„Brave New Media“ im digitalen Wunderland | Europa/Zentralasien | DW | 11.12.2017
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Europa/Zentralasien

„Brave New Media“ im digitalen Wunderland

Wie können Medien in Zeiten von YouTube, Instagram & Co. Kinder und Jugendliche erreichen? Die DW Akademie hat Ende November in Belgrad rund 180 Vertreter von Medien und NGOs zur Reise ins digitale Wunderland geladen.

YouTube-Star Lisa Laurent im Gespräch mit Teilnehmern der Brave New Media-Konferenz.

YouTube-Star Lisa Laurent im Gespräch mit Teilnehmern der "Brave New Media"-Konferenz.

„Hallo, ich bin Jennie und das sind eure Nachrichten“, lächelt die junge „logo!“-Moderatorin aus dem virtuellen ZDF-Studio. Locker im T-Shirt und auf Augenhöhe mit den Kindern vor den Bildschirmen.

Das Publikum im Studio besteht heute aus Medienmachern, NGO-Vertretern, Studierenden, Schülerinnen und Schülern. Gebannte Blicke, als der Trailer der deutschen Kindernachrichten in Belgrad über die Leinwand flimmert. Welch ein Kontrast zu den Kinderformaten auf dem Westbalkan: Anders als bei „logo!“ sind aktuelle Themen wie Terroranschläge oder die Krise in Katalonien dort Fehlanzeige, viele Formate wirken steif.

Kindern schwierige Nachrichten erklären

„logo!“-Chefredakteur Markus Mörchen wirbt für einen offensiven Umgang mit vermeintlich schwierigen Themen: „Kinder haben viele Fragen. Und wir müssen ihnen erklären, was um sie herum passiert, und ihnen helfen, diese Dinge zu verstehen.“ Nachfrage aus dem Publikum zu den „logo!“-Kinderreportern: Formulieren die ihre Fragen wirklich selbst? „Ja“, sagt Mörchen, „unsere Redakteure helfen den Kindern zwar bei der Vorbereitung, aber es bleiben ihre Fragen.“

Nikola Krstić vom kosovarischen Rundfunk RTK bedauert, dass dort Kindersendungen nur einen geringen Stellenwert haben. „Eine so intensive Vorbereitung der Kinder können wir gar nicht leisten. Wir müssen ja schon dafür kämpfen, den Kindern die Anfahrt zum Sender zu bezahlen oder ihnen Getränke zu kaufen.“

Serbien: Jugendmedien und YouTuber-Szene auf dem Vormarsch

„Wir wollen zeigen, dass Medien-Angebote für Kinder und Jugendliche ohne großes Budget verbessert werden können,“ so Ländermanager Klaus Dahmann, der die „Brave New Media“-Konferenz mit seinem Team (Sime Nedevski, Marina Martinović, Jakov Leon und Sonila Sand) in Belgrad am 30.11. organisierte.

Teilnehmer des Youtube-Panels der der Brave New Media-Konferenz

Teilnehmer des Youtube-Panels der der "Brave New Media"-Konferenz

Auf dem Panel der Jugendmedien sprach Franziska Bulban vom SPIEGEL-Jugendportal „bento“ über Social-Media-Strategien: „Ein Großteil unserer User kommt über Facebook, Instagram oder YouTube. Da müssen wir aktiv sein.“ Magda Janjić, die Chefredakteurin des serbischen Ablegers von „VICE“ stimmt zu.

Das Highlight der Konferenz dann am frühen Nachmittag: Der deutsche YouTuberin Lisa Sophie (22) stellt ihre Kanäle „ItsColeSlaw“ (ein persönlicher Videoblog mit Geschichten aus ihrem Leben)  und „Auf Klo“ (ein Format für junge Frauen, produziert im Rahmen des öffentlich-rechtlichen Projekts „funk“ von ARD und ZDF) vor. Seit 2010 ist die Studentin auf YouTube aktiv, 240.000 Menschen haben ihre Videos abonniert.  Für Begeisterung sorgt ein Zusammenschnitt von Lisas Interviews mit Angela Merkel und Martin Schulz, die sie im Vorfeld der Bundestagswahl führte.

DW stellt „DE_facto“ und „Balkan Booster“ vor

Im Rahmenprogramm präsentieren sich sieben Medien, mit denen die DW Akademie derzeit neue Formate erarbeitet, u.a.  ein multikulturelles Jugend-TV-Magazin des öffentlich-rechtlichen Senders RTV gehört dazu, ebenso ein Jugendportal beim bosnischen Sender BHRT und  ein Schülerportal im ostserbischen Bor. Gespannte Blicke auch bei der Vorstellung serbischer und albanischer Kinder- und Jugendsendungen des kosovarischen Senders RTK – in Serbien sonst nicht zu sehen, weil die Kabelfernsehanbieter RTK nicht zeigen.

„Ich freue mich, dass besonders unsere beiden jungen Webformate DE_facto und Balkan Booster sehr gut bei der jungen Zielgruppe ankommen“, sagt Adelheid Feilcke, Leiterin der Europa-Programme der DW.

In den Programmpausen stehen die Jugendlichen selbst im Mittelpunkt: „Auf uns sind mehrere Medienvertreter zugekommen und haben gefragt, was wir Teenager denn gerne lesen oder sehen wollen“, sagt die 17-jährige Vanja Joksimović aus Niš, die dieses Jahr eine journalistische Sommerschule der DW Akademie besucht hat. „Das war für alle die wichtigste Frage.“ Eine Antwort will sie mit ihren Klassenkameraden bald selbst geben – mit einer eigenen Webseite: „Wir haben schon ein Team zusammen und wollen über alles berichten, was uns interessiert.“

Die „Brave New Media“ - Konferenz fand im Rahmen des Projekts „Junge Medien“ der DW Akademie statt. TV- und Radiostationen sowie Zeitungen und Online-Portale aus Serbien, Bosnien, Montenegro und Kosovo nehmen daran teil.