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Wirtschaft

Britische Notenbank erhöht Leitzins

Es ist das erste Mal seit rund zehn Jahren: Die britische Notenbank hat den Zins angehoben, mit dem sich Banken Geld leihen können. Inmitten der Brexit-Verhandlungen wird der Schritt mit Skepsis betrachtet.

In Großbritannien steigen erstmals seit Mitte 2007 die Zinsen. Wie die Bank of England (BoE) mitteilte, erhöht sie den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent. Die Entscheidung fiel mit sieben zu zwei Stimmen. Analysten hatten mehrheitlich mit dem Schritt gerechnet, weil die Zentralbank bereits starke Hinweise darauf gegeben hatte. Niedrige Zinsen und eine Erhöhung der Geldmenge sollen die Wirtschaft vor allem besser mit Krediten versorgen und so insgesamt stützen.

Mit dem Schritt macht die BoE einen Teil ihrer geldpolitischen Lockerung rückgängig, die sie aus Vorsichtsgründen nach dem Brexit-Votum Mitte 2016 ergriffen hatte. Aus der Befürchtung, die britische Wirtschaft könnte infolge des geplanten EU-Ausstiegs abstürzen, hatte die Notenbank sowohl ihren Leitzins gesenkt als auch zusätzliche Wertpapierkäufe zur Konjunkturstützung vorgenommen. Sie erntete dafür von Seiten der Brexit-Befürworter herbe Kritik.

Unterschiedliche Bewertung

Doch die einst vor Kraft strotzende Wirtschaft Großbritanniens legte zuletzt nur noch relativ schwach zu. Manche Experten sehen den Schritt der Notenbank daher mit Skepsis: "In solch einem Umfeld die Zinsen anzuheben, ist ein gewagtes Manöver. Die Gefahr ist nicht unerheblich, dass der Schuss nach hinten losgeht", sagte Ökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank.

UK London | Skyline des Londoner Finanzzentrums The City (picture alliance/dpa/D. Kalker)

Das Londoner Finanzzentrum schaut nach wie vor nervös auf den bevorstehenden Brexit

Sintje Boie von der HSH Nordbank hat keinen Handlungsdruck für eine Erhöhung der Zinsen gesehen: "Man fragt sich ein bisschen, was die Bank of England damit bezweckt? Die Konjunktur trübt sich zwar nicht so sehr ein wie befürchtet, steht aber doch auf wackligen Beinen." Es sei nicht klar, wie es mit dem Brexit-Verhandlungen weitergeht, so Boie: "Die Unternehmen halten deshalb Investitionen zurück. Das wird sich auf die Wirtschaft niederschlagen. Das wiederum spricht nicht für Zinsanhebungen."

Britisches Pfund in Bewegung

Viele Fachleute erwarten, dass die Notenbank nun vorerst still hält und bis Mitte 2019 auf weitere Erhöhungen verzichtet. Bis dahin sollen auch die stockenden Brexit-Verhandlungen über die Bühne gegangen sein. Als Austrittsdatum steht der 29. März 2019 fest.

Seit dem EU-Austrittsvotum vom 23. Juni 2016 hat das Pfund deutlich abgewertet, was Importe verteuert und so die Preise anheizt. Mittlerweile liegt die Teuerungsrate mit drei Prozent weit über der Zielmarke der BoE. Anleger haben nach der Zinserhöhung der Bank of England (BoE) beim Pfund Sterling ihre Gewinne eingestrichen. Die britische Währung rutschte auf 1,3125 Dollar ab, nachdem sie zuvor meist um 1,32 Dollar gependelt war. Zeitweise fiel sie sogar knapp unter die Marke von 1,31 Dollar. Die Zinsentscheidung sei auch an den Börsen erwartet worden. Daher konnte der Euro zulegen und kletterte auf 0,8874 Pfund von knapp über 0,88 Pfund vor der Entscheidung. Es war der größte Tagesverlust des Pfundes zum Euro seit fast dreieinhalb Monaten.

nm/tko (dpa, rtr)

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