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Welt

Brasilien und Südafrika - gemeinsam voran

Die BRICS-Gruppe hat gemeinsame Interessen. Doch schon vor Start des Gipfel-Treffens der fünf Staaten in Durban wurde deutlich: Gastgeber Südafrika und Brasilien eint noch mehr als den Rest.

Einen permanenten Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, mehr Gewicht bei der Weltbank und beim Internationalen Währungsfonds (IWF): Diese Ziele verbinden Südafrika und Brasilien. Quer über den Atlantik suchen beide Staaten eine intensive Kooperation, auch wenn der wirtschaftliche Austausch zwischen den Ländern relativ schwach ist.

Am 25. und 26. März 2013 findet in der südafrikanischen Stadt Durban das fünfte Treffen der BRICS-Staaten statt. Neben Brasilien und Südafrika zählen China, Indien und Russland dazu. Zwar nehmen sich Brasilien mit 196 Millionen Einwohnern und Südafrika mit 51 Millionen neben den Milliardenvölkern China und Indien eher bescheiden aus, dennoch haben die 'Kleinen' große Ambitionen: "Südafrika und Brasilien wollen international eine wichtige Rolle spielen. Sie haben noch nicht den globalen Status, den sie haben möchten", sagt Oliver Stuenkel von der unabhängigen brasilianischen Forschungsinstitution Fundação Getulio Vargas in São Paulo.

Ähnlichkeiten in der wirtschaftlichen Entwicklung

Der ehemalige Präsident Brasiliens Lula mit Südafrikas Staatschef Zuma (AP Photo/Eraldo Peres)

Der ehemalige Präsident Brasiliens Lula mit Südafrikas Staatschef Zuma

Der wirtschaftliche Aufstieg verlaufe in beiden Ländern anders als in den autoritär geführten Mitgliedern der BRICS-Gruppe, sagt Stuenkel: "Anders als China müssen sie mit komplexen demokratischen Systemen zu Hause kämpfen, die die ökonomische Entwicklung und Industrialisierung nicht immer einfacher machen." In dieser Hinsicht könnten Südafrika und Brasilien sehr viele Erfahrungen austauschen.

"Ich denke nicht, dass Brasilien und Südafrika im Rahmen der BRICS die schwächsten Länder sind", sagt Mzukisi Qobo, der als Dozent für internationale Wirtschaftspolitik an der Universität von Pretoria in Südafrika arbeitet. "Sie sind weltweit glaubwürdiger, was ihre Regierungsführung betrifft, als Länder wie Russland und China. Letztere sind autoritäre Länder, beschränken den Raum für zivile Freiheiten und haben mehr Probleme mit Korruption." China und Russland hätten in Hinsicht Regierungsführung und Korruptionsbekämpfung daher eher ein Legitimitäts-Problem, meint Qobo.

Südafrika als Eingangstor für andere afrikanische Staaten

Für Qobo kann Südafrika gestärkt aus dem zweitätigen BRICS-Treffen herauskommen: einerseits als Gipfelgastgeber, andererseits als Bindeglied zwischen den BRICS-Ländern und den anderen afrikanischen Staaten. Das sieht Dana de La Fontaine ähnlich. Sie arbeitet für die deutsche staatliche Entwicklungsorganisation GIZ in Bolivien und hat sich in ihrer Doktorarbeit mit der Rolle von Brasilien, Indien und Südafrika als aufsteigende Geberländer beschäftigt. "Südafrika kann sich im Rahmen der BRICS als ein sogenanntes Eingangstor für Afrika positionieren", so de La Fontaine. Außerdem würden so zentrale Themen für Afrika wie Entwicklung und Armutsbekämpfung auf die Agenda großer internationaler Foren gebracht.

Brasilien als Schlüssel zu den Märkten Lateinamerikas

Die Mine des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale in Tete, Mosambik (Foto credit should read GIANLUIGI GUERCIA/AFP/Getty Images)

Die Mine des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale in Tete, Mosambik

So wie sich Südafrika als Sprecher der afrikanischen Staaten profilieren möchte, strebt Brasilien die Führungsrolle in Lateinamerika an. Und während Südafrika mit anderen Regionalmächten wie Ägypten in Konflikt gerät, machen den Brasilianern die Ambitionen Mexikos und Argentiniens zu schaffen.

Für Südafrika nimmt Brasilien allerdings eindeutig die Rolle der führenden Regionalmacht in Lateinamerika ein. Die Südafrikaner suchten über diesen Weg den Zugang zu den Märkten auf der anderen Seite des Südatlantiks, sagt Mzukisi Qobo: "Südafrika legt Wert darauf, als wichtiger Partner von Industrie- und auch von Schwellenländern wahrgenommen zu werden, insbesondere von Brasilien. Ich glaube, Südafrika will einen Fußabdruck in Brasilien und in Südamerika hinterlassen.", erläutert der Experte. Dieser Abdruck sei zurzeit jedoch noch minimal.

Softpower statt Süd-Süd-Kolonialismus

Doch bei allen Ambitionen, ein weltweit führendes Schwellenland zu sein, möchte Brasilien doch keine dominante Rolle übernehmen. China habe bereits ein schlechtes Image in Afrika, das wolle Brasilien vermeiden, sagt Oliver Stuenkel von der Fundação Getulio Vargas aus São Paulo: "Für Brasilien ist es die große Herausforderung, bei immer größerer wirtschaftlicher Präsenz ein positives Image in Afrika zu haben."

Frau an einer Wahlurne (Foto:Gabriela Barnuevo/AP/dapd)

Abstimmung in Guinea-Bissau: Brasilien unterstütze diese Wahlen finanziell

Zwar steht Brasilien in Lateinamerika für Demokratie und Menschenrechte - aber auch in der Kritik, mit afrikanischen Ländern zu kooperieren, die diese Werte nicht im selben Maße respektieren. "Brasilien möchte in Afrika nicht als Land dastehen, das sich durchsetzt und mit allen Mitteln demokratische Regierungen fördert", sagt Stuenkel. Zudem hätte Brasilien in Afrika nicht dieselbe Autorität wie auf dem Heimatkontinent, so Stuenkel. Brasilia setze vielmehr auf Entwicklungszusammenarbeit oder finanziere Wahlen wie in Guinea-Bissau.

Nicht allein auf BRICS verlassen

Beim BRICS-Gipfel in Durban findet Dana de la Fontaine vor allem spannend, wie sich die Beziehungen der Schwellenländer zu China zeigen - und umgekehrt. Die Interessen Südafrikas und Brasiliens widersprechen in einigen Aspekten den chinesischen und russischen. Das gilt zum Beispiel für den Wunsch nach einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Den haben Russland und China bereits inne, inklusive Vetorecht. Neue Mitglieder könnten ihre Position schwächen.

Daher haben sich die drei Sicherheitsrats-Aspiranten Indien, Brasilien und Südafrika parallel zu den BRICS noch in der sogenannten IBSA-Gruppe zusammengetan. Man will sich schließlich nicht völlig auf die BRICS verlassen.

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