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Europa

Britische Islam-Gegner auf dem Vormarsch

Die islam-feindliche und rechtsextreme "English Defence League" wächst. Tausende Anhänger erscheinen zu Demonstrationen. Jetzt zieht es die "League" nach Amsterdam.

Ein Polizist hält einen Hooligan im Schwitzkasten (Foto: AP)

Auftritte der EDL führen oft zu Konfrontationen mit der Polizei

Die "English Defence League" ist wahrscheinlich die am schnellsten wachsende rechtsextreme Bewegung, seit die Faschisten in den 1930er Jahren durch die Straßen Großbritanniens und Europas zogen. Die anti-islamisch ausgerichtete "Defence League" hat in Großbritannien seit ihrer Gründung im vergangenen Jahr bereits zehn teils gewaltsame Demonstrationen veranstaltet. Jetzt will sie ihre rechtsextremen Ansichten in Europa verbreiten.

In der kommenden Woche ist eine Großdemonstration in Amsterdam geplant. Dort will sie den niederländischen Politiker Geert Wilders unterstützen. Der Islam-Kritiker Wilders steht wegen angeblich rassistischer Äußerungen vor Gericht. In mehreren Ländern Europas formieren sich so genannte "Defence Leagues".

Die "English Defence League" (Englische Verteidigungsliga) ist eine anti-islamische Gruppierung, die viele Unterstützer im rechtsextremen Lager rekrutieren kann. Wenn sie in Großbritannien zu Kundgebungen aufruft, kann sie fast an jedem Ort mit Tausenden von Teilnehmern rechnen. Die Demonstrationen geraten oft zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, begleitet von anti-islamischen Sprechchören.

Ein Polizist vor Demonstranten (Foto: AP)

EDL-Anhänger demonstrierten im März in London

Rassistische Pöbeleien

Einer der Sprecher der radikalen Bewegung ist Tommy Robinson, der mit vulgären Hasstiraden auf einer verbotenen Demonstration in der Stadt Leicester vor einigen Wochen die Menge anstachtelte. Die Polizei solle sich statt um seine Truppe lieber um islamische Jugendbanden kümmern, die nicht moslemische Jugendliche angriffen und Mädchen vergewaltigten, so Robinson. Tommy Robinson ist aber nicht der echte Name des Mannes. Der echte Tommy Robinson ist eigentlich ein verurteilter Fußball-Hooligan aus Luton. In dieser Stadt wurde die "English Defence League", oder kurz EDL, im vergangenen Jahr gegründet. Der falsche Robinson gibt sich selbstbewußt: "Wir werden immer stärker."

Trotz der rassistischen Parolen behaupten der falsche Tommy Robinson und andere führende Mitglieder der EDL, sie seien keine Rassisten und ganz friedlich. Ihre Organisation wolle nur extreme Islamisten bekämpfen, die die Zivilisation der westlichen Welt bedrohten. Sie behaupten, jede Rasse und jede Hautfarbe sei ihnen willkommen. Als Beweis gilt ihnen ein prominentes Mitglied der EDL, ein Sikh indischer Herkunft. Sie bestreiten auch Neo-Nazis zu sein und tragen oft israelische Flaggen in ihren Demonstrationszügen.

Weymann Bennett im Porträt (Foto: DW)

Weyman Bennett kämpft gegen die EDL

Gefährliche Mischung

Für Weyman Bennett steht fest: "Die 'Englisch Defence League' ist eine Mischung aus gewalttätigen Fußball-Fans, Nazis und Unzufriedenen. Wenige von Ihnen haben eine klare politische Ideologie und ein politisches Ziel, das sie verfolgen." Weyman Bennett ist der Leiter der antifaschistischen Gegenbewegung "Unite against Fascism". Er glaubt, wie viele andere, der verharmlosenden Selbstdarstellung der EDL nicht: "Diese Leute sagen, dass es eine Krise in Europa gibt und dass die Moslems daran Schuld seien. Genauso wurden früher die Juden verantwortlich gemacht."

Die Taktik der EDL besteht aus gewalttätigen Demonstrationen und einer extremen Einschüchterung ihrer Gegner, erzählt Weyman Bennett von der antifaschistischen Gruppe: "Sie haben unsere Versammlungen überfallen. 30 Mann haben Leute verprügelt, die nicht ihrer Meinung sind. Ich wurde selbst angegriffen. Sie stellen Schweineköpfe vor Moscheen auf, um die Menschen zu beleidigen. Sie sind keine gewöhnlichen Schläger. Sie sind politisierte Schläger. Sie haben einen Plan, den sie verfolgen. Ich glaube, seit den Dreißiger Jahren haben wir solche Wellen von Intoleranz nicht mehr erlebt. Dagegen müssen wir etwas unternehmen."

Gegenwehr

Vor einem Jahr hatten einige hundert EDL-Anhänger in Manchester demonstriert. Damals waren Gegen-Demonstranten und Polizisten noch in der Überzahl. Heute sind es weit mehr EDL-Aktivisten. Sie kommen zu Tausenden und wollen sich jetzt mit Gesinnungsgenossen in ganz Europa zusammentun. Sollte sich die EDL europaweit ausbreiten, müssten etablierte Parteien anfangen, sich zu wehren. Das sagt Glyn Ford.

Er saß für die britischen Sozialdemokraten im Europäischen Parlament und hat ein Buch über faschistische Bewegungen in Europa geschrieben. "Das ist ganz klar nicht nur ein britisches Problem. Es ist auch kein holländisches oder deutsches Problem. Es ist ein Problem aller westlichen Demokratien in der Europäischen Union." Da die rechtsextremen Parteien und Neofaschisten zusammenfinden, müssten die antifaschistischen Gruppen auch europaweit zusammen arbeiten, glaubt Glyn Ford. Es sei ja keine Überraschung, dass sich die Extremen von Geert Wilders oder Jean Marie Le Pen in Frankreich oder der Freiheitspartei in Österreich angezogen fühlen.

Geert Wilders im Porträt (Foto: AP)

Distanz zu rechten Schlägern: Geert Wilders

Wilders distanziert sich

Manche Beobachter glauben, dass die "English Defence League" nichts weiter ist als ein loser Haufen von jungen, frustrierten weißen Männern ist. Sie hoffen, dass sie nach anfänglichem Schwung wieder von alleine verschwinden wird. Aber Weyman Bennett von der Vereinigung der Antifaschisten sagt, dass man aus der Geschichte lernen müsse: "Das gab es schon einmal. Hitler hat die Straßen mit politisierten, aufgepeitschten Massen beherrscht und jede Opposition eingeschüchtert. Ich denke, jetzt wird Hass auf die Juden einfach durch Angst vor dem Islam ersetzt. Es wird heute keine Paraden in den Straßen geben, sondern man macht es wie Geert Wilders und spricht über den Verlust von Identität und Stolz. Das ist, ganz klar, eine Bedrohung für uns alle."

Geert Wilders hat sich von der "English Defence League" inzwischen distanziert. Die geplante Demonstration in Amsterdam zu seiner Unterstützung, bedeute ihm nichts, so Wilders. Er habe mit der EDL und ähnlichen Gruppen nichts zu tun. Trotzdem lässt sich die rechtsextreme englische Organisation nicht beirren. Sie hält an ihrem Plan fest, nächste Woche in den Niederlanden aufzumarschieren.

Autor: Lars Bevanger/ Bernd Riegert
Redaktion: Fabian Schmidt

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