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Wirtschaft

BRIC - Zugpferde der Weltwirtschaft?

Sie sind nur zu viert, aber ihr Einfluss ist beachtlich. In Brasilia trafen sich am Donnerstag (15.04.2010) die Chefs der vier BRIC-Staaten. Ihre Botschaft war klar: An uns führt kein Weg vorbei.

Landkarte mit den BRIC-Staaten (Grafik: DW)

BRIC - Hoffnungsträger für die Zukunft

Aufstrebende Volkswirtschaften, Emerging Markets, Schwellenländer – drei Begriffe, die eines gemeinsam haben: Sie umschreiben die neuen Akteure auf der Weltbühne, die das Zeug dazu haben, in den nächsten Jahrzehnten für eine gehörige Verschiebung der weltpolitischen Gewichte zu sorgen. Im Mittel dabei Brasilen, Russland, Indien und China - oder kurz BRIC.

Ohne BRIC läuft nichts mehr

An Selbstbewusstsein mangelt es ihnen nicht - den vier BRIC-Staaten. Als sich die vier Präsidenten Mitte des vergangenenen Jahres erstmals im russischen Jekaterinburg trafen, wurde die Stadt am Ural von Russlands Präsident Medwedjew kurzerhand zum "Epizentrum der Weltpolitik" erklärt. Und wenn es im Rahmen der G20 auf den Weltfinanzgipfeln der jüngsten Zeit um die Rettung der Welt geht, dann sitzen sie wie selbstverständlich mit am Tisch. Ein klares Zeichen: Ohne die Schwellenländer geht längst nichts mehr – kein Wunder: Der Vierer-Klub erwirtschaftet zusammen genommen 15 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, steht für 13 Prozent des Welthandels und besitzt mit 2,8 Billionen US-Dollar über 40 Prozent der weltweiten Devisenreserven.

Wirtschaftswachstum BRIC-Staaten im Vergleich zu USA und Euro-Zone ((DW-Grafik)

Wirtschaftswachstum BRIC-Staaten im Vergleich zu USA und Euro-Zone

Der Ökonom Nobert Walter, Berater und bis vor kurzem Chefvolkswirt der Deutschen Bank, traut den Schwellenländern durchaus das Potenzial für eine Verschiebung der Gewichte in der Weltwirtschaft zu. In den nächsten fünf bis sieben Jahren wird sich dieser Prozess seiner Meinung nach eher verstärken als abschwächen. "Das Gewicht dieser Länder wird im Handel und in den Investitionsentscheidungen der Welt ein größeres Gewicht haben", so Walter im Interview mit DW-WORLD.DE. Amerikaner und Europäer seien im Verlaufe der nächsten fünf Jahre mit überfälligen Korrekturen beschäftigt. Dort gelte es jetzt zuerst einmal, wieder die Strukturen in Ordnung zu bringen und die übermäßige Verschuldung zurückzuführen. "Das wird sicherlich das relative Wachstum der Schwellenländer eher noch verstärken."

In 20 Jahren BRIC vor G7

Norbert Walter, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank (Foto: DPA)

Mag BRIC nicht: Norbert Walter, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank

BRIC – kreiert wurde dieses Kürzel vor einigen Jahren von der US-Investment-Bank Goldman Sachs. Damals prognostizierte deren Chefvolkswirt Jim O´Neill, dass die BRIC-Staaten bis zum Jahr 2050 die sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) gemessen an der Wirtschaftsleistung überholen würden. Jetzt revidierte O´Neill diese Vorhersage: Das werde schon in zwanzig Jahren passieren. Und für das laufende Jahr ist O`Neill erst recht optimisch: Die konjunkturellen Aussichten in den BRIC-Staten beurteilt er als besonders positiv. Norbert Walter kann diesen Optimismus nicht ganz teilen. Zumal er die Zusammenfassung gerade dieser vier Länder für nicht glücklich hält. Seiner Ansicht nach passen nur Indien und China wirklich zusammen als Länder mit unzweifelhaft großer und auch jetzt schon wieder vorhandener Wirtschaftsdynamik. "Die beiden werden mit sieben Prozent verlässlich in den nächsten fünf Jahren wachsen und damit natürlich Zugpferd sein."

Nicht alle im gleichen Tempo

Obwohl: Auch China hat unter der Wirtschaftskrise gelitten: Da auf Chinas Exportmärkten die Nachfrage einbrach, gingen die Ausfuhren aus dem Reich der Mitte im vergangenen Jahr deutlich zurück. Das hat sich mittlerweile wieder geändert, am Ende des Jahres stand ein Zuwachs von 8,7 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu Buche. Eine ähnlich Entwicklung war in Indien zu beobachten: Nach einer Drosselung des BIP-Wachstum auf plus 6,7 Prozent rechnet die Regierung in Neu Dehli nun auch wieder mit einem Zuwachs von bis zu acht Prozent. Anders Russland: Dort ging die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um knapp acht Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück – der größte Einbruch seit 15 Jahren. Für viele Beobachter ist das keine Überraschung, da die Russen sehr abhängig sind von der Nachfrage nach Gas, Öl und nach Metallen. Volumina wie auch die Preise waren deutlich gefallen und damit hat sich Russlands Perspektive verschlechtert. Volkswirte wie Jim O´Neill und Norbert Walter erwarten zwar, dass die Russen wieder zurück kommen. Doch, so schränkt WaIter ein: "Nicht auf Dauer, sondern eben wirklich nur als Rohstofflieferanten. Sie stellen nicht wirklich eine dynamische Volkswirtschaft dar wie Indien oder China."

Schwellenländer werden Lokomotiven sein

Container im Hamburger HAfen (Foto: DPA)

BRIC - damit der Welthandel wieder in Schwung kommt?

Ähnlich pessimistisch bewertet Walter die Aussichten für Brasilien. Auch wenn das südamerikanische Land die Krise mit einem nur ganz kleinen Minus (0,2 Prozent) beim Wirtschaftswachstum einigermaßen unbeschadet überstanden hat. Das liegt vor allem an einem überraschend starken Binnenmarkt – wiederum begründet durch kräftige Lohnerhöhungen in den zurückliegenden Jahren. Dennoch dürfte alleine der Konsum nicht für die notwendige Dynamik sorgen, da nur wenige Branchen Gewinne verzeichnen. Brasilien könnte so stark wachsen wie China, meint Norbert Walter. "Aber irgendwie schafft es Brasilien einfach nicht, die Infrastruktur bereitzustellen."

Dennoch herrscht in Brasilien genau wie in Russland Optimismus vor: Beide Länder rechnen in diesem Jahr mit einem Plus von fünf Prozent bei der Wirtschaftsleistung - und damit auf das endgültige Ende der Krise. So bleibt festzuhalten: Die weltweite Krise hat den Aufholprozess der Schwellenländer deutlich beschleunigt. Sie alle werden in diesem Jahr wieder kräftig wachsen. Allein für die 45 Schwellenländer Asiens erwartet die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) nach aktuellen Zahlen in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent. So bestätigt sich das, was viele Experten vorhergesagt hatten: Die Krise war vor allem eine Krise der Industriestaaten. Die Schwellenländer haben sich hingegen als erstaunlich widerstandsfähig erwiesen - und könnten nun zur Wachstumslokomotive werden.

Autor: Henrik Böhme
Redaktion: Klaus Ulrich

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