Britische Oxfam-Vizechefin Penny Lawrence tritt zurück | Aktuell Welt | DW | 12.02.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Skandal um Hilfsorganisation

Britische Oxfam-Vizechefin Penny Lawrence tritt zurück

Die Hilfsorganisation war nach Berichten über Sexpartys in Haiti und im Tschad unter Druck geraten. Nun zog die Vizechefin Konsequenzen aus den Vorwürfen, Oxfam habe auf die Vorfälle nicht angemessen reagiert.

Der Skandal um Sexpartys von Mitarbeitern der britischen Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam in Haiti und im Tschad hat nun auch in London Konsequenzen. Dort gab Oxfam-Vizechefin Penny Lawrence ihren Rücktritt bekannt.

Als Programmdirektorin zu dieser Zeit sei sie "beschämt, dass dies unter ihrer Aufsicht passiert sei". Sie übernehme die "volle Verantwortung" für das Verhalten von Mitarbeitern in diesen Ländern, auf das "wir nicht angemessen reagiert haben", heißt es in einer in London veröffentlichten Stellungnahme.

Missachtete Oxfam Hinweise auf Fehlverhalten?

Oxfam habe Warnungen ignoriert, schreib die Londoner "Times", die zum Wochenende als erstes Medium über den Skandal berichtet hatte. Demnach sollen einige der 230 Oxfam-Helfer beim Einsatz in Haiti nach dem Erdbeben von 2010 Partys mit Prostituierten veranstaltet und Frauen sexuell ausgebeutet haben.

Bei zwei der beteiligten Mitarbeiter habe die Hilfsorganisation Hinweise auf Fehlverhalten bei einem früheren Einsatz im Tschad gehabt, sie aber dennoch nach Haiti entsandt, berichtete die "Times". Darunter sei auch der Landesdirektor für Haiti gewesen. Dieser sei zwar zusammen mit einer Handvoll weiteren Mitarbeitern nach einer internen Untersuchung 2011 entlassen worden, der Skandal sei aber unter den Teppich gekehrt worden.

"Reaktion entsprach nicht den heutigen Standards"

"Was in Haiti geschehen ist, war inakzeptabel und ein gravierender Verstoß gegen Oxfams Verhaltenskodex", erklärte Oxfam. Die betreffenden Mitarbeiter seien entlassen worden oder seien ihrer Entlassung durch Kündigung zuvorgekommen. Oxfam sei damals auch mit zwei Pressemitteilungen über die Untersuchung an die Öffentlichkeit getreten, hieß es.

Die Reaktion auf die Vorfälle in Haiti habe allerdings nicht den Standards entsprochen, die die Organisation heute habe, räumte Oxfam nun ein. Angesichts der am Wochenende aufgekommenen Berichte über sexuelle Ausbeutung im Tschad zeigte sich die Hilfsorganisation geschockt. Derzeit könnten die Vorwürfe nicht bestätigt werden, Oxfam bemühe sich mit Nachdruck um Aufklärung. Die Berichte zeigten aber "unakzeptables Verhalten einiger weniger Leute und die Notwendigkeit, das Problem über den ganzen Sektor hinweg anzupacken". 

Entwicklungsministerin wirft Oxfam Versagen vor

Die britische Entwicklungsministerin Penny Mordaunt warf Oxfam laut dem Sender BBC Versagen in Bezug auf die "moralische Führung" vor. Sie nannte die Vorkommnisse "einen absoluten Verrat" an den Haitianern und drohte mit einem Entzug der Regierungszuwendungen.

G7 Protest Italien Masken (Reuters/D.Martinez)

Oxfam-Protestaktion beim G7-Gipfel in Sizilien 2017 - nun steht die Hilfsorganisation selbst am Pranger

Die Pressestelle von Oxfam stellte dabei gegenüber der Deutschen Welle ausdrücklich klar, die Prostituierten seien nicht aus Oxfam-Mitteln bezahlt worden. Es habe deshalb in dieser Hinsicht auch keine Veruntreuung von Spendengeldern gegeben. Es sei aber richtig, dass "die Ereignisse" in einem Haus stattgefunden hätten, das Oxfam damals für seine Helfer in Haiti gemietet habe.

Nach London droht auch Brüssel mit Geldentzug

Kritisch äußerte sich ebenfalls die EU-Kommission. "Wir erwarten, dass Oxfam die Vorwürfe mit maximaler Transparenz und schnellstens aufklärt", sagte eine Sprecherin in Brüssel. "Wir sind bereit, die Unterstützung für jeden Partner zu überprüfen und, wenn nötig, einzustellen, der nicht den erforderlichen hohen ethischen Standards entspricht."

Für die Arbeit in Haiti habe Oxfam 2011 aus dem EU-Budget für humanitäre Hilfe 1,7 Millionen Euro erhalten, erklärte die Kommissionssprecherin weiter. Die EU unterstützt im Bereich humanitäre Hilfe und Entwicklung zahlreiche Nichtregierungsorganisationen, die damit die konkrete Hilfe vor Ort organisieren.

cw/sam (dpa, afp, epd)