Brexit: Frust in der Wirtschaft wächst | Wirtschaft | DW | 08.12.2017
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Großbritannien

Brexit: Frust in der Wirtschaft wächst

Zwar ist die EU nun bereit für die zweite Phase der Brexit-Gespräche mit Großbritannien. Aber auf der Insel macht sich Frust breit – immer mehr britische Firmen stellen sich auf einen ungeordneten Brexit ein.

Jetzt hat Großbritannien also grünes Licht für die zweite Phase der Austrittsgespräche bekommen, die für die künftigen Handelsbeziehungen mit der EU entscheidend sind. Aber in der ersten Phase hakt es auch noch, in der Wirtschaft wächst der Unmut. Die Kritik an Premierministerin Theresa May wird lauter, auch wenn sich kaum jemand öffentlich zum Thema äußern möchte. Hinter vorgehaltener Hand heißt es jedoch, Mays Bemühungen um eine Übergangsphase nach dem für März 2019 angepeilten EU-Austritt kämen einfach zu spät. Daher müssten die Unternehmen nun umplanen und sich neu ordnen - womöglich mit weniger Mitarbeitern auf der Insel.

Auch im Industriesektor schrillen die Alarmglocken, da es angesichts niedriger Gewinnmargen riskant ist, größere Umstrukturierungen anzugehen. "Keine Firma will Jobs oder Produktion verlagern: Doch die Wirtschaft wird es tun, wenn sie es muss", sagt der Präsident der Industrielobby CBI, Paul Drechsler. Es müsse nun schleunigst Klarheit über eine Übergangsphase geschaffen werden: "Das brennt uns wirklich auf den Nägeln."

Der japanische Autobauer Honda, der rund acht Prozent der britischen Autoproduktion in seinem Werk in Swindon fertigt, geht auf Nummer sicher: Er erwägt, seine Lagerkapazitäten auf der Insel auszuweiten, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.

Aufforderung zum Umzug

Aus einer großen internationalen Bank berichtet ein Insider, in einer Telefonschalte habe sich die Führungsebene auf das schlimmste Szenario vorbereitet. Es sei keine Frage mehr, dass es zu Verlagerungen von Geschäftsteilen auf den europäischen Kontinent kommen werde: "Die Frage ist nur noch, wie stark sie ausfallen werden." Die davon betroffenen leitenden Angestellten seien bereits informiert worden, dass sie umziehen müssten.

Ein Vertreter einer US-Bank sieht das Risiko, dass die britische Regierung mitten in den Brexit-Verhandlungen angesichts des Streits über die grüne Grenze zwischen Irland und Nordirland auseinanderbrechen könnte: "Die Lage ist brandgefährlich", betont der Banker, der anonym bleiben will.

Den britischen Einzelhandel treibt die Sorge um, dass bei einem ungeordneten Brexit auch in den Handelsbeziehungen zu anderen Staaten der EU die Zollschranken hochgehen könnten. Entsprechend halten Supermarktketten wie Tesco und Sainsbury Branchenkreisen zufolge vorsorglich Ausschau nach Lieferanten im eigenen Land oder außerhalb der EU. Eine Mammutaufgabe: Schließlich stammen rund 30 Prozent der britischen Nahrungsmittel aus der EU.

Und auf Irland entfallendabei rund 70 Prozent der Rindfleisch-Importe. Sollte die grüne Grenze nach dem Brexit Geschichte sein, könnten entfernte Länder davon profitieren - etwa Argentinien, mit dem Großbritannien wegen des Streits um die Falkland-Inseln im Süd-Atlantik 1982 einen Krieg ausgefochten hat.

 

 

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