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Amerika

Brasiliens Erdöl-Profite fließen in Klimafonds

Der neue Fonds wurde 2009 im Gesetz verankert und stellt 80 Millionen Euro für Kredite zur Verfügung. Das Geld soll Projekte fördern, die Treibhausgase verringern oder dem Klimawandel entgegenwirken.

Eine Ölplattform in Brasilien (Foto: AP)

Brasilien ist noch nicht lange in der Liga der Länder mit den zehn größten Ölreserven

80 Millionen Euro stehen bereit, um in klimafreundliche Projekte in Brasilien investiert zu werden. Die Regierung des südamerikanischen Landes lancierte in der vergangenen Woche den 'Fundo Clima', der exklusiv für Projekte gedacht ist, die Treibhausgase reduzieren, den Klimawechsel bekämpfen oder Anpassungsstrategien für den Klimawandel umsetzen. Bisher gibt es allerdings keine Interessenten für Kredite dieser Art. Das bestätigt die brasilianische Entwicklungsbank, die Banco Nacional de Desenvolvimento (BNDES), die die Mittel verwaltet.

"Die Regierung erfüllt Ihre Rolle, das Geld bereit zu stellen. Aus der Industrie und auch aus privaten Initiativen gibt es die Bereitschaft, sich zu beteiligen und in angemessene Technologien zu investieren", so Karen Suassuna, zuständig für den Bereich Klimawandel beim brasilianischen Umweltministerium, gegenüber der DW.

Die speziellen Kredite werden an private, kommunale oder staatliche Projekte vergeben. Die Zinsen sind attraktiver als die üblichen, mit Raten ab 2,5 Prozent pro Jahr. Das Besondere an diesem Fonds ist zudem die Herkunft der finanziellen Mittel: Sie stammen aus der Ölwirtschaft.

Vom fossilen Brennstoff zur klimafreundlichen Entwicklung

Arbeiter auf einer Ölplattform (Foto: AP)

Für 2012 schon 140 Millionen Euro in Aussicht gestellt

Die Summe, die die Regierung aufgebracht hat, stammt aus Konzessionen für Unternehmen, die in Brasilien Öl fördern. Sie wird zwischen mehreren Ministerien aufgeteilt. So fließen 10 Prozent der Gesamtsumme ins Umweltministerium. Der Restbetrag wird zwischen dem Ministerium für Wissenschaft und Technologie und dem Ministerium für Energie aufgeteilt.

"Der Klimafonds ist eines der wichtigsten Instrumente der brasilianischen Klimapolitik und bis 2014 können die Mittel dafür bis zu einer Milliarde Reais (400 Millionen Euro) aufgestockt werden", kündigt die brasilianische Umweltministerin Izabela Teixeira an. Bereits in diesem Jahr hat das Ministerium umgerechnet mehr als 140 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Das Programm nennt sechs Bereiche, für die die Mittel des Klimafonds verwendet werden sollen. Im Transportwesen werden Initiativen unterstützt, die Treibhausgase verringern und die urbane Mobilität verbessern. Das geliehene Geld - etwa für die Anschaffung von Schienenfahrzeugen - muss in spätestens 25 Jahren an die BNDES zurückgezahlt werden.

Zu den Bereichen, die gefördert werden sollen, gehören auch Maschinen und Ausrüstung mit besserer Energieeffizienz, erneuerbare Energien, wie Windenergie, Biomasse, Wasser oder Solarenergie. Außerdem werden die Nutzung von Abfällen zur Energieerzeugung, die Verbesserung der Effizienz von Holzkohle und die Bekämpfung der Wüstenbildung finanziell unterstützt. Der trockene Nordosten Brasiliens leidet besonders stark unter den Auswirkungen des Klimawechsels.

Geld für die Weiterentwicklung

Luftaufnahme eines Regenwaldes (Foto: picture alliance)

Auch der Regenwald soll profitieren

Auf das Schwellenland Brasilien kommen große Herausforderungen zu. Die Infrastruktur muss stark ausgebaut werden, um mehr Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Außerdem muss der größte Regenwald der Erde vor seiner weiteren Zerstörung bewahrt werden und die bei der Klimarahmenkonvention 2010 freiwillig vereinbarten Ziele zur Emissionssenkung eingehalten werden.

Brasilianische Unternehmen fangen an, sich nicht nur über nachhaltiges Wirtschaften Gedanken zu machen, sondern sie auch umzusetzen, berichtet Tatiana Donato Trevisan vom Instituto Ethos. "Einige wichtige internationale Konzerne haben bereits Abteilungen, die sich mit Klimafragen befassen, verfolgen eine Politik des geringen Kohlenstoffausstoßes und haben freiwillige Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasen festgelegt."

Private Initiativen haben allerdings noch Schwierigkeiten, an Geld aus dem Klimafonds der Regierung zu kommen: Wenig Information und viel Bürokratie sind die häufigsten Gründe dafür. "Das ganze Land ist wegen der Fußballweltmeisterschaft 2014 und der Olympischen Spiele 2016 im Umbau. Aber der Bausektor wird bei den Krediten für nachhaltige Projekte gar nicht einbezogen", kritisiert Trevisan.

Karen Suassuna vom brasilianischen Umweltministerium bestätigt, dass noch nicht genug Geld vorhanden ist, um nachhaltige Entwicklung für das ganze Land zu finanzieren. "Aber wir ändern den Maßstab, ohne Zweifel. Zuvor bewegte sich die Finanzierung im Tausenderbereich, jetzt geht es bereits um Millionen. Wir sind am Anfang des Weges."

Autorin: Nádia Pontes / Julia Maas
Redaktion: Thomas Kohlmann

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