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Deutschland

Breitscheidplatz: "Wir beten für die Opfer"

Berlin steht unter Schock und trauert um die Opfer. Am Breitscheidplatz, dem Tatort, herrscht auch am Tag danach Entsetzen. Von Naomi Conrad, Berlin.

Die große Werbetafel wirkt makaber mit ihrer fröhlichen Botschaft, den leuchtenden Farben: "Die besten Geschenke und die schönste Einpack-Station der Stadt." Dahinter flattert das Absperrband der Polizei, vor dem die Kameraleute und Journalisten aus aller Welt in dicken Winterjacken Stellung genommen haben. Denn hier ist am Abend ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz im Westen Berlins gerast, zwölf Menschen wurden getötet, 49 zum Teil schwer verletzt. Der Bereich ist seitdem weitläufig gesperrt

"Ihr lebt in uns weiter"

Ein Verdächtiger wird befragt, noch ist unklar, ob er tatsächlich den Laster in die Menschenmenge gelenkt hat. Gerüchte kursieren, wonach er Pakistaner sein könnte er doch Afghane. Die pakistanische Botschaft in Berlin kann die Gerüchte weder bestätigen noch dementieren. Nur so viel, erklärt die Sprecherin, die selbst in der Nähe des Weihnachtsmarktes am Breitscheidplatz lebt: "Das war grausam, schrecklich. Die Opfer tun uns so unendlich leid."

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Augenzeugen unter Schock

Auf dem Boden liegen Blumen, ein paar Brötchen, Kerzen flackern, ein Hand beschriebener Zettel: "Ihr lebt in uns weiter." Ein Albaner, eine Bierflasche in der Hand, lallt ein schwermütiges Lied, ein junger Mann zündet eine Kerze an, während Journalisten ihn dabei filmen. Tauben flattern über den Markt, ziehen Runde um Runde um die verlassenen, verschlossenen Holzbuden, und kommen dann auf der Gedächtniskirche, dem Mahnmal des Grauens der Zerstörung des Zweiten Weltkrieges, zur Ruhe.

Natürlich, man habe schon immer Angst gehabt, dass etwas passieren könnte, erklärt eine Frau einer schwedischen Journalistin, während Schaulustige Fotos vom Absperrband machen, von den schwarz gekleideten Polizisten, die ihre Mützen tief in die Stirn gezogen haben. Ein Mann, "aus Ägypten", macht ein Foto, seine Hand zittert. Er habe im Radio gehört, sagt er, von dem Ganzen. "Schrecklich", sagt er, die Stimme kaum hörbar.

Jörg und Annett Thielmann, zwei Berliner im mittleren Alter, starren auf die Blumen: Sie hatten sich extra freigenommen, wollten heute auf den Weihnachtsmarkt. "Und dann das", Annett schüttelt den Kopf. Sie sind trotzdem gekommen, um eine Kerze anzuzünden und für die Opfer zu beten, in der Hoffnung, dass nicht noch mehr Menschen sterben. "Furchtbar, das ist alles so furchtbar", sagt Annett noch. Ihr Mann nickt: "Und als sie dann den Lastwagen abgeschleppt haben…" Er zuckt die Schultern.

Deutschland Gedächtniskirche (DW/N. Conrad)

Ort der Trauer: Gedächtniskirche am Breitscheidplatz

Nur wenige Schritte entfernt sitzt eine ältere Frau auf einer Bank, schnieft in ein Taschentuch und wendet sich einer Polizistin zu: Wo die Verletzten seien, eine Freundin von ihr sei… Ihre Stimme stockt, sie dreht sich weg.

In der Gedächtniskirche filmen die Kameras, während sich Menschen schweigend in zwei Kondolenzbücher eintragen. Draußen klopft ein Mann einer Journalistin auf die Schulter: ob sie noch ein Zitat von der AfD bräuchte? Sie schüttelt den Kopf.
 

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