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Europa

Britannien ohne Queen? Unthinkable!

Mit Schiffsprozession, Rockkonzert und Picknick lässt sich die Queen feiern. Seit 60 Jahren regiert Elizabeth II. Die meisten Untertanen lieben sie. Nur wenige Briten outen sich als Republikaner.

Die Monarchie genießt in Großbritannien so viel Zuspruch wie nie zuvor in den letzten zehn Jahren. Nur 21 Prozent der Briten würden die Monarchie abschaffen. Über die Hälfte aller Befragten glauben, dass es dem Land mit der Queen und der königlichen Familie einfach besser geht. Das zeigt eine Umfrage des Londoner Meinungsforschungsinstituts ICM unter 2000 Briten im letzten Monat. Seit Samstag (02.06.2012) wird in Großbritannien vier Tage lang gefeiert, dass Elizabeth II. vor 60 Jahren Königin wurde.

Knick in der Kurve durch Dianas Tod

Lady Diana im Fernsehinterview mit der BBC im November 1995. Sie gesteht den Ehebruch und klagt über rüde Behandlung durch ihre Schwiegermutter VIDEO-GRAB COURTESY BBC TV PICTURE PUBLICITY. = UK OUT = = STRICT EMBARGO: NOT FOR PUBLICATION BEFORE 2240 HRS, MONDAY, 20 NOVEMBER 1995 =

Geständnis im Interview 1995, Tiefpunkt für die Monarchie: Lady Diana verläßt Prinz Charles

Die Beliebtheit der Monarchie erlitt in der Mitte der 1990er Jahre einen schweren Einbruch. Es gab eine Reihe von Scheidungen im Könighaus, darunter die dramatische Trennung von Thronfolger Prinz Charles und Prinzessin Diana. Nach dem Tod der "Prinzessin der Herzen" durch einen Autounfall in Paris im Jahr 1997 wurde die Königsfamilie - und besonders die Königin - für ihre gefühlskalten Reaktionen auf die Tragödie kritisiert. Aber die Queen konnte sich aus dem Stimmungstief herausarbeiten, indem sie nach einigen Tagen mit Trauernden am Buckingham-Palast sprach, Blumen niederlegte und sich mit einer Ansprache ans Volk wandte. Ihre Popularität ist seither wieder gestiegen und hat jetzt ein unerreicht hohes Niveau.

Die pompöse Hochzeit ihres Enkels, Prinz William, mit Kate Middleton im vergangenen Jahr und die Feiern zum Thronjubiläum in diesem Jahr haben die Briten erneut für die Monarchie begeistert - nicht zuletzt auch, weil die Queen einen zusätzlichen Feiertag (05.06.2012) als Jubilee-Day spendierte.

Anker der Stabilität

Von außen gesehen erscheint es ironisch, dass die Briten das öffentliche Zurschaustellen von Pomp, Luxus und Verschwendung feiern, während gleichzeitig die Konjunkturaussichten der britischen Wirtschaft alles andere als rosig sind. Die Krise in der Euro-Zone trübt die Stimmung zusätzlich ein. Die "Royals" werden wohl vielfach als ein Anker der Stabilität und Kontinuität wahrgenommen. Stabilität, nach der sich viele sehnen in einer Welt, die von sozialem und wirtschaftlichem Wandel geprägt ist.

Oliver Lane, der Vorsitzende der britischen Monarchisten-Liga, begründet die Beliebtheit der Queen mit ihrem Wirken abseits der aktuellen Tagespolitik. "Wir haben das Glück, dass die konstitutionelle Monarchie extrem stabil ist und diese Stabilität auch auf das öffentliche Leben überträgt", sagte Oliver Lane der Deutschen Welle. "Die Königin ist ein Staatssymbol, muss aber keine harten und unpopulären Entscheidungen treffen. So ist es für sie einfach, den hohen Grad an Beliebtheit zu halten."

Schiffsparade auf der Themse unterhalb der Towerbridge am 03.06.2012 EPA/PO TERRY SEWARD/HO HANDOUT EDITORIAL USE ONLY MANDATORY CREDIT

Tausend Schiffe auf der Themse: Feiern zum 60. Thronjubiläum der Queen

Sechs Jahrzehnte an der Spitze

Elizabeth II. ist die am zweit-längsten amtierende Königin in der Geschichte Großbritanniens. Länger saß nur ihre Ur-Ahnin Königin Victoria im vorletzten Jahrhundert auf dem Thron, nämlich 63 Jahre. Als die Krönung von Elizabeth II. 1953 live im Fernsehen übertragen wurde, war das für viele Untertanen ein Zeichen der Hoffnung in harten Zeiten. Großbritannien hatte schwer mit den wirtschaftlichen Folgen des Zweiten Weltkrieges zu kämpfen. In diesem Jahr vermitteln die Jubiläums-Feiern einen ähnlichen "Wohlfühl-Faktor". "Einer der Gründe, warum die Monarchie in unserem Land so anhaltend erfolgreich ist, ist ihre Fähigkeit, sich zu wandeln und den Zeiten anzupassen", sagt Monarchist Oliver Lane. "Es gibt ja keine schriftlichen Dokumente oder gar eine Verfassung, die die Rolle der Königin beschreiben oder festlegen würde. Das kann sich im Laufe der Zeit also immer ändern."

"Nicht zeitgemäß"

Republikanisch gesinnte Briten setzen ihre Hoffnung auf einen Wandel eher darauf, dass die eingefleischten Fans der 86-jährigen Queen in der Mehrheit alle über 65 Jahre alt sind. In der jungen Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren gibt es wesentlich weniger Anhänger der Queen. Von den jungen können sich immerhin 28 Prozent Großbritannien auch ohne Krone, Hofstaat und goldene Kutschen vorstellen. "Ein Symbol wie die königliche Familie steht für die Verehrung von unverdienten Privilegien und geerbten Reichtum. Das hat wirklich keinen Platz in einer modernen Gesellschaft", glaubt Andrew Child, Sprecher der Lobbygruppe "Republic". Andrew Child ist Journalist und tritt für ein Ende der Erbmonarchie ein.

Menschen unter Regenschirmen an der Waterloo Station in London warten auf den Beginn der Feierlichkeiten zum 60. Thronjubiläum der Queen. EPA/ALEX MACNAUGHTON

Regen kann den Fans nichts anhaben: Hundertausende Briten versammelten sich zu Paraden und Picknicks

"Das ist doch komplett archaisch und anachronistisch", so Child gegenüber der DW. "Die Macht wird in der Hand einer elitären Familie konzentriert, anstatt sie dem Volk zu geben." Der Republikaner Child glaubt nicht, dass die meisten Briten so viel Liebe für die Monarchie empfinden. "Die meisten freuen sich nur über den zusätzlichen freien Tag", so Child. "Die Mehrzahl der Menschen feiert ja auch nicht an diesen Tagen, sondern fährt in Urlaub, macht ein langes Wochenende. Die scheren sich nicht um die Royals."

"Unsere Dienerin"

Die Monarchisten um Oliver Lane verstehen die Argumente der Republikaner, sagen aber, die Monarchie passe eben besser zu Großbritannien. "Ich glaube nicht, dass irgendjemand behaupten kann, die Queen arbeitet nur für ihren eigenen Vorteil. Wir sind nicht ihre Diener. Sie ist unsere Dienerin. Sie arbeitet rastlos für das Land. Ich glaube, wir hätten Schwierigkeiten, einen Präsidenten zu finden, der diese Rolle genau so ausfüllen könnte, wie sie es tut."

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