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Afrika

Brisanter Kongo-Bericht veröffentlicht

Trotz Protesten von Ruanda und Uganda: Die Vereinten Nationen haben nun einen kritischen Untersuchungsbericht zu Gräueltaten in der Demokratischen Republik Kongo veröffentlicht.

Rotes-Kreuz-Helfer tragen ein Opfer zum Friedhof (Foto: AP)

Gebeuteltes Land: Die Demokratische Republik Kongo kam in den 1990er Jahren nicht zur Ruhe

Schwere Vorwürfe erhebt der am Freitag (01.10.2010) veröffentlichte Bericht der Vereinten Nationen gegen die Armeen der Nachbarstaaten der Demokratischen Republik Kongo, des damaligen Zaires. Sie sollen in dem Land zwischen 1993 und 2003 systematisch Verbrechen begangen haben. Mehr als 600 Gewalttaten aus dieser Zeit werden in dem Report aufgelistet, einige davon könnten laut UN möglicherweise auch als Kriegsverbrechen oder Völkermord eingestuft werden.

Kritik der betroffenen Staaten

Friedhof für die Opfer des Genozids in Ruanda (Foto: AP)

Erst Opfer, dann Täter? Hunderttausende Tutsi starben während des Genozids in Ruanda

Dagegen wehrt sich vor allem Ruanda vehement. In dem Land wurde 1994 ein Genozid verübt, dem bis zu 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu zum Opfer gefallen waren. Der am Freitagnachmittag offiziell vorgestellte UN-Bericht schildert nun systematische Gewalt an Hutu, die aus Angst vor Rache 1994 in den Osten des Kongo geflohen waren. Die ruandische Außenministerin Louise Mushikiwabo wirft den UN eine "Beleidigung der Geschichte" vor.

Auch der Außenminister von Uganda, Sam Kutesa, schloss sich der Kritik an. Er erklärte, der Report sei eine "Zusammenstellung von Gerüchten", denen es an Beweisen mangele. Durch solche Vorwürfe werde es Uganda schwer gemacht, sich weiter an Friedensmissionen der Vereinten Nationen zu beteiligen, erklärte Kutesa am Freitag. Uganda ist mit rund 4300 Soldaten am Friedenseinsatz der Afrikanischen Union (AU) in Somalia beteiligt. Die Regierungen Ugandas und Ruandas haben bereits erklärt, der Bericht der Vereinten Nationen sei fehlerhaft und könne der Region großen Schaden zufügen.

Der Bericht kann als eine "Bestandsaufnahme" der schwersten Verbrechen, die zwischen 1993 und 2003 im früheren Zaire begangenen worden seien, betrachtet werden, betonen die Autoren. Er sei keine Prozessakte. Sorgfältige Recherchen haben Hunderte von "gewaltsamen Vorfällen" ans Tageslicht gebracht. In ihrem Bericht führten die UN-Experten 617 Fälle auf, die von mindestens zwei unabhängigen Quellen bestätigt werden. Die Rede ist darin von schweren Massakern mit Hammern, von Gruppenvergewaltigungen und Verbrennungen bei lebendigem Leib.

"Noch nie dokumentierte Verbrechen"

Ein weinendes ruandisches Flüchtlingskind, das seine Familie sucht, überquert allein den Grenzpunkt zwischen Zaire und Ruanda bei Gisenyi (Archivfoto: dpa)

Aus Angst vor Rache flohen viele Hutu von Ruanda ins damalige Zaire, dem heutigen Kongo

Die meisten Vergehen könnten als Kriegsverbrechen und das "systematische" Vorgehen gegen Hutus als Völkermord eingestuft werden, heißt es in dem Bericht. Es habe zudem zahlreiche "Wellen von Repressalien" und Verfolgungskampagnen gegeben. Diese könnten als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet werden. Unter den Opfern seien häufig Frauen, Kinder, Alte oder Schwache gewesen, die den Angreifern schutzlos ausgeliefert gewesen seien, so der Report weiter.

Mehr als 1200 Zeugen waren laut Darstellung befragt worden. Zusätzlich kamen rund 200 Vertreter von einheimischen Nichtregierungsorganisationen zu Wort. Diese hätten "noch nie dokumentierte Verbrechen" enthüllt, teilten die UN mit. Zudem wurden rund 1500 Dokumente gesichtet. Mindestens 21 bewaffnete Gruppen in Kongo sowie acht Armeen anderer Staaten seien in unterschiedlicher Weise in die Ereignisse verwickelt gewesen, heißt es darin.

Bereits der Entwurf des Berichts hatte im August zu einem Streit mit Ruanda geführt. Die Vereinten Nationen verschoben die Veröffentlichung daraufhin und boten den betroffenen Staaten die Möglichkeit zu Kommentaren an, die der Endfassung des Dokuments angehängt werden sollten. Neben Ruanda und den kongolesischen Behörden werden auch Angola, Simbabwe, Burundi, Uganda und dem Tschad Verbrechen vorgeworfen.

Autorin: Carolin Hebig (dapd, afp, dpa)
Redaktion: Stephanie Gebert

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