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Medienentwicklung

Brasilien: "Once Amigos" nah dran an Protesten

Die Proteste in Brasilien haben den Teilnehmern des "Once-Amigos-Projekts" der DW Akademie die Chance gegeben, unter herausfordernden Bedingungen zu berichten - ein Jahr vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft.

Protesters amid tear gas fired by Brazilian police during demonstrations near Castelao Arena in Fortaleza, Brazil, 27 June 2013. Police blocked the area around the stadium which will host the Confederations Cup semi-final 2013 between Spain and Italy. Five people have died during the social protests that began on 10 June in Sao Paulo and spread across the country (photo: epa/Fernando Bizerra jr.).

Proteste in Brasilien

Eigentlich waren die 22 lateinamerikanischen und deutschen Journalisten nach Brasilien gereist, um vom Stand der Vorbereitungen des Landes auf die Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr zu berichten. So lautete jedenfalls die Planung für die zweite Phase des Langzeitprojekts "Once Amigos" der DW Akademie. Doch die Massenproteste änderten alles. Die Journalisten Pablo López Hurtado aus Venezuela und Sebastián Espiño aus Argentinien erzählen von ihren Erfahrungen.

Wir sitzen in Raum Nummer 132 auf dem 13. Stock unseres Hotels in Brasiliens größter Stadt, Sao Paulo. Es ist Nacht und unten auf den Straßen protestieren zehn Tausende Menschen gegen Korruption. Die Proteste hier in der Stadt sind nur ein Teil massenhafter Demonstrationen im ganzen Land. Zusammen mit unserem Trainer von der DW Akademie, Johannes Metzler, haben wir ein provisorisches Redaktionsbüro aufgebaut. Wir sitzen konzentriert vor unseren Laptops. Und uns steht eine lange Nacht bevor.

Teilnehmer Sebastián Espiño (r) und López Hurtado, Once Amigos (DW Akademie/Johannes Metzler).

Ein Team: Sebastián Espiño (r) und López Hurtado

Nach und nach trifft per Internet das Material aus den verschiedenen brasilianischen Städten ein, aus denen unsere Journalistenkollegen berichten. Sie schicken aktuelle Fotos aus Rio de Janeiro, bewegende Videos von den Protesten in Fortaleza, Audiomaterial von den Menschen in Rio Branco und von den Studenten in São Paulo, die unten in den Straßen ein besseres Bildungssystem verlangen. Es sind keine Korrespondenten, die mit uns in Kontakt stehen, sondern die Teilnehmer des Projekts "Once Amigos" (Elf Freunde), zu dem wir auch gehören. Dieses Projekt der DW Akademie hat 22 Journalisten aus Deutschland und Lateinamerika zusammengeführt, um gemeinsam Geschichten rund um den Fußball zu erzählen - Geschichten, die aber nicht unmittelbar mit Spielfeld und Ball zu tun haben

Begonnen hat alles im Dezember 2012 in Bonn, wo wir uns zum ersten Mal getroffen haben. Derzeit sind wir in Brasilien und erkunden als Journalisten verschiedene Städte des Landes. Im kommenden Jahr wird dann der Höhepunkt sein, auf den wir uns alle freuen: Die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Die Proteste hatten wir nicht erwartet und auch nicht, dass sie für unsere Arbeit hier so wichtig werden würden.

Alle journalistischen Arbeiten landen zunächst hier bei uns, in unserer improvisierten Redaktion in São Paulo. Wir sind es, die die Kollegen koordinieren und die Ergebnisse ins Internet hochladen. Die Idee dahinter ist, dass wir auf zwei Ebenen berichten: Einerseits wollen wir beschreiben, welche Bedeutung diese Proteste im internationalen Kontext haben. Andererseits zeigen wir, wie sie in den Straßen ganz konkret aussehen. Die Kollegen schicken uns Audios, Videos, Fotos und Texte. Wir integrieren all das dann in unseren Blog mithilfe von digitalen "Werkzeugen".

Von Anfang an haben wir in Zweierteams gearbeitet - jeweils deutsche und lateinamerikanische Kollegen arbeiten zusammen. So hat sich ein spannender Austausch in den Teams ergeben. Dabei geht es nicht nur um die Arbeit an sich, sondern auch um die Art und Weise, wie wir denken, welche Vorstellung wir von Journalismus haben. Es sind Radioleute dabei, Fernsehmacher, Print- und Onlinejournalisten. Von allem etwas.

Beeindruckt sind wir, weil wir festgestellt haben, wie sehr uns der Journalismus verbindet, wie sehr er eine gemeinsame Sprache ist. Während der Berichterstattung über die Proteste haben wir zum Beispiel gespürt, wie sehr alle Kollegen gemeinsam bemüht waren, die besten Geschichten zu erzählen - aus ganz unterschiedlichen Städten, mit ganz unterschiedlichen Mitteln. Für uns ist das Projekt auch deswegen erfolgreich, weil es eine ständige Interaktion von Menschen ermöglicht, die aus ganz unterschiedlichen journalistischen Richtungen kommen. Das macht die Arbeit dynamisch. Eins ist sicher: Die Gelegenheit zu einer solchen Erfahrung gibt es nur selten.

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