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Welt

Briten streiken gegen Sparprogramm

Es war einer der größten Streiks in Großbritannien seit Jahrzehnten: Bis zu zwei Millionen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes protestierten gegen die Ankündigung der Regierung, die Renten zu kürzen.

Demonstranten (Foto: dapd)

Britische Gewerkschafter streikten gegen Rentenpläne

Krankenschwestern, Rettungssanitäter und Mitarbeiter öffentlicher Verkehrseinrichtungen gehörten zu den Ersten, die sich am Mittwoch (30.11.2011) bereits seit Mitternacht an dem landesweiten Streik beteiligten - dem größten in Großbritannien seit mehr als 30 Jahren. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich rund zwei Millionen Menschen an dem eintägigen Ausstand aus Protest gegen angekündigte Rentenkürzungen.

Demonstranten (Foto: dapd)

Hafen von Dover: an den Flug- und Seehäfen fielen die Proteste geringer aus als erwartet

In den Ausstand traten aber auch Lehrer und Mitarbeiter der Einreisebehörde und der Müllabfuhr. Im ganzen Land gab es Kundgebungen, Streikposten zeigten sich vor Betrieben.

Nach Angaben des Bildungsministeriums blieben drei von vier Schulen geschlossen. In Nordirland kam der gesamte öffentliche Nahverkehr zum Erliegen. In Krankenhäusern wurden Operationen und Untersuchungstermine verschoben. In London gab es Engpässe beim Betrieb der Krankenwagen. Zeitweise hätten sich die Ambulanzen nur noch um lebensbedrohliche Notfälle gekümmert.

Anders als befürchtet gab es an den Flug- und Seehäfen Großbritanniens keine größeren Probleme. Großbritanniens größte Flughäfen London Heathrow und Gatwick hatten sich auf die Streiks vorbereitet. Die Regierung hatte vorsorglich sogar Botschaftsmitarbeiter nach Hause gerufen, damit sie an den Airports aushelfen.

Ein Jahr länger auf die Rente warten

Der britische Premierminister David Cameron (Foto: dapd)

Premierminister Cameron will das Sparprogramm durchziehen

Die Gewerkschaften kämpfen gegen die Rentenreformpläne der britischen Regierung. Sie sind Teil des massiven Sparprogramms, mit dem die Verschuldung des Landes abgebaut werden soll. Die Pläne sehen unter anderem vor, dass Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes künftig ein Jahr länger arbeiten und zudem höhere monatliche Rentenbeiträge zahlen müssen.

Die Regierung wirft den Gewerkschaften vor, mit ihren Protesten in wirtschaftlich schweren Zeiten unnötig weitere Probleme zu verursachen. Streiks bescherten der ohnehin geplagten Wirtschaft weitere Ausfälle und gefährdeten Arbeitsplätze. Premierminister David Cameron kündigte an, er werde die Reformen ungeachtet der Proteste nicht stoppen. Während Umfragen ergeben hatten, dass die Bevölkerung die Streiks weitgehend unterstützten, gab es kaum Rückhalt von der Opposition.

Wirtschaftsprognose schlechter als erwartet

Die britische Regierung hatte noch am Dienstag ihre Wachstumsprognosen für das laufende sowie das kommende Jahr nach unten korrigiert. So erwarte das Amt für Haushaltsverantwortung (Office for Budget Responsibility, OBR) für dieses Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent, teilte Schatzkanzler George Osborne mit. Noch im März war das OBR von 1,7 Prozent ausgegangen.

Für das kommende Jahr prognostiziert das Amt nun ein Wachstum von 0,7 Prozent. Im März hatte es noch 2,5 Prozent vorausgesagt. Die aktuelle Vorhersage gehe davon aus, dass die Staaten der Eurozone die Schuldenkrise in den Griff bekämen, sagte Osborne. Falls nicht, würden sich die Aussichten noch weiter verschlechtern. Die Regierung geht nun davon aus, dass die Neuverschuldung nicht so schnell wie ursprünglich erwartet zurückgehen wird. Das Königreich muss damit länger sparen als bislang geplant.

Autorin: Naima El Moussaoui / Herbert Peckmann (dpa, rtr, dapd)

Redaktion: Reinhard Kleber / Rolf Breuch

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