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Wirtschaft

Breitband-Internet lässt auf sich warten

In Deutschland kommt das Highspeed-Internet nur langsam voran. Die Wirtschaft scheut die Investitionen und wartet auf staatliche Anreize. Der setzt aber lieber auf den Wettbewerb. Ein neues Mikado-Spiel.

Netzwerkkabel (Foto: apn)

Breitband-Kabel bald so wichtig wie Strom und Wasser

Netzwerk-Kabel (Foto: apn)

Breitband-Ausbau: Jeder wartet auf Jeden

Mal eben ein Flugticket online buchen, die Fotos vom letzten Urlaub an Freunde mailen, einen kürzlich verpassten Fernsehfilm sehen - ohne einen leistungsfähigen Zugang zum Internet ist die moderne Lebensführung gar nicht mehr vorstellbar. Doch wer schon mal versucht hat, in einem Dorf in der Pfalz oder im bayerischen Wald ins Internet zu kommen, der weiß, dass die Menschen dort von einem Highspeed-Anschluss noch lange träumen müssen. Daran wird auch die Breitbandstrategie der Bundesregierung so schnell nichts ändern.

Die schöne neue elektronische Erlebniswelt, auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin war sie kürzlich in aller Pracht zu bewundern. Videokonferenzen in gestochen scharfer Qualität lassen den Gesprächspartner fast persönlich anwesend erscheinen, im Spiegel des Badezimmers läuft während des Zähneputzens der abendliche Fernsehfilm zu Ende, ein zentraler Computer steuert die Elektronik im ganzen Haus.

Im Mittelpunkt werden der oder die Fernseher stehen, sagt Matthias Greve, Geschäftsführer von VideoWeb, einem Unternehmen, das sich auf Internet-Fernsehen spezialisiert hat. "Aus dem Fernseher wird ein multimediales Terminal werden. Das klassische lineare Fernsehen, das über Kabel, Satellit oder die Antenne kommt, wird nur noch eine von zehn Kernanwendungen sein. Ganz viele Anbieter werden ihre Inhalte direkt über den Fernseher per IP, also Internet zum Nutzer schicken."

Bandbreitenfresser

Ein Mitarbeiter eines Herstellers justiert Flachbildfernseher (Foto: apn)

Fernsehen aus dem Internet setzt schnelle Datenleitungen voraus

Mit Kernanwendungen sind nicht nur Unterhaltung, die Steuerung von Haushaltsgeräten, Stromzählern, oder der Lichtanlage gemeint, sondern auch medizinische Dienste oder beispielsweise der Nachhilfeunterricht für die Kinder. Alles scheint möglich, Voraussetzung ist allerdings ein leistungsfähiger Internetanschluss. Ohne den geht in Zukunft gar nichts, für einen Haushalt wird er damit so grundsätzlich wie die Versorgung mit Wasser und Strom. Das weiß auch die Bundesregierung, die im Februar 2009 eine Breitbandstrategie ins Leben gerufen hat.

Momentan sind rund 23 Millionen Haushalte oder 60 Prozent der Hauhalte in Deutschland mit Internet-Anschlüssen ausgestattet, die über ein Megabit pro Sekunde übertragen können. "Das ist noch nicht das, was wir erreichen wollen. Die Breitbandstrategie der Bundesregierung ist darauf ausgelegt, bis zum Jahr 2014 rund 75 Prozent aller Haushalte anschließbar bis mindestens 50 Megabit zu machen", sagt Hans-Joachim Otto, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Das hört sich gut an, tatsächlich aber werden viele Regionen in Deutschland von wirklichem Highspeed-Internet noch lange träumen müssen. Derzeit haben 40 Prozent aller Haushalte noch gar keine Möglichkeit, ans schnelle Netz zu kommen und wer zwar über einen Breitbandanschluss verfügt, aber mit der Geschwindigkeit unter drei Megabit liegt, der kann sich noch nicht einmal einen Film in der Mediathek einer Fernsehanstalt ansehen, ohne dass es auf dem Computerbildschirm ruckelt.

Telekom an allem schuld?

Telekom-Logo (Foto: apn)

Die Telekom will zehn Milliarden Euro investieren

Auf der Suche nach den Schuldigen wird oft die Deutsche Telekom, der das Telefonnetz gehört, genannt. Doch die wehrt sich. Man arbeite, so beteuert Niek Jan van Damme, zuständig für das Deutschlandgeschäft, mit Hochdruck am Netzausbau. Aber: "Wir haben keine unbegrenzten Investitionsbudgets. Wir investieren in Deutschland in den nächsten drei Jahren insgesamt zehn Milliarden Euro. Das hört sich vielleicht wenig an, das sind für uns aber riesige Summen."

Bis Ende 2012 sollen zehn Prozent der Kupferleitungen im deutschen Telekommunikationsnetz durch Glasfaserkabel ersetzt sein, damit könnten rund vier Millionen Haushalte an das richtig schnelle Internet mit Übertragungsraten von 100 Megabit pro Sekunde angeschlossen werden. Das sei wenig, räumt van Damme ein und stellt fest, dass die Telekom alleine nicht in der Lage sein werde, das deutsche Telekommunikationsnetz auszubauen. Deswegen gebe es pro Jahr auch 800 bis 900 Kooperationen beispielsweise mit Kabelnetzbetreibern und Stromanbietern. Die sind wichtig, um die so genannte 'letzte Meile' zwischen einem Haushalt und dem nächstgelegenen Netzknoten zu überbrücken und so den Zugang zum Breitbandnetz zu ermöglichen.

"Da geht es einmal um technische Fragen", sagt van Damme. "Können wir unterschiedliche Netze zusammen binden? Die zweite Frage ist immer die nach dem Geld. Wer investiert wie viel? Am Ende sind wir ja auch Wettbewerber, und das macht die Sache nicht einfacher." Kompliziert ist es vor allem, wenn es um den Ausbau in ländlichen Gebieten geht. Hier lohnt sich eine Investition für einen Anbieter nur, wenn am Ende auch alle Haushalte den Internetzugang in Anspruch nehmen und den Dienst bezahlen. Ansonsten ist es ein Verlustgeschäft.

Warten auf den Staat

Landidyllle

Wer auf dem Land wohnt, hat schlechte Karten

Vor diesem Hintergrund würden sich viele Unternehmen eine finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung wünschen. Doch Staatssekretär Hans-Joachim Otto winkt ab: "Wir setzen auf Wettbewerb. Wettbewerb ist der Treiber des Marktes. Wenn Sie die letzten 20 Jahre betrachten, dann sind wir damit hervorragend gefahren. Wettbewerb ist der wirkungsvollste Innovator. Mit irgendwelchen staatlichen Förderprogrammen können Sie nie so viel erreichen."

Das leuchtet vielen nicht ein. Breitbandverbindungen komme inzwischen eine ähnliche Bedeutung wie Straßen. Und deren Bau werde schließlich auch vom Staat finanziert. Druck könnte demnächst auch aus Brüssel kommen. Die Europäische Kommission stellt in einer Untersuchung fest, der gesellschaftliche Vorteil des Internets scheine größer zu sein als der wirtschaftliche Anreiz zur Investition. Der Ausbau müsse daher stimuliert werden. Es könnte also durchaus sein, dass die Bundesregierung in Zukunft mehr tun muss, als nur an die Wirtschaft zu appellieren.

Autorin: Sabine Kinkartz

Redaktion: Rolf Wenkel