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Kriminalität in Brasilien

Brasiliens Präsident Temer schickt Soldaten nach Rio

Angesichts der massiven Zunahme von Gewalt in Rio de Janeiro sollen jetzt 10.000 Soldaten für mehr Sicherheit in der Millionenmetropole am Zuckerhut sorgen. Gleichwohl: Es erscheint wie ein aussichtsloser Kampf.

Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in Rio de Janeiro 2723 Menschen ermordet. Das sind rund zehn Prozent mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. Auch 91 Polizisten kamen durch Gewalt ums Leben.

Ein Jahr nach den Olympischen Spielen versinkt die faszinierende Stadt an der Copacabana, einem der schönsten Strände der Welt, in einem Sumpf aus Drogenkriminalität, Schießereien und Überfällen.

"Kriminalitätskrebs"

Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Drogenhändlern und der Polizei sind an der Tagesordnung. Immer wieder sterben dabei auch unbeteiligte Passanten durch Querschläger. Die Behörden haben über Teile der Stadt die Kontrolle verloren.

Besonders in den Favelas, den Armenvierteln, breitet sich die Kriminalität immer weiter aus. "Wir haben hier 800 Favelas, die in einem Ausnahmezustand leben", sagte der brasilianische Verteidigungsminister Raul Jungmann. Viele dieser Armenviertel seien rechtsfreie Räume, in denen kriminelle Banden die Macht übernommen hätten, der Drogenhandel blühe und es oft zu Schießereien  komme. Jungmann sprach von einem "Kriminalitätskrebs", der sich immer weiter ausbreite.

Justizminister Torquato Jardim ergänzte, es seien in Rio auch vermehrt Waffen der linken kolumbianischen FARC-Guerilla aufgetaucht, die diese eigentlich im Zuge des Friedensprozesses komplett an UN-Vertreter hätten übergeben sollen.

Massive Militärpräsenz - zu spät?

Gegen diese Entwicklung schickt Brasiliens Präsident Michel Temer nun 8500 Soldaten nach Rio. Hinzu kommen 1500 Polizisten, Nationalgardisten und weitere Kräfte. Sie sollen zunächst durch ihre Präsenz für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen. Später sei auch geplant, dass sie sich an Razzien gegen Drogenhändler beteiligen, sagte Verteidigungsminister Jungmann.

Damit vergrößert sich das Spektrum der Kompetenzen im Vergleich zu früheren Einsätzen, bei denen die zusätzlichen Kräfte darauf beschränkt waren, auf Streife zu gehen, Kontrollposten zu besetzen und Beweismaterial bei Razzien zu sichern.

Wirtschaft am Boden - Tourismus bricht ein

Der gesamte Bundesstaat Rio de Janeiro leidet ein Jahr nach der Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele unter enormen Finanzproblemen, die zu immer neuen Sparmaßnahmen bei der Polizei und zur Reduzierung von Unterstützungsmaßnahmen in den Favelas führten.

Als Folge der prekären Sicherheitslage ist der Tourismus, ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in Rio, massiv eingebrochen: Die Auslastung der Hotels lag zuletzt bei unter 50 Prozent. Hinzu kommt, dass die nach Ansicht von Experten schlimmste Rezession Brasiliens seit Jahrzehnten die Lage zusätzlich verschärft.

mak/kle (dpa, ape)