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Amerika

Brasiliens konservative Umweltschützerin

Sie ist als zweite von elf Geschwistern im Amazonas aufgewachsen, überlebte mehrmals Malaria und lernte erst mit 16 Lesen und Schreiben. Marina Silva versuchte bereits zum zweiten Mal Präsidentin Brasiliens zu werden.

Am 13. August 2014 entkam Marina Silva knapp dem Tod. Sie stieg nicht in den Privatjet des Präsidentschaftskandidaten Eduardo Campos ein, der kurz vor der Landung in der brasilianischen Hafenstadt Santos abstürzte. Stattdessen flog sie mit einem Linienflug zu einem Wahlkampftermin nach Sao Paulo.

Der tragische Unfall des Präsidentschaftskandidaten Eduardo Campos von der Sozialistischen Partei Brasiliens (PSB) verwandelte die politische Karriere von Marina Silva in eine Achterbahnfahrt. Als Stellvertreterin von Campos rückte sie für die PSB unverhofft in die Riege der Präsidentschaftskandidaten auf und machte sämtliche Wahlkampfprognosen zur Makulatur.

Marina Silva kennt die Angst vor dem Tod. Das Leben der neuen brasilianischen Präsidentschaftskandidatin ist von Krankheiten und Verlusten geprägt: Fünfmal infizierte sie sich im Amazonas mit Malaria. Sie überlebte die tropische Infektionskrankheit Leishmaniose und eine Quecksilbervergiftung.

Ihr Schicksal ist eng mit dem Regenwald verbunden, der über die Hälfte des brasilianischen Territoriums bedeckt. Sie wuchs mit ihrer Familie in einem Reservat für Kautschuksammler im Bundesstaat Acre auf. Ihre Mutter starb an einer tropischen Krankheit, als Marina gerade einmal 14 Jahre alt war, drei ihrer zehn Geschwister überlebten den Alltag im Urwald nicht.

Wegbegleiterin von Chico Mendes

Marina Silva steht neben Plakat von Chico Mendes. (Foto: REUTERS/Jamil Bittar)

Dem Umweltschutz verbunden: Marina Silva neben einem Plakat des Aktivisten Chico Mendes

In den 80er Jahren kämpfte sie gegen die massiven Abholzungen und Brandrodungen und lernte dabei den bekannten brasilianischen Umweltschützer Chico Mendes kennen. Erst mit 16 Jahren lernte Marina Silva Lesen und Schreiben. Zehn Jahre später schloss sie ihr Studium der Geschichte an der Universität von Acre ab.

Bis heute ist die mittlerweile 56-Jährige eng mit ihrer Heimat im Amazonas verbunden, wo ihre politische Karriere begann. 1988 zog sie in den Gemeinderat der Hauptstadt des Amazonas-Bundesstaates Acre, Rio Branco, ein. Von 1994 bis 2000 vertrat sie Acre als Abgeordnete im brasilianischen Senat.

Silvas Einsatz für den Erhalt des Amazonas machte sie zum grünen Gewissen Brasiliens und bescherte ihr internationale Aufmerksamkeit. 2007 wurde sie mit dem UN-Preis "Champions of the Earth" ausgezeichnet, denn während ihrer Amtszeit als Umweltministerin von 2003 bis 2008 sorgte sie dafür, dass sich die Abholzung im Amazonas um mehr als die Hälfte verringerte.

Die Brasilianer schätzen Silva für ihre grüne Vergangenheit. Schon 2010 trat die ehemalige Umweltministerin für die "Partido Verde" (Grüne Partei) als Präsidentschaftskandidatin an. Rund 20 Millionen Brasilianer gaben Silva damals ihre Stimme.

Gegen Korruption

Seit den Massenprotesten in Brasilien im Juni 2013 gilt sie aber auch als nationale Symbolfigur für Reformen und den Kampf gegen Korruption. Viele erhoffen sich durch Marina Silva einen Politikwechsel: weg von den alteingesessenen und durch zahlreiche Korruptionsfälle auffällig gewordenen Parteien hin zu einem offeneren und mehr von Inhalten gesteuerten Politikstil.

Umweltschutz statt Wachstum, Nachhaltigkeit statt Megaprojekte: Dass sie nicht an der Macht hängt und im Zweifel für ihre Überzeugungen einsteht, hat sie schon 2008 bewiesen. Damals trat sie als Umweltministerin unter Lula da Silva von ihrem Amt zurück. Sie war gegen den wachstumsfreundlichen Kurs der damaligen Energieministerin und Kabinettschefin Rousseff.

Konservative Einstellung zu Abtreibung und gleichgeschlechtlicher Ehe

Doch Silva bietet auch politische Angriffsflächen. Vielen Wählern ist ihre evangelikale religiöse Ausrichtung suspekt. Ihre Einstellung zu familienpolitischen Themen ist sehr konservativ geprägt. Zu Themen wie Abtreibung und gleichgeschlechtlicher Ehe äußert sie sich eher verhalten.

Die Diskussion in Brasilien rund um diese Themen könnte auch eine Erklärung für den jüngsten Einbruch der Umfragewerte sein. Kurz nach dem Tod ihres Parteikollegen Eduardo Campos profitierte Silva noch von den Emotionen, die den Wahlkampf und die Berichterstattung nach dem tragischen Ereignis beherrschten. Zeitweise sah es gar so aus, als würde sie haushoch gegen Rousseff gewinnen.

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