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Politik

Briten im Irak unter Druck

Der Süden des Irak galt als vergleichsweise ruhig. Doch nach der Befreiung zweier Briten aus irakischer Haft sieht sich die britische Armee einer zunehmend kritischen Lage gegenüber.

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Demonstrationen in Basra gegen die britische Armee

Die Verwaltung der südirakischen Hafenstadt Basra hat jede Zusammenarbeit mit den Briten abgebrochen. Sie protestiert damit gegen die gewaltsame Befreiung zweier Briten durch die britische Armee, die zuvor von der irakischen Polizei festgenommen worden waren. Alle regelmäßigen Beratungen zwischen der Provinzregierung und der britischen Armee seien abgesagt worden, sagte Nadim el Dschaabari, der Sprecher des Gouverneurs von Basra, am Donnerstag (22.9.2005). Zudem sei es britischen Soldaten ab sofort verboten, irakische Verwaltungsgebäude in Basra zu betreten.

Irak Demonstrationen in Basra gegen die britische Armee

Irakische Demonstraten fordern eine Entschuldigung der Briten

Boykott der britischen Truppen

Der 41-köpfige Provinzrat von Basra beschloss nach Angaben seines Vorsitzenden Mohammed Saadun el Abidi einen "Boykott der britischen Truppen". Zudem forderte er die Briten auf, die beiden Soldaten an die Iraker zu überstellen. Am Mittwoch waren 200 Polizeibeamte durch Basra marschiert und hatten die Entlassung des Polizeichefs und eine Überstellung der beiden "britischen Terroristen" an die irakische Justiz gefordert. Britischen Presseberichten zufolge riefen die Demonstranten "Nein zur Besatzung"; einige sollen mit Kalaschnikow-Gewehren und Pistolen bewaffnet gewesen sein.

Irak Basra Britische Soldaten stürmen Gefängnis

Das Gefängnis war am Montag von britischen Panzern eingerissen worden

Trotz der Spannungen will die Regierung in London ihre Truppen nicht aus dem Irak abziehen. Der britische Verteidigungsminister John Reid versicherte am Mittwoch, dass seine Soldaten nicht aus dem Irak "weglaufen" und ihre Aufgabe der Hilfe beim Aufbau einer unparteiischen Polizeitruppe "nur zur Hälfte erfüllt" zurücklassen würden.

Schadensbegrenzung in London

Die Regierungen in London und Bagdad sind unterdessen um Schadensbegrenzung bemüht. Der irakische Ministerpräsident Ibrahim al Dschafaari erklärte nach einem Treffen mit Reid in London, der Zwischenfall werde die bilateralen Beziehungen nicht beeinträchtigen. Der britische Verteidigungsminister Reid verteidigte den Angriff auf das irakische Gefängnis als "absolut richtig" und bekräftigte das militärische Engagement seines Landes im Irak. Dschafaari sagte, so etwas könne passieren, wenn überall im Land Streitkräfte stationiert seien. Er hoffe, dass man gemeinsam die Wahrheit über die Militäraktion herausfinden werde. Die britische Regierung wird nun mit Forderungen nach einem Abzug konfrontiert. So titelte am Mittwoch die konservative Zeitung "Daily Express", die den Einsatz im Irak bislang unterstützte: "Bringt sie nach Hause zurück."

Irak Basra Britische Soldaten stürmen Gefängnis

Nach den Zusammenstößen am Montag flieht ein brennender Soldat aus einem Panzer

Die beiden britischen Soldaten waren am Montag in einen Schusswechsel mit irakischen Polizisten verwickelt worden, als sie in arabischer Kleidung durch Basra fuhren. Dabei soll mindestens ein irakischer Soldat getötet worden sein. Unter dem Einsatz von Panzern rissen britische Soldaten am Montagabend eine Mauer des Zentralgefängnisses ein und befreiten die dort festgehaltenen Soldaten. Iraker griffen die Panzer mit Molotow-Cocktails an. Es gab mehrere Tote und Verletzte. Nach britischen Angaben waren die Männer von der Polizei an radikale Milizen übergeben worden und befanden sich in Lebensgefahr. Iraks Innenministerium wies diese Darstellung zurück und erklärte, die Männer hätten nie das Gefängnis oder Polizeigewahrsam verlassen.

Von Terroristen unterwandert

Nach Angaben der irakischen Regierung sind die Sicherheitskräfte im Irak von radikalen Milizen durchsetzt. In vielen Teilen des Landes sei aufständischen Milizen und sogar Terroristen die Unterwanderung der Polizei gelungen, sagte der nationale Sicherheitsberater Muwaffak al-Rubai. Im Gespräch mit dem Nachrichtensender Al-Arabija bezeichnete er die Militäraktion der Briten aber als "Verletzung der Souveränität des Irak". Die irakische Regierung erwarte von der britischen Armee eine Erklärung dafür, weshalb die Soldaten in Zivil unterwegs waren.

Irak Basra Britische Soldaten stürmen Gefängnis Kombo

Die beiden britischen Soldaten sollen in geheimer Mission unterwegs gewesen sein

Großbritannien hat 8500 Soldaten im Irak stationiert, der überwiegende Anteil im südlichen, schiitischen Teil des Landes. Die Beziehungen zu den Irakern galten bislang als besser als die zwischen den US-Soldaten und den Sunniten im mittleren Teil des Iraks, wo auch der Schwerpunkt des Aufstandes der radikalen Gruppen liegt. Wie die USA haben auch die Briten trotz Drucks im Inland keinen Zeitplan für einen Abzug der Truppen vorgelegt. (stu)

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  • Datum 22.09.2005
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