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Aktuell Europa

Breivik will Fragen zu Kontakten nicht beantworten

Der norwegische Massenmörder Breivik hat sich vor Gericht geweigert, tiefergehende Fragen zu seinem Kontakt zu anderen militanten Nationalisten und zum angeblichen Netzwerk der "Tempelritter" zu beantworten.

"Ich möchte das nicht kommentieren. Sie können dieses Thema einfach überspringen", sagte der 33-Jährige, der erschöpft und etwas resigniert wirkte, am dritten Prozesstag vor dem Osloer Bezirksgericht. Am Mittwoch wollten sich die Staatsanwälte auf die Zeit von 2001 bis 2006 konzentrieren, in der Breivik seinen Hass auf alles Multikulturelle und seine politische Ideologie entwickelte.

Der Angeklagte hatte zuvor erklärt, er habe vor allem über das Internet Kontakt zu Gleichgesinnten gesucht. Welche Personen dies waren, wollte der 33-Jährige jedoch nicht sagen. Er soll einen gesuchten serbischen Nationalisten in Liberia getroffen haben. Im Lauf des Tages sollte der 33-Jährige weiter zu seinen Motiven für den Mord an 77 Menschen im vergangenen Juli befragt werden, für die er seit Montag vor Gericht steht. Der Rechtsextremist zeigte erneut seinen Gruß mit ausgestrecktem rechtem Arm und geballter Faust, nachdem ihm die Handschellen abgenommen worden waren.

„Ich würde es wieder tun“

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2. Tag im Prozess gegen Breivik

Breivik, der sich im Prozess für nicht schuldig erklärt hat, sieht sich in einem Kampf gegen die seiner Ansicht nach fortschreitende Islamisierung Norwegens. Sein 1500 Seiten starkes Manifest betrachte der Massenmörder als "Terrorschule". Man müsse nicht sonderlich begabt sein, um Anschlägewie im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utøya zu begehen, sagte er.

Am zweiten Prozesstag hatte sich der 33-Jährige zu seinen Motiven geäußert. Dabei betonte der Rechtsextremist, er würde seine Anschläge wiederholen. Bei den Opfern auf Utøya habe es sich nicht um "unschuldige Kinder" gehandelt. Außerdem machte er die regierende Arbeiterpartei für die seiner Ansicht nach voranschreitende Islamisierung Norwegens mitverantwortlich.

Kritik an Live-Übertragung des Prozesses

Unterdessen kritisierte der Direktor des Kriminologischen Instituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, das Verfahren gegen Breivik als "unseriös" und lehnte die Live-Übertragung in den Medien ab. "Ein solcher Prozess hätte niemals im Fernsehen oder Internet übertragen werden dürfen", sagt Pfeiffer in einem Zeitungsinterview. Dem Täter, werde eine politische Agitationsbühne geboten. "Hier gibt man Schwerverbrechern die Möglichkeit, sich zu Helden zu stilisieren und unsterblich zu werden", sagte Pfeiffer.

Die Zeugenaussage Breiviks wird allerdings, anders als sein Auftritt am ersten Verhandlungstag, nicht im norwegischen Fernsehen live übertragen. Die Richter untersagten dies, weil sie fürchten, Breivik könne den Auftritt für die Verbreitung seiner Propaganda gegen Muslime und Immigranten ausnutzen.

Ein Mann legt Blumen an einem Stein vor der Insel Utøya nieder (Foto: dapd)

Die Anschläge vom Sommer 2011 haben ganz Norwegen in Trauer versetzt

Schuldfähigkeit als entscheidende Frage

Der rechtsradikale Islamhasser ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Norweger vor, im Juli 2011 im Osloer Regierungsviertel mit einer Autobombe acht Menschen getötet zu haben. Anschließend habe er auf der Insel Utøya gezielt 69 Teilnehmer eines Feriencamps für junge Sozialdemokraten umgebracht.

Die entscheidende Frage in dem auf zehn Wochen terminierten Verfahren wird die Schuldfähigkeit des Angeklagten sein. Zwei Gutachten kamen hier zu gegensätzlichen Ergebnissen. Spätestens im Juli wird das Urteil erwartet.

GD/li (dpa, afp, dapd)

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