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Sport

Brasiliens neuer Held heißt Dani Alves

Danke, Dani Alves! Mit dem Biss in eine Banane ist der Fußballprofi in seiner Heimat Brasilien zum Helden und die Frucht zu einem Politikum avanciert. Selbst Staatspräsidentin Dilma Rousseff stimmt in den Kanon ein.

"Dani Alves hat mit einer einfachen, natürlichen Geste die Seele der Brasilianer gereinigt", kommentierte der ehemalige Nationalspieler Romário auf Facebook. "Er hat die Banane, die ein rassistischer Fan auf ihn warf, aus einem Instinkt der Selbstverteidigung heraus gegessen und damit den Spieß umgedreht. Der Rassismus ist jetzt nicht vertrieben, aber besiegt. Daniel Alves ist zum Giganten herangewachsen".

Der Abwehrspieler Daniel Alves da Silva, genannt Dani Alves, war beim Spiel zwischen den spanischen Klubs Villarreal und Barcelona am vergangenen Sonntag (27.04.2014) in der 75. Minute mit einer Banane beworfen worden. Statt den rassistischen Angriff zu ignorieren, hob er die Frucht auf und biss demonstrativ hinein.

Souveräne Geste

"Beleidigungen wirken nur, wenn sich das Opfer auch beleidigt fühlt", erklärte Alves am Dienstag gegenüber der brasilianischen Tageszeitung "O Globo". "Ich wollte mich aber nicht aufregen, sondern einfach nur eine negative Geste mit einer positiven Geste beantworten."

In Brasiliens sozialen Netzwerken löste die souveräne Haltung des Fußballprofis einen Sturm der Begeisterung aus. Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff, zahlreiche Fußballstars, TV-Moderatoren, Künstler und Politiker solidarisierten sich mit dem Rechtsverteidiger, der seit sechs Jahren für den FC Barcelona spielt und während dieser Zeit mehrfach Opfer rassistischer Angriffe wurde.

"Applaus für Dein Einfühlungsvermögen und Talent. Vorurteile sind eine Angelegenheit für Schwache ohne Glauben und Lebensfreude", schrieb die Pop-Sängerin Ivete Sangalo auf ihrem Facebook-Account. Ihre Kollegin Claudia Leitte, die bei der Eröffnung der WM im Juni singen wird, und viele andere TV-Stars und Künstler schlossen sich den Glückwünschen an.

Ironischer Biss

Insbesondere Alves' Fußballkollegen ließen es dieses Mal nicht an deutlichen Worten mangeln. Sein Freund Neymar, seit der Saison 2013/14 Mannschaftskollege bei Barcelona, startete in der Nacht zum Montag im Netz eine Kampagne unter dem Motto "Wir sind alle Affen". Er postete ein Foto mit seinem Sohn Davi Lucca, der eine riesige Spielzeugbanane in der Hand hält. Seitdem ist der herzhafte Biss in das gelbe Obst weltweit zum Politikum avanciert.

Portrait Tinga (Foto: AP)

"Schieß das Vorurteil weg, Dani. Ich bin dabei", kommentierte der Ex-Dortmunder Tinga.

Auch der ehemalige Nationalspieler Paulo César Fonseca do Nascimento, genannt Tinga, schloss sich der Kampagne an. "Schieß das Vorurteil weg, Dani. Ich bin dabei", kommentierte der Spieler der von 2006 bis 2009 für Borussia Dortmund spielte. Tinga war im Februar bei der lateinamerikanischen Clubmeisterschaft Copa Libertadores selbst wegen seiner Hautfarbe diskriminiert worden. Bei jeder seiner Ballberührungen hatten die Fans des peruanischen Fußballvereins Real Garcilaso im Stadion Affenlaute ausgestoßen.

Für den Historiker Marcel Diego Tonini, der seine Doktorarbeit über "Schwarze im Fußball" an der Universität São Paulo (USP) geschrieben hat, ist die Solidarität unter den Fußballprofis ein großer Fortschritt. Aus Angst vor einem Karriereeinbruch hätten bisher viele Spieler eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema vermieden, so Tonini.

"Der brasilianische Schiedsrichter Márcio Chagas da Silvas ist schon über 200 Mal rassistisch angegriffen worden", erinnert sich Tonini. "Neulich, als er bei einer Partie in Südbrasilien als Affe beschimpft wurde, hat es ihm gereicht, und er hat endlich Anzeige erstattet." Rassismus im Fußball, so Tonini, sei immer noch ein Tabuthema.

Marketing in eigener Sache

Die erfolgreiche Anti-Rassismus-Kampagne "Wir sind alle Affen" war allerdings keine spontane Reaktion des empörten Starstürmers Neymar. Am Dienstag stellte sich heraus, dass der Slogan gemeinsam von der brasilianischen Werbeagentur "Loducca" aus São Paulo und dem Management von Neymar bereits vor längerer Zeit entwickelt worden war.

Screenshot Twitter Solidaritätsaktion mit Dani Alves (Foto: Twitter)

Barcelona-Kollege Neymar solidarisiert sich mit eigener Kampagne: "Wir sind alle Affen"

Sowohl Neymar als auch Dani Alves hätten immer wieder über rassistische Übergriffe in Europa geklagt, erklärte Guga Ketzer, einer der Agentur-Inhaber, gegenüber dem brasilianischen Internetportal "Meio & Mensagem".

Auch andere Promis nutzten die Rassismusattacke im Stadion von Villareal als Steilvorlage für ein öffentliches Marketing in eigener Sache. Topmodel Adriana Lima ließ sich in einem Bikini im Bananenlook ablichten und schickte das Foto mit "solidarischen Grüße an meine brasilianischen Brüder Dani Alves und Neymar".

Der brasilianische TV-Moderator Luciano Huck pries ein neues T-Shirt mit der Aufschrift "Wir sind alle Affen, wir sind alle gleich" des Modelabels "Huck" im Internet an. Die Kosten für das solidarische Outfit betragen umgerechnet 23 Euro.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat unterdessen angekündigt, die bevorstehende WM im Land als Plattform gegen Rassismus zu nutzen. "Wir werden zeigen, dass unsere Stärke, im Alltag und im Fußball, sich aus unserer ethnischen Vielfalt speist, und dass wir stolz darauf sind", erklärte sie per Twitter. "Brasilien ist das Land mit der größten schwarzen Bevölkerung außerhalb Afrikas. Rassismus hierzulande ist inakzeptabel."

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