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Wirtschaft

BRICS - keine weißen Ritter für den Euro

Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika haben die schuldengeplagten Industrieländer gemahnt, ihre Hausaufgaben zu machen. Vom Kauf europäischer Staatsanleihen war bei den "BRICS" nicht die Rede.

Euro-Münzen (Foto: dpa)

Der Glanz ist längst dahin...

Die Erwartungen an die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika waren hoch: Bei einem Treffen am Rande der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington könnten die Finanzminister und Notenbankgouverneure der so genannten BRICS-Länder beschließen, künftig einen höheren Anteil ihrer Devisenreserven in Euro zu halten, glaubten viele Beobachter. Dafür sollten verstärkt Staatsanleihen aus Ländern des Euroraums - vor allem solider Schuldner wie Deutschland - gekauft werden, vermutete zum Beispiel das brasilianische Wirtschaftsmagazin "Valor Econômico".

Die Schwellenländer als letzter Strohhalm für die schuldengeplagten Industrieländer? Davon war nach der Sitzung der Fünf am Donnerstag (22.09.2011, Ortszeit) in Washington nicht mehr viel übrig. "Die BRICS sind nötigenfalls bereit zu erwägen, Unterstützung über den IWF oder andere internationale Finanzinstitutionen zu leisten, um den gegenwärtigen Herausforderungen für die globale Finanzstabilität zu begegnen", heißt es in der Abschlusserklärung lapidar. Zu anderen denkbaren Hilfen, wie etwa Käufen von Anleihen der Problemländer, äußerten sie sich erst gar nicht.

Schnelles Handeln gefordert

BRICS-Vertreter: Guido Mantega (Brasilien), Sergei Storchak (Russland), Duvvuri Subbarao und Pranab Mukherjee (Indien) / (Foto: dapd)

Beratungen in Washington: Vertreter der BRICS-Länder

Die fünf aufstrebenden Staaten mahnten Europa allerdings zu entschiedenen Maßnahmen gegen die Krise. Die Eurozone müsse "schnell und wagemutig" handeln, sagte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega nach der Sitzung in der US-Hauptstadt. Andernfalls drohe die Gefahr einer "großen Krise", auch für Entwicklungs- und Schwellenländer. "Aber wir können sie vermeiden, solange nur zügig gehandelt wird", so Mantega weiter. Die BRICS-Staaten würden gemeinsam mit den Ländern der Eurozone und der 20 größten Wirtschaftsmächte (G20) ihren Beitrag zur Konsensbildung leisten, ergänzte der indische Finanzminister Pranab Mukherjee.

Zugleich aber weisen die BRICS auf die Probleme in ihren eigenen Ländern hin: "Manche von uns sind nach der globalen Finanzkrise unter Inflationsdruck geraten, und unsere Wachstumsaussichten haben sich durch die Unsicherheiten an den Weltmärkten eingetrübt", heißt es in der Abschlusserklärung." Zudem hat die exzessive Liquiditätszufuhr der Zentralbanken in den Industrieländern zur Stabilisierung ihrer Wirtschaft dazu geführt, dass wir mit enormen Schwankungen bei den Kapitalströmen und den Rohstoffpreisen zu kämpfen haben."

Hausaufgaben erledigen

Robert Zoellick (Foto: AP)

Der Chef der Weltbank:
Robert Zoellick

Auch Weltbank-Präsident Robert Zoellick kann mit der Vorstellung, die BRICS könnten den Industrieländern aus der Patsche helfen, nicht viel anfangen. Von einem russischen Journalisten darauf angesprochen meinte er: "Die BRICS sollten das tun, was jedes Land tun sollte: Die eigene Wirtschaft mit einer geeigneten Politik krisenfester machen und die Grundlagen für langfristiges Wachstum schaffen." Am besten tun sie das nach seinen Worten, indem sie strukturelle Reformen in ihren eigenen Ländern einleiten und mittelfristig neue Wachstumspotenziale erschließen.

Russland etwa könnte seine einseitige wirtschaftliche Abhängigkeit von Energieexporten verringern, indem es seine Wirtschaft auf eine breitere Basis stelle, sagte Zoellick weiter. Auch Indien könnte strukturelle Hindernisse, die das Wachstum hemmten, beseitigen und seine Produktivität erhöhen. Und China schließlich sollte sich stärker auf den Binnenmarkt und die Abwendung von Gefahren einer Überhitzung der Wirtschaft konzentrieren, meinte Zoellick.

Autor: Rolf Wenkel, z.Zt. Washington
Redaktion: Christian Walz

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