistin Anna Politkowskaja recherchiert hatte, die russische Regierung für den Anschlag verantwortlich gemacht.

Reaktionen in Russland

Russische Medien und Abgeordnete sehen in dem Attentat eine gegen Russland gerichtete Verschwörung. Als Urheber wird dabei einer der prominentesten Kritiker und Gegner von Präsident Wladimir Putin ins Spiel gebracht: der in Großbritannien lebende jüdische Milliardär Boris Beresowski. Beresowski kam nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 zu einem Vermögen und war während der Zeit von Präsident Boris Jelzin eine der einflussreichsten Personen. Unter Putin fiel er dann in Ungnade und floh nach Großbritannien, um einer Anklage wegen Geldwäsche zu entgehen.

Der Tod Litwinenkos sei für Russland und seine Sicherheitsdienste bedeutungslos, hieß es im russischen Fernsehen. Sie hätten keinen Grund, ihn umzubringen. Es handele sich wohl um ein weiteres Spiel von Beresowski, wurde in mehreren Interviews angedeutet. Die Zeitung "Rossiskaja Gaseta" äußerte diese Vermutung ausdrücklich. Vielleicht habe es einen Konflikt zwischen Litwinenko und Beresowski gegeben, aus dem dieser den größtmöglichen Profit ziehen wollte, sagte der Abgeordnete Nikolai Kowaljow. Und auch der Abgeordnete Konstantin Kosatschew sagte, es handele sich ganz klar um eine Aktion gegen das moderne Russland. (stu)

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