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Kolumne

Brexit-Tagebuch 1: Der Auftakt

Die Brexit-Verhandlungen beginnen mit vertrauensbildenden Maßnahmen, einem Wanderstock und einem ersten Punktsieg für die EU.

Es gibt einen Fahrplan

Nach dem ersten Tag ist zwar nicht klarer, wie der Brexit aussehen soll, aber zumindest wurde die Reihenfolge beschlossen, in der darüber verhandelt wird. Es ist der ursprüngliche Plan des EU-Chefunterhändlers Michel Barnier: "Wir reden über die Rechte der EU-Bürger, die Schlussrechnung und über die Grenzen in Irland". Monatelang hatten die Briten gefordert, man wolle gleichzeitig über die künftigen Beziehungen sprechen,  da aber niemand weiß wie die aussehen sollen, fängt man eben mit den bekannten Problemen an. 

Was der britische Brexit-Minister David Davis allerdings nicht nach Brüssel mitgebracht hat, ist das großzügige Angebot zu den künftigen Rechten der EU-Bürger nach dem Brexit, von dem in London gemunkelt worden war. Möglicherweise möchte Theresa May es beim Abendessen der Regierungschefs am Donnerstag zum Nachtisch servieren, so die Gerüchteküche in London.  

Eier (picture-alliance/dpa)

Hart oder weich, das ist hier die Frage

Ist alles ein kulinarisches Problem?

Seit Monaten wird nun über hart- oder weichgekochte Eier diskutiert, das heißt die Frühstücksbestellungen führender britischer Politiker. Premierministerin May war Anfang des Jahres noch unter denen, die ihren Brexit nicht hart genug bekommen konnten: "Kein Frühstück ist besser als schlechtes Frühstück", oder so. Was im Grunde vom jeweiligen Hunger abhängt. Nachdem sie aber eine Wahl verloren hat, ist sie wohl auf Haferbrei umgestiegen. Jedenfalls ist von ihr über die Konsistenz der Speisen in Brüssel nichts mehr zu hören.

Einer ihrer drei Brexiteers wiederum hat am liebsten Süßes. Schon zu Beginn des großen Rätselratens um den Brexit hatte der britische Außenminister Boris Johnson gesagt: "Ich bin dafür, den Kuchen zu haben und zu essen." Es muss sich um eine erneuerbare Süßspeise handeln, ökologisch korrekt. Luxemburgs Außenminister leistet übrigens jetzt einen weiteren Beitrag zur Brexit-Gastronomie: "Das sind keine Peanuts, was da zu verhandeln ist", sagt Jean Asselborn. Erdnusskuchen? Hart oder weichgebacken?

Liebeskummer Scheidungs-anwalt Automeile (picture-alliance/dpa/H. Ossinger)

Ohne Worte

In der Not hilft der Paartherapeut 

Scheidungen bringen bekanntermaßen das Schlechteste im Menschen hervor. Da kann der Therapeut helfen, der den Partnern beibringt,  zu Beginn der Gespräche etwas Freundliches über den anderen zu sagen. Brexit-Minister David Davis hat sich die Lektion zu Herzen genommen: "Uns verbindet mehr, als uns trennt", schleimte er bei der Zusammenkunft mit EU-Chefunterhändler Michel Barnier, man habe eine tiefe und besondere Partnerschaft. Worauf sich normalerweise die schlichte Frage anschließen würde: "Warum machen wir dann den ganzen Unsinn?" Die Antwort darauf aber hatte schon vor Monaten die Premierministerin gegeben: "Brexit bleibt Brexit". Ein Ausspruch von philosophischer Undurchdringlichkeit, der deshalb so stehen bleiben muss. 

Geschenke erhalten die Freundschaft

Um zu der Party in Brüssel nicht mit leeren Händen zu kommen, immerhin wurde ein gemeinsames Mittagessen geboten, brachte David Davis seinem neuen besten Freund ein Wanderbuch mit. Damit Michel Barnier  künftig weiß wo es lang geht, wenn er in den Bergen seiner Heimat Savoyen herumläuft und sich verzweifelt die Haare rauft. Der Franzose wiederum überreichte dem Briten einen Wanderstock. Die Symbolik ist hier regelrecht erschlagend: Schwerer Aufstieg, hohe Berge, tiefe Täler. Und dann: Achtung, Absturzgefahr an der Steilwand! 

Taschenuhr (picture alliance/A. Forkel)

Nur noch ein Jahr und drei Monate Zeit für die Brexit-Verhandlungen

Im Lauf der Zeit

"Die Uhr tickt", sagt Michel Barnier nach der ersten Gesprächsrunde. Er hatte sich bereits über das vertrödelte Jahr seit dem Brexit-Referendum beklagt. Es müsse endlich losgehen: "Ich kann schließlich nicht mit mir selbst verhandeln". Wobei er damit  zweifellos das beste Ergebnis hervorbringen würde. Denn solange es aus London keine Direktiven über die Richtung der Brexit-Wanderung gibt, stochert der Franzose mit dem Stock im Nebel. Wollen die Briten aus dem Binnenmarkt, der Zollunion oder beidem aussteigen? Um dann in welcher Form in Teile davon wieder einzutreten? David Davis will einen "Deal, wie es ihn in der Geschichte noch nie gab". Hat er zu viele Trump-Tweets gelesen?

Und vor allem: Wanderstock hin oder her, warum sollten wir ihm einen so einmaligen Deal eigentlich geben? "Es gibt auf meiner Seite keine Feindseligkeit", sagt Chefunterhändler Michel Barnier. Da spricht jeder für sich.