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Brille

Es sind oft die alltäglichsten Dinge, die eine erstaunliche und sehr lange Geschichte haben. Wir benutzen sie mit der größten Selbstverständlichkeit; sie sind einfach da und stehen uns zu Diensten.‎

Es geht diese Woche um die Brille. Theologen, so denkt man, haben etwas anderes zu tun, als über die Möglichkeiten zur industriellen Fertigung von Sehhilfen nachzudenken. Möglicherweise war bei Johann Heinrich August Duncker göttliche Eingabe im Spiel, als er seine Vielschleifmaschine erfand und vom preußischen Staat am 10. März 1801 das Patent für das revolutionäre Gerät bekam. Mit Dunckers Gerät konnten Brillengläser industriell gefertigt werden.

Eine technische Sensation und für ungezählte Menschen die Möglichkeit, die Welt mit ganz anderen Augen zu sehen. Ein paar Zahlen: Bereits 1843 wurden eine Viertelmillion Brillengläser und ca. 40.000 Fassungen hergestellt. Dunckers optischer Betrieb war mit rund 300 Niederlassungen weltweit vertreten. Aus dem Stammwerk im preußischen Rathenow wurde schließlich – 1972 – der "Volkseigene Betrieb Augenoptik Hermann Duncker".

Der Ursprung der Brille

Geschliffene Gläser, Sehhilfen und Brillen gab es schon lange vor der Erfindung Dunckers. Die ersten Brillen, sie entstanden wohl um das Jahr 1300 in Oberitalien, waren einzelne, konvex geschliffene Gläser. Allesandro della Spina, ein Mönch aus Florenz, soll eine solche Brille zum ersten Mal gefertigt haben.

Möglicherweise ließ er sich durch die Tatsache inspirieren, dass geschliffene Berylle, das sind Edelsteine, die in Reliquienschreine und Monstranzen eingelassen werden, das zu Sehende vergrößern. Später wurden billigerer Bergkristall und Glas, das bald bläschenfrei hergestellt werden konnte, als optisches Material zur Brillenherstellung verwendet. Der Name "Brille" aber ist geblieben und dem Edelstein Beryll zu verdanken.

Die ersten Sonnenbrillen

Von Brillen aus zwei gefassten Linsen wird aus China berichtet. Im 11. Jahrhundert n. Chr. gab es dort bereits Brillen mit dunklen Linsen. Die ersten Sonnenbrillen. Mit Sicherheit wurden sie als Augenschutz verwendet, aber – und das ist erwiesen – sie waren unentbehrlich bei Gerichtsverhandlungen.

Die chinesischen Richter nämlich trugen dunkle Brillen, um den sich streitenden Parteien zu erschweren, an ihren Gesichtern und Augenreaktionen etwas abzulesen.

Eine andere Sehweise

"Etwas durch oder mit der Brille der Justiz sehen" sagen wir heute, aber diese und andere Redensarten im Zusammenhang mit "Brille" haben allesamt übertragene Bedeutungen und bezeichnen die Sehweise von etwas. Gerne werden die Dinge auch durch die sprichwörtliche rosarote Brille gesehen, welche die Wirklichkeit in rosigem, hellem, optimistischem Licht erscheinen lässt.

Durch welche Farbe auch immer man sich die Welt einfärbt, ob blau, rosarot oder grün, jedes geschliffene oder gefärbte Brillenglas gibt in gewisser Weise für das fehlsichtige oder auch für das nicht fehlsichtige Auge die Welt in optisch korrigierter Fassung wieder. Jeder kann die Probe aufs Exempel machen, wenn er oder sie eine fremde Brille aufsetzt.

Brillenschlangen und Brillenbären

"Jemandem eine Brille aufsetzen" bedeutet im sprichwörtlichen Gebrauch, jemanden täuschen, ja hintergehen oder betrügen. Die junge Frau, die ihrem Mann eine Brille aufsetzt, vergnügt sich heimlich mit ihrem Liebhaber. Tatsächlich gab es das Wort "brillen" als Verbum im Sinne von fremdgehen, betrügen.

Mit Brillenschlangen sind aber nicht die jungen Frauen gemeint, die ihren Männern Brillen beziehungsweise Hörner oder gar Hornbrillen aufsetzten. Nein! Brillenschlange ist einfach ein frauenfeindlicher Ausdruck für Frauen, die Brillen tragen. Die Frau ist gemeint und nicht die Brille. Es gibt aber auch richtige Brillenschlangen. Und Brillenbären. Bei denen ist in der Tat die Brille von Bedeutung. Die Schlange, eine Kobra, wird durch die brillenartige Zeichnung zwischen den Rückenschuppen zur Brillenschlange. Die Schlange setzt ihre Brille aber nur bei Erregungszuständen auf. Sehen kann sie deshalb nicht besser.

Der in den Anden lebende Brillenbär hingegen zeigt sich immer mit Brille. Er ist ziemlich schwarz, nur um die Augen hat er sehr helle Felllinien, die wie eine Brille aussehen. Aber ob mit oder ohne Brille – der Brillenbär ist und bleibt kurzsichtig.

Fragen zum Text

Johann Duncker erhielt das Patent für seine Vielschleifmaschine …

1. am 10. März 1801.

2. am 11. März 1901.

3. im Mittelalter.

Chinesische Richter trugen früher bei Gerichtsverhandlungen Brillen mit dunklen Linsen, weil …

1. sie nicht wollten, dass man an ihren Gesichtern und Augen irgendeine Reaktion ablesen konnte.

2. es einfach besser aussah.

3. sie alle blind waren.

Ein Brillenbär ist …

1. ein Mann mit Brille.

2. ein schwarzer Bär, der um die Augen sehr helle Felllinien hat, die wie eine Brille aussehen.

3. ein Bär, der gerne Brillen zum Frühstück isst.

Arbeitsauftrag

Erörtern Sie die Vor- und Nachteile von Brillen.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Ingo Pickel

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