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Wirtschaft

Brexit: Hohe Verluste an den Börsen

Mit Panikverkäufen reagierten die Finanzmärkte rund um den Globus auf die Entscheidung der Briten für einen Ausstieg aus der EU. Anleger in London blieben dagegen relativ gelassen.

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Börsenbeben nach Brexit-Votum

Aus Angst vor einer Wirtschaftskrise auf der Insel und einer Abkühlung der Weltkonjunktur rauschten die Aktienindizes zeitweise um mehr als zehn Prozent in die Tiefe. Das Pfund Sterling rutschte in der Spitze um elf Prozent ab.

"Allen voran wird das Vereinigte Königreich unter der Entscheidung leiden", sagte Björn Jesch, Leiter des Portfoliomanagements bei der Fondsgesellschaft Union Investment. "Für Kontinentaleuropa ist es ebenfalls ein Schock. Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen droht ein institutioneller Dammbruch, denn auch in anderen Ländern dürfte die Austritts-Diskussion an Fahrt gewinnen."

Der Dax beendete den Handel mit 9557 Punkte, ein Minus von 6,8 Prozent. Kurz nach Handelsstart war der Dax noch um rund zehn Prozent oder gut 1000 Punkte eingebrochen und auf den tiefsten Stand seit Februar gefallen. Solch massive Verluste hatte es das letzte Mal während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 gegeben.

Ursprünglich hatten Anleger auf einen Verbleib der Briten in der EU spekuliert, was den Aktienmarkt zuvor kräftig angetrieben hatte. So blieb für den Dax auf Wochensicht ein Minus von 0,77 Prozent übrig.

Hohe Verluste in Paris und Mailand, geringe in London

Der EuroStoxx50 verlor 8,6 Prozent. In Frankreich gab der CAC40 8,0 Prozent nach. Vergleichsweise glimpflich kam die Londoner Börse davon: Der Londoner FTSE-100-Index schloss 3,2 Prozent niedriger. An der Wall-Street in New York verlor der Dow Jones-Index 3,9 Prozent.

Besonders nervös waren die Anleger in Südeuropa, wo die EU und die Euro-Zone ebenfalls nicht hoch im Kurs stehen: Die Börsen in Mailand und Madrid stürzten um jeweils mehr als zehn Prozent ab, so stark wie noch nie an einem Tag.

Gefragt waren an den Finanzmärkten vermeintlich sichere Anlagen wie Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um bis zu 8,2 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 1358,20 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Finanzwerte besonders betroffen

Am Aktienmarkt warfen die Anleger vor allem Finanzwerte aus ihren Depots. Es sei unklar, wie die Geldhäuser mittelfristig von dem Brexit betroffen würden, sagten Analysten. Firmen aus der Finanzbranche hängen besonders von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.

Die Aktien der italienischen Großbanken Intesa SanPaolo und Unicredit, der spanischen Santander, der britischen Royal Bank of Scotland (RBS) sowie von Lloyds stürzten um je rund 20 Prozent ab. Die Deutsche Bank büßten 14 Prozent ein, die Commerzbank 13 Prozent.

Spekulationen auf einen Rückgang des Tourismus drückten die Aktien von TUI um acht Prozent und die von Thomas Cook um 16 Prozent. Auf Sinkflug gingen auch die Papiere britischer Fluggesellschaften. So kassierte die British-Airways-Mutter IAG die Gewinnprognose für dieses Jahr ein und schickte damit die Aktien um mehr als 20 Prozent ins Minus.

Die Gold-Rally trieb die Aktien des Minenbetreibers Randgold um 14 Prozent und die des Konkurrenten Fresnillo um elf Prozent in die Höhe. Diese im FTSE-Index gelisteten Titel bewahrten die Londoner Börse vor einem größeren Einbruch.

Auch die Finanzmärkte in Ostasien und Australien reagierten am Freitag mit heftigen Verlusten auf die Brexit-Entscheidung der Briten. Die stärksten Kursabschläge verzeichnete der Nikkei-Index in Tokio, der mit einem Minus von 7,9 Prozent bei 14.952 Punkten aus dem Handel ging. Die Aktienkurse an der Börse in Seoul brachen um drei Prozent ein.

Am Rentenmarkt rutschte die durchschnittliche Verzinsung deutscher Bundesanleihen auf ein neues Rekordtief ab: Die Umlaufrendite fiel von minus 0,07 Prozent am Donnerstag auf minus 0,20 Prozent.

bea/ww (reuters, dpa)

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