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Aktuell Amerika

Brasiliens Polizei schlägt in Petrobras-Affäre zu

Geldwäsche, Veruntreuung, Kartellbildung, Korruption - in großem Umfang ermitteln Brasiliens Behörden im Fall des Ölkonzerns Petrobras. Auch Präsidentin Rousseff steht nicht gut da. Nun gab es Festnahmen.

Die Korruptionsaffäre um den staatlich kontrollierten Ölkonzern Petrobras schlägt in Brasilien immer höhere Wellen. Die Polizei durchsuchte am Freitag sieben große Unternehmen und nahm Topmanager der Firmen fest. Nach offiziellen Angaben gab es 27 Festnahmen. Darunter ist auch der frühere technische Direktor von Petrobras, Renato Duque (Artikelbild). Die Behörden erließen Dutzende Haft- und Fahndungsbefehle. Zudem wurden insgesamt 720 Millionen Reais (umgerechnet 225 Millionen Euro) auf Konten von 36 Tatverdächtigen gesperrt.

Bei der unter anderem als "Operação Lava Jato" ("Operation Autowäsche") bekannten Affäre geht es um illegale Finanzaktionen bei Petrobras, die sich auf zehn Milliarden Reais (rund 3,1 Milliarden Euro) summieren sollen. Die Ermittler sehen Hinweise auf Geldwäsche, Veruntreuung, Kartellbildung und Korruption. Unter anderem sollen von 2004 bis 2012 durch überhöhte Vertragsabschlüsse bei Petrobras-Projekten Geldmittel an politische Parteien geflossen sein, vor allem an die regierende Arbeiterpartei PT von Präsidentin Dilma Rousseff.

Mehr als 350 Beamte im Einsatz

Einer der Hauptverdächtigen ist der Ex-Petrobras-Manager Paulo Roberto Costa, der bereits im März festgenommen worden war. Nach seinen Aussagen waren bei Aufträgen bis zu drei Prozent der jeweiligen Vertragssumme für Parteien bestimmt. Costa hatte auch Rousseff selbst sowie ihren Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva belastet. Beide hätten über das System Bescheid gewusst. Diese Behauptungen hatte Rousseff, die am 26. Oktober die Stichwahl knapp vor ihrem Herausforderer Aécio Neves gewann, vehement zurückgewiesen.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff und Petrobras-Chefin Graca Foster bei einem Treffen im Dezember 2013 (Foto: Evaristo Sa/AFP/Getty Images)

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff (r.) und Petrobras-Chefin Graca Foster bei einem Treffen im Dezember 2013

An dem Großeinsatz am Freitag waren mehr als 300 Polizeibeamte und über 50 Mitarbeiter der Finanzbehörden in fünf Bundesstaaten und im Hauptstadtbezirk Brasília beteiligt. Nach Angaben des leitenden Polizeibeamten Igor Romário de Paula liegt gegen die durchsuchten Firmen, die Verträge im Umfang von 59 Milliarden Reais (18,4 Milliarden Euro) mit Petrobras haben, "robustes Beweismaterial" vor. Das sei ausreichend, um deren Verwicklung in die Bildung von Kartellen und die Veruntreuung von Geldern zur Bestechung öffentlicher Funktionsträger nachzuweisen.

Bekanntgabe der Quartalszahlen verschoben

Wegen der Ermittlungen verschob Petrobras auch die ursprünglich für Freitag vorgesehene Veröffentlichung seiner aktuellen Geschäftszahlen auf den 12. Dezember. Die beiden beauftragten Kanzleien benötigten mehr Zeit, um dem Vorwurf der Geldwäsche nachzugehen und "möglicherweise Geschäftszahlen zu korrigieren", erklärte der Konzern. Eine brasilianische Zeitung hatte Anfang des Monats berichtet, dass sich die Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhauseCoopers geweigert hatten, die Petrobras-Bilanz für das dritte Quartal ohne eine tiefergehende Untersuchung abzuzeichnen.

sti/mak (dpa, rtr, afp, ape)

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