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Wirtschaft

Brexit: Paris buhlt um die Gunst der Firmen

Nach dem Votum der Briten für den Brexit rollt Frankreich ausländischen Unternehmen den roten Teppich aus. Die Regierung hofft, dass Firmen ihren Sitz nach Paris verlegen.

Das Geschäftsviertel La Défense mit seinen Wolkenkratzern und dem Wind, der zwischen ihnen hindurchfegt, ist vielleicht nicht das beliebteste Ausflugsziel für Touristen. Dennoch könnte es in Zukunft bei vielen Ausländern sehr gefragt sein. Vor allem, wenn Großbritannien erst einmal die Europäische Union verlassen hat. Denn für Unternehmen, die nach dem Brexit einen neuen Standort suchen, will die französische Hauptstadt die erste Wahl sein. Das hofft auch die französische Regierung und rollt ausländischen Unternehmen den roten Teppich aus.

Ein Unternehmen, dem der Brexit zugute komme könnte, ist das Maklerbüro CBRE, das viele Büros in dem Geschäftsviertel verwaltet. Es hat speziell eine Abteilung damit beauftragt, Kunden zu betreuen, die über einen Umzug nach Paris nachdenken. "Natürlich geht bei diesem Thema bei uns ein Licht an", sagt Grégoire de la Ferté, stellvertretender Leiter des Pariser CBRE-Teams. "Wir als internationales Maklerbüro müssen unseren Kunden doch erklären können, was die Vorteile, Nachteile und Schwierigkeiten sind für Unternehmen, die nach Paris umsiedeln wollen."

Größter Markt für Büroraum in Europa

Vorzüge habe die französische Hauptstadt so einige, meint der Makler: "Der Pariser Markt für Büroraum ist der größte in Europa, weit vor London und deutschen Städten. Zudem gibt es hier eine große Anzahl von Geschäften und Serviceangeboten - alles, was Unternehmen und ihre Angestellten benötigen", sagt er.

Großbritannien wird die EU in frühestens zwei Jahren verlassen. Aber schon jetzt versucht Frankreichs Regierung, vor allem Finanz-Unternehmen anzulocken. Sie hat vereinfachte Genehmigungsverfahren für Übersiedler geschaffen und stellt sogar englischsprachige Berater. Und heimkehrende Führungskräfte zahlen weniger Steuern. Mit Medienkampagnen in London will man zudem Unternehmen Paris schmackhaft machen.

Frankreich Arnaud de Bresson von Paris Europlace (Pascal Sentenac)

Hofft auf neue Jobs in Paris: Arnaud de Bresson

Eng mit der Regierung zusammen arbeitet Paris Europlace, die die Interessen des Finanzplatzes Paris vertritt. Seit dem Brexit-Votum interessieren sich einige Unternehmen für einen Umzug, meint Arnaud de Bresson, der Generaldirektor von Paris Europlace. "Paris ist einer der ersten Anlaufpunkte für Unternehmen - so wie Frankfurt", sagt er.

Unternehmen aus vielen Sektoren

Doch im Vergleich zu der deutschen Metropole gebe es in Paris viel mehr Unternehmen aus vielen verschiedenen Sektoren. Frankfurt sei schon sehr zu Banken hin orientiert. "Viele internationale Unternehmen, mit denen wir reden, sagen uns, dass sie genau das an Paris schätzen. Hier sind sie nicht hauptsächlich von Konkurrenten umgeben, sondern vor allem auch von Kunden", fügt de Bresson hinzu.

Laut Paris Europlace könnten in Frankreichs Hauptstadt Zehntausende von Arbeitsplätze als Folge des Brexits entstehen. Schon Anfang 2016 habe die Organisation Anfragen von internationalen Unternehmen bekommen. Das Interesse sei seitdem weiter angestiegen. Zunächst nach dem Ergebnis des Referendums im Juni und noch mehr, seitdem die britische Premierministerin Theresa May verlauten ließ, die formelle Prozedur für den Brexit im nächsten März beginnen zu wollen.

Frankreich Ein Immobilienmakler in einem Büro in La Défense (Pascal Sentenac)

Ein Makler in einem Büro in La Défense, Europas größter Bürostadt im Westen von Paris

Dennoch werden sich die Unternehmen nach dem Brexit wohl auf verschiedene Finanzzentren in Europa verteilen. Das zumindest meint Marc Perrone, Partner im Pariser Büro der Anwaltskanzlei Linklaters, die Finanzunternehmen mit Sitz in London in Sachen Post-Brexit berät. "Paris ist zum Beispiel gefragt bei Banken und bei Unternehmen, die im Asset-Management tätig sind", erklärt er. Für die französischen Hauptstadt spreche dabei unter anderem ihre gute Bankenregulierung. Bei der Wirtschaftskrise 2008 habe sich der Pariser Finanzsektor relativ gut gehalten.

Paris "kann nicht Nummer eins werden"

Jedoch stehe Paris nicht bei allen Unternehmen hoch im Kurs, so der Jurist. Das liege auch daran, dass Firmen teilweise ein falsches Bild von Frankreich hätten. "Viele glauben, dass die französischen Steuergesetze sich relativ häufig ändern, und so ein Eindruck kommt Paris bei einer Investitionsentscheidung natürlich nicht zugute", sagt er. Außerdem gelte Frankreichs Arbeitsmarkt als zu rigide, was Unternehmen wiederum abschrecke.

Der Ökonom Christopher Dembik von der Pariser Saxo Bank meint dagegen, Paris habe auch ganz klare Nachteile. Frankreich müsse deswegen mehr tun, um Unternehmen nach dem Brexit nach Paris zu holen. "Die Regierung sollte zum Beispiel die Steuern senken, die hier sehr hoch sind - vor allem auf Boni", sagt er. Aber auch dann könnte Paris im europäischen Vergleich nicht den ersten Platz einnehmen. Den habe ganz klar Frankfurt am Main. Schließlich befinde sich da die Europäische Zentralbank. "Und die wird nach dem Brexit ja noch wichtiger sein", meint er.

Aber Paris hat das Charme-Argument

Makler de la Ferté erkennt diese Argumente zwar an. Aber dem habe Paris auch seinen Charme entgegenzusetzen. "Ich glaube schon, dass nicht nur wirtschaftliche Aspekte in die Entscheidung mit reinspielen", sagt er. "Paris ist eine der dynamischsten Städte Europas. Mit all ihren kulturellen Angeboten spricht sie die Herzen an."

Das Geschäftsviertel La Défense bereitet sich indes auf möglichen Neuzugang vor. Dort entstehen gerade drei neue Wolkenkratzer mit 170.000 Quadratmetern Bürofläche.