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Nahost

Briten ziehen sich aus Basra zurück

Die britischen Streitkräfte haben ihren Stützpunkt in der zweitgrößten irakischen Stadt Basra aufgegeben. Premierminister Gordon Brown widersprach der Einschätzung, die Briten hätten sich im Irak "geschlagen gegeben".

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'Good bye Basra' - Britische Soldaten verlassen die Stadt

Bis zum Beginn des Abzugs am Sonntag (2.9.2007) waren zuletzt noch rund 550 britische Soldaten in der Militärbasis auf dem Gelände des Palastes von Basra stationiert. Sie wurden im Schutze der Dunkelheit zu den rund 5000 anderen Briten verlegt, die sich bereits in den vergangenen Monaten auf eine Basis neben dem Flugplatz außerhalb von Basra zurückgezogen hatten. Die Zeitung "The Times" berichtete am Montag, nach dem "höchst symbolischen" Rückzug aus Basra sei nun mit dem Beginn des Abzugs britischer Soldaten aus dem Irak zu rechnen.

Es galt ein Ausgehverbot in Basra, als die 550 Soldaten den Stützpunkt Basra Palace verließen. Er wurde zuletzt fast täglich mit Mörsern oder Raketen angegriffen. Die Soldaten wurden auf den Stützpunkt am Flughafen von Basra verlegt, wo der Großteil der insgesamt noch 5500 britischen Soldaten im Irak stationiert ist.

Brown: "Wir sind nicht geschlagen"

Das Kommando über den Basra-Palast hätten nun die irakischen Sicherheitskräfte übernommen, erklärte ein irakischer Armeesprecher. Der Abzug sei planmäßig im Vorfeld der Übergabe der Kontrolle über die gesamte Provinz Basra an die irakische Armee erfolgt, sagte ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums in London. Der Abzug verlaufe planmäßig.

Der britische Premierminister Gordon Brown bezeichnete den Rückzug als "vorausgeplante und organisierte" Truppenverlegung. In einem BBC-Interview widersprach er am Montag der Einschätzung, dass der Abzug aus der zweitwichtigsten Stadt des Irak eine "Niederlage" sei. Die nun am Airport außerhalb von Basra stationierten 5500 Soldaten hätten immer noch die Fähigkeit, in der Stadt einzugreifen, erklärte Brown.

Zuvor war laut BBC in US-Militärkreisen die Einschätzung geäußert worden, die Briten hätten sich im Irak "geschlagen gegeben". Brown betonte, dass Großbritannien weiterhin seine "Verpflichtungen gegenüber dem irakischen Volk und der internationalen Gemeinschaft" erfüllen werde.

Brown hat sich zur Frage eines Abzugs der britischen Truppen aus dem Irak nie auf einen Zeitplan festgelegt. Browns Vorgänger Tony Blair hatte schon im Februar 2007 die Zahl der britischen Soldaten im Irak von 7000 auf 5500 verringert. Schon damals hieß es, weitere 500 Soldaten könnten abgezogen werden, wenn der Stützpunkt in Basra den Irakern übergeben worden sei. Seit dem Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind bislang 168 britische Soldaten getötet worden.

"Intellektuell bankrott"

Am Samstag (1.9.2007) hatte noch der Oberkommandierende der britischen Armee während der Irak-Invasion, General Sir Mike Jackson, mit der Einschätzung für Aufsehen gesorgt, die Irak-Strategie der USA sei am Ende. Das Vorgehen der Amerikaner im Irak bezeichnete er im Gespräch mit der Zeitung "Daily Telegraph" als "intellektuell bankrott".

Insbesondere wies Sir Mike, der bis 2006 Oberbefehlshaber der Armee war, dem früheren US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und dessen neokonservativen Verbündeten Schuld am Chaos im Irak zu. Dem stimmte einen Tag später im "Sunday Mirror" der Generalmajor a.D. Tim Cross zu, der seinerzeit stellvertretender Chef des Stabs der Koalitionstruppen für Wiederaufbau und humanitäre Unterstützung im Irak war. Er habe Rumsfeld vergeblich vor schweren Mängeln gewarnt, erklärte Cross. "Im Rückblick gibt es keinen Zweifel, dass der US- Nachkriegsplan mit tödlichen Fehlern behaftet war und viele von uns haben das damals schon gespürt." General Jackson kritisierte, Rumsfeld habe sich geweigert, die Notwendigkeit des Einsatzes von viel mehr Soldaten zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung nach dem Sturz Saddam Husseins zu akzeptieren. Falsch sei auch die Entscheidung von US- Präsident George W. Bush gewesen, dem Außenministerium die Nachkriegsplanung zu entziehen und diese dem Pentagon zu überlassen.

Der konservative Politiker Sir Malcolm Rifkind - einst Außen- sowie Verteidigungsminister Großbritanniens - sagte der BBC, die Kritik der Generäle sei berechtigt. Rumsfeld sei "inkompetent" gewesen. (stl/sams)

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