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Fokus Osteuropa

Breite Solidarität mit Gefangenen in Belarus

Immer mehr Menschen in Belarus solidarisieren sich mit den politischen Häftlingen im Lande. Gesammelt werden Geld- und Sachspenden. Oppositionelle machen mit verschiedenen Aktionen auf die Gefangenen aufmerksam.

Volontäre sortieren Sachspenden für die Verhafteten bei der Demo am 19.12.2010 in Minsk (Foto: DW)

Volotäre sortieren Spenden

Mit den politischen Häftlingen solidarisieren sich nicht nur oppositionelle Politiker, sondern auch zunehmend einfache Bürger. Freiwillige der Bewegung "Solidarität" berichten, dass beispielsweise ein Minsker Zahnarzt angeboten habe, Menschen kostenlos Zahnersatz zur Verfügung zu stellen, die bei Zusammenstößen mit den Sondereinsatzkräften Zähne verloren hätten.

Viele Unternehmer würden Menschen finanziell helfen, die Geldstrafen zu zahlen hätten. Ein Student der Belarussischen Staatlichen Universität habe beispielsweise für seine inhaftierten Kommilitonen Geld gesammelt, damit diese ihre Geldbußen begleichen können. Aber auch ganze Wohnhäuser hätten Geld für politische Häftlinge gesammelt. Taxifahrer und Transportfirmen würden Menschen, die aus der Untersuchungshaft entlassen würden, kostenlos nach hause bringen.

Sondereinsatzkräfte nehmen Demonstranten in Minsk fest (Foto: AP)

Hunderte Demonstranten wurden festgenommen

Die Hilfsaktionen werden vom kleinen Parteibüro der "Belarussischen Volksfront" aus organisiert. Geschäftsleute bringen dorthin nicht nur Geld- und Sachspenden, sondern auch Geschenke für Kinder inhaftierter Oppositioneller.

Nach der Präsidentenwahl am 19. Dezember 2010 war es in Minsk zu Zusammenstößen zwischen Oppositionellen und Sondereinsatzkräften gekommen. Tausende Gegner des seit 16 Jahren regierenden Präsidenten Aleksandr Lukaschenko hatten auf dem Unabhängigkeitsplatz in Minsk gegen das Wahlergebnis protestiert. Den Behörden werfen sie vor, das Wahlergebnis gefälscht zu haben, wonach Lukaschenko mit 80 Prozent wiedergewählt worden sein soll. Bei der gewaltsamen Auflösung der Demonstration wurden etwa 700 Oppositionelle festgenommen und geschlagen.

Informationskampagne mit Aufklebern

Aktivisten der "Jungen Front" bemühen sich unterdessen, die Menschen im ganzen Land über die Oppositionellen zu informieren, die in Untersuchungshaft sitzen. Den Oppositionellen drohen langjährige Freiheitsstrafen, da die Behörden ihnen vorwerfen, am 19. Dezember 2010 Massenunruhen organisiert oder sich an ihnen beteiligt zu haben. Nikolaj Demidenko von der "Jungen Front" sagte, Aktivisten seiner Organisation würden jeden Tag Aufkleber mit Portraits politischer Häftlinge und Informationen über sie in vielen belarussischen Städten anbringen, darunter auch in Minsk. "Diese Informationen stoßen auf großes Interesse und viele Menschen reagieren darauf", sagte Demidenko.

Porträts der Gefangenen kleben auf Säulen, auf Schwarzen Brettern, aber auch in U-Bahn-Zügen und in anderen öffentlichen Verkehrsmitteln. Erwähnenswert ist, dass sich bisher niemand beeilt, die Aufkleber mit den Information über die politischen Gefangenen zu entfernen.

Auch Jugendliche setzen sich ein

Kirche des Heiligen Simon und der Heiligen Helena in Minsk (Foto: DW)

Tägliche Mahnwache an der Roten Kirche in Minsk

An den Solidaritätsaktionen nehmen Menschen aller Altersgruppen teil. So kommen der 16jährige Wlad und sein 15jähriger Freund Jurij seit dem 20. Dezember 2010 jeden Abend zur Heilig Simon und Heilig Helena Kirche, die wegen ihres Backsteins auch als Rote Kirche bekannt ist. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum Unabhängigkeitsplatz. Die beiden Jugendlichen bringen immer Freunde und Bekannte mit. Mit aaufgestellten, brennden Kerzen neben der Kirche erinnern sie an die Gefangenen.

Wlad sagte, anfangs seien es sehr wenige Menschen gewesen. Inzwischen würden sich aber bei der Roten Kirche täglich etwa 20 Personen versammeln. "Auf diese Weise solidarisieren wir uns mit den politischen Häftlingen, deren Portraits wir in den Händen halten", so der Jugendliche.

Olga Bondarenko, deren Ehemann Dmitrij im Gefängnis sitz, betonte, diese Art der Unterstützung sei für politische Häftlinge sehr wichtig. Ihr Mann war Berater des ehemaligen oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Andrej Sannikow. "Selbst wenn ein Mensch im Recht ist, braucht er Unterstützung, jederzeit und in jeder Situation, besonders in schwierigen", so Bondarenko.

Autor: Artur Smirnow / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Gero Rueter

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