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Lebensart

Breslau: Zwerge und brennende Inseln

2016 ist für Breslau oder - polnisch - Wrocław ein wichtiges Jahr. Mit Kultur erzählt die Stadt ihre Geschichte neu. Ein europäisches Projekt mitten in Polen - gestartet bei Schnee und eisigen Temperaturen.

Am Eröffnungswochenende trotzten Musiker der Kälte in Breslau und spielten unverdrossen unter freiem Himmel Jazz, Klassik oder Folklore. Doch das Publikum machte sich vor allem am Samstag eher rar. Musikliebhaber standen zusammen mit städtischen Obdachlosen um die bereit gestellten Koksöfen bei den Open-Air-Auftritten. Lediglich das beheizte Zelt auf einem der Breslauer Plätze zog eine größere Menschenmenge an.

Feuer und Flamme waren die Breslauer trotz der Kälte - wenn sie sich bei der Akrobatik- und Feuertanz-Inszenierung "brennende Insel" zwischen Bühnen und wechselnden Szenen auf der "Malzinsel" nahe der Altstadt bewegten.

Der Festivaldirektor des Europäischen Kulturjahrs in Breslau, Krzysztof Maj, fand bedeutungsschwere Worte: "Das ist das wichtigste Jahr in der Nachkriegsgeschichte Breslaus", meinte er zu der Chance, ein Jahr lang eine der kulturellen Visitenkarten Europas zu sein. Mit mehr als tausend Veranstaltungen sei ein ehrgeiziges Programm aufgestellt worden. Die Organisatoren hoffen, dass deswegen doppelt so viele Touristen die Stadt besuchen – und die Region damit nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich profitiert.

Europäische Kulturhauptstädte 2016: Breslau und San Sebastián

Die Stadt ist neben dem baskischen San Sebastián eine der beiden Europäischen Kulturhauptstädte 2016. Sie liegt im Südwesten Polens an der Oder. Mehr als 600.000 Menschen leben hier.

Bis zur Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg war Breslau die Hauptstadt der Provinz Schlesien. Nach 1945 kam es in Breslau zu einem Umbruch: Menschen, die aus dem ostpolnischen Lwow (heute Lwiw in der Westukraine) vertrieben wurden, wurden hier angesiedelt. Aus Breslau wurde Wrocław, das für seine neuen Bewohner erst eine neue Heimat werden musste.

Die Suche nach einer neuen Identität soll auch im Kulturhauptstadtjahr aufgegriffen werden. Für Mary Sadowska, eine der künstlerischen Mitarbeiterinnen bei der Eröffnungszeremonie, ist dieser Teil hoch aktuell: "Er erzählt auch, was heute in Europa geschieht, von Flüchtlingen, die von einem fremden Ort kommen und auf unterschiedliche Reaktionen stoßen."

ld/an (dpa)

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