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Europa

Britische Marinesoldaten dürfen Gefangenschaft zu Geld machen

Die freigelassenen britischen Marinesoldaten dürfen die Geschichte von ihrer Gefangenschaft im Iran an die Medien verkaufen. Damit setzt sich das Verteidigungsministerium in London über sonst übliche Regeln hinweg.

Drei der Soldaten bei einer Pressekonferenz am Freitag, Quelle: AP

Drei der Soldaten bei einer Pressekonferenz am Freitag

Der Captain Chris Air wird nach der Pressekonferenz von Journalisten umringt, Quelle: AP

Der Captain Chris Air wird nach der Pressekonferenz von Journalisten umringt

Die 15 britischen Marineangehörigen, die vom Iran festgehalten worden waren, dürfen ihre Geschichte an die Medien verkaufen. Normalerweise sei dies nicht erlaubt, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums am Samstag (8.4.2007). Die ungewöhnliche Entscheidung sei auf Grund der "außergewöhnlichen Umstände" getroffen worden. Es gebe ein beträchtliches Interesse der Medien. Sie wisse aber nicht, ob einer der 15 bereits einen Vertrag mit Medien geschlossen habe.

Bekannt im ganzen Land

Medienberichten zufolge könnten die Soldaten für ihre Schilderungen insgesamt rund 250.000 Pfund (rund 367.000 Euro) erhalten. Medienunternehmen haben bereits den Familien der Soldaten große Summen für Berichte über die Zeit der Gefangenen-Krise angeboten. Das Ministerium sei daher der Auffassung, dass es am pragmatischsten sei, wenn die Soldaten selbst ihre Geschichte erzählten, sagte die Sprecherin.

Die Soldaten vor ihrer Freilassung in Teheran, Quelle: AP

Die Soldaten vor ihrer Freilassung in Teheran

Einige der Soldaten sind in Großbritannien inzwischen sehr bekannt, weil das iranische Fernsehen mehrfach Aufnahmen und Befragungen von ihnen zeigte. Besonders das Schicksal von Faye Turney, der einzigen Frau der Einheit und Mutter einer dreijährigen Tochter, ist in den Medien auf großes Interesse gestoßen. Sie habe ihre Geschichte für umgerechnet rund 147.000 Euro an den TV-Sender ITV und eine Tageszeitung verkauft, berichteten britische Medien. Oppositionspolitiker und hochrangige Vertreter des Militärs kritisierten die Entscheidung des Verteidigungsministeriums

Bendedikts Osterbitte

Die Soldaten mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad (r.), Quelle: AP

Die Soldaten mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad (r.)

Unterdessen wurde bekannt, dass sich Papst Benedikt XVI. persönlich für die Freilassung der Marineangehörigen eingesetzt haben. Dies verlautete am Samstag aus Vatikankreisen in Rom, die damit einen Bericht der britischen Zeitung "The Guardian" bestätigten. Das katholische Kirchenoberhaupt habe vor wenigen Tagen einen Brief an den Obersten Führer Irans, Ajatollah Ali Chameini, geschrieben. Darin habe er ihn darum gebeten, eine Lösung für die Krise zu finden, hieß es. Benedikt habe darin ausdrücklich die Hoffnung geäußert, dass die gefangenen Briten noch vor Ostern in ihre Heimat zurückkehren dürften.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte die Briten am Mittwoch mit Verweis auf Ostern und den Geburtstag des Propheten Mohammed freigelassen. Die Begnadigung nannte er "ein Geschenk an das britische Volk". Die Regierung in Teheran warf ihnen vor, in iranisches Hoheitsgebiet eingedrungen zu sein. Die britischen Marineangehörigen haben am Freitag auf einer Pressekonferenz in Großbritannien betont, dass sie sich bei ihrer Festnahme definitiv nicht in iranischen Hoheitsgewässern aufgehalten hatten.

Die Soldaten waren am 23. März im irakisch-iranischen Grenzgewässer im Mündungsgebiet des Schatt al-Arab festgenommen worden. Der Iran warf ihnen vor, in seine Hoheitsgewässer eingedrungen zu sein, was Großbritannien bestreitet. Die Soldaten erklärten nach ihrer Heimkehr am Donnerstag, sie seien im Iran zu falschen Geständnisse gezwungen worden. Unter anderem sei ihnen sieben Jahre Haft angedroht worden. (stu)

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