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Asien

BRICS suchen gemeinsame Positionen

Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika sind die BRICS-Staaten, eine Art verkleinerte G20. Auf ihrem 4. Gipfeltreffen in Neu Delhi sollen gemeinsame Positionen und Vorhaben besprochen werden.

Die Staats- und Regierungschefs der BRICS-

BRICS Gipfel in Neu Delhi März 2012

Es ist ein großer Widerspruch: Zusammen repräsentieren sie fast die Hälfte der Weltbevölkerung. Knapp drei Milliarden Menschen leben in den sogenannten BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Aber der Anteil dieser Schwellenländer am weltweiten Bruttoinlandsprodukt beträgt gerade einmal 22 Prozent.

Ein Staatenbund mit enormem Potenzial, sagen die Experten. Der erste Gipfel im Jahr 2009 stand ganz im Zeichen der globalen Wirtschafts- und Bankenkrise. Alexander Rahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin: "In den turbulenten Zeiten der Finanzkrise konnten und wollten die BRICS-Länder kein wirtschaftliches Gegengewicht zu den geschwächten Volkswirtschaften der USA und Europäischen Union bilden. Trotzdem sind alle BRICS-Staaten dahingehend vereint, ihre Kräfte zu bündeln und etwas Paralleles aufzubauen, um Einfluss auf die Neugestaltung der Weltordnung auszuüben."

Heterogener Staatenbund

Südafrikas Präsident Zuma und seine Frau bei der Ankunft in Neu Delhi 2012 (Foto: Reuters)

Südafrikas Präsident Zuma und seine Frau bei der Ankunft in Neu Delhi.

Eine Herkules-Aufgabe, denn die Interessenlagen und die politischen Systeme der fünf Schwellenländer sind allzu unterschiedlich. "Nicht alle wollen BRICS zu einer politischen Organisation machen", so Rahr. Nur Brasilien, Südafrika und Indien sind Demokratien. Russland und China dagegen befinden sich noch auf dem langen Weg politischer Reformen. Fehlende Einigkeit ist deswegen programmiert.

Auf dem 4. BRICS-Gipfel, der am Donnerstag (29.03.2012) in Neu Delhi begonnen hat, wollen die fünf Mitgliedsstaaten daher auch ihre Gemeinsamkeiten betonen. Bekämpfung der Armut, Verhinderung von Nahrungsmittelkrisen, Technologie- und Wissenstransfer und Kampf gegen den Klimawandel - diese Themen stehen auf der Tagesordnung. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit wächst, zumindest für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Handel. Das indische Außenministerium gab unmittelbar vor dem Gipfel bekannt, dass 2011 der Handel zwischen den BRICS-Staaten um 28 Prozent auf 230 Milliarden Euro gestiegen sei.

Gemeinsame Institutionen wie die BRICS-Entwicklungsbank könnten diesen Aufwärtstrend beflügeln, sagt Oliver Stuenkel, Professor für Internationale Beziehungen in Sao Paulo. Dadurch würden zukünftige Kooperationen vereinfachen, so Stuenkel, der im Auftrag der brasilianischen Regierung an Vorbereitungskonferenzen des Gipfels teilgenommen hatte.

Multipolarität

Die Handelsminister aus Brasilien,Russland, Indien, China und Südafrika (Foto: Reuters)

Bereits vor dem eigentlichen Gipfel sind die Handelsminister der fünf Länder zusammengetroffen

Neben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit diskutieren die BRICS-Staats- und Regierungschefs über die Gründung eines Generalsekretariats. Dieses soll eine Plattform für den ständigen politischen Dialog schaffen. Zusätzlich wollen sich die Länder in einer gemeinsamen "Erklärung von Delhi" zu aktuellen politischen Themen wie Syrien, dem Atomstreit mit dem Iran und der Euro-Krise äußern.

Mit dem politischen Zusammenwachsen des freiwilligen Staatenbundes versuchen immer mehr Entwicklungsländer wie Indonesien, Südkorea oder Mexiko ihre Interessen ebenfalls in einer ähnlichen Konstellation durchzusetzen, so Alexander Rahr. Die Idee der multipolaren Weltordnung, die in den 1990er Jahren in aller Munde war, sei nun wieder zeitgemäß, vor allem durch das Aufkommen von China und das Wiedererstarken Russlands. Der Westen setze seinerseits auf die transatlantischen Beziehungen und die Welthandelsorganisation (WTO), um seinen Prinzipien Geltung zu verschaffen, so Rahr weiter. Die Schwellenländer dagegen entwickelten nun Parallelmodelle wie BRICS oder die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer G20, um dieser Multipolarität gerecht zu werden.