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Amerika

Brasilien exportiert Regenwald-Überwachung

Mit einer speziellen Satellitentechnologie überwacht Brasilien seit 23 Jahren die Abholzung des Regenwalds im Amazonasgebiet. Jetzt wächst das Interesse für dieses Know-how auch in anderen Ländern - besonders in Afrika.

Abholzung durch Brandrodung im brasilianischen Regenwald (Foto: guentermanaus/Fotolia.com)

Abholzung durch Brandrodung im brasilianischen Regenwald

Seit mehr als zwei Jahrzehnten kontrolliert Brasilien mit Hilfe von Satellitenbildern den Regenwald. Eine wichtige Aufgabe, da weltweit mehr als ein Fünftel der Treibhausgase aus der Entwaldung stammen und so maßgeblich zum Klimawandel beitragen. Vor allem auf Entwicklungsländer mit großen Flächen an tropischen Regenwäldern wie Brasilien, Indonesien oder der Demokratischen Republik Kongo wächst der Druck, diese Wälder besser zu schützen.

Tropischer Regenwald im Tambopata-Naturreservat (Foto:picture alliance/WILDLIFE)

Tropischer Regenwald im Tambopata-Naturreservat

Brasilien verfügt dabei über viel Erfahrung, die es nun weitergibt. Denn bereits 1988 ist in den Forschungslaboren des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais, INPE) das weltweit erste Satellitenüberwachungssystem für Regenwälder entstanden. Sein Name "Terra Amazon".

"Wir verfügen über eine bewährte Methode, die ausgereift genug ist, um exportiert zu werden", sagt Alessandra Gomes vom INPE. "Unser Ziel ist es, anderen Ländern zu ermöglichen, ihre Waldflächen mit Hilfe eines stabilen Systems zu überwachen".

Internationale Kooperation

Mehrere internationale Partner beteiligten sich an der Initiative, darunter die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, die Organisation der Amazonas-Anrainerstaaten OTCA und die japanische Agentur für Entwicklungszusammenarbeit Japan International Cooperation Agency (JICA). Zusammen mit Brasilien haben sie Trainingsprogramme entwickelt, um anderen Ländern das INPE-Satellitensystem näher zu bringen. Laut der FAO setzen inzwischen bereits Mexiko, Guyana, Gabun, die Demokratische Republik Kongo, Vietnam und Papua-Neuguinea auf die brasilianische Technik.

"Terra Amazon ist funktionsfähig, wissenschaftlich fundiert und international anerkannt", wirbt Inge Jonckheere von der FAO für die Überwachungstechnologie. "Viele Länder sehen es als Vorbild und möchten es im eigenen Umfeld einrichten. Wir helfen, das System an die nationalen Bedürfnisse der unterschiedlichen Länder anzupassen".

Vom Amazonas in die Welt

Sechs internationale Delegationen wurden bereits geschult. Dazu kamen im November Vertreter von Venezuela, Bolivien, Peru, Kolumbia und Ecuador zur Ausbildung nach Belém, im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará.

Auch afrikanische Länder beteiligen sich an dem Programm. Neben der Demokratischen Republik Kongo, dem Land mit der weltweit zweitgrößten tropischen Regenwaldfläche und starker illegaler Abholzung, haben Mosambik und Angola Vertreter nach Brasilien geschickt.

Die Teilnehmer lernen Satellitenbilder herunterzuladen und diese Informationen in Daten umzuwandeln, die Auskunft darüber geben, wo Rodung stattfindet. Darüber hinaus lernen sie, Datenbanken zu erstellen. "Ziel ist, dass durch dieses brasilianische System auch andere Staaten an der Überwachung illegaler Rodungen, der zerstörerischen Waldnutzung und Zerstörung der Kohlenstoffspeicher mitarbeiten", sagt Jonckheere.

Gefällte Bäume liegen am Rande eines Urwaldes in der Amazonasregion in Brasilien (Foto:dpa)

Gefällte Bäume am Rande eines Urwaldes in der Amazonasregion

Es locken Klimagutschriften

Besonders attraktiv sei die Technik, sagt Jonckheere, weil im Rahmen der Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen inzwischen der Schutz der Wälder den Ländern angerechnet werden kann. Dieses Konzept nennt sich REDD "Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation ", auf deutsch "Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung". Ein Land, das die Rodung seiner Wälder verringert, kann sich im Rahmen von REDD diese eingesparten Treibhausgasemissionen gutschreiben lassen. Das ist auf der letzen Klimakonferenz in Cancún (2010) grundsätzlich beschlossen worden.

Für eine Gutschrift müssen allerdings nachprüfbare Daten vorgelegt werden. "Es gibt zwei Möglichkeiten, wie diese Länder ihre Regenwälder überwachen können. Sie können bei Null anfangen und ihr eigenes System entwickeln oder das bereits existierende Know-how nutzen. Dabei kann Brasilien helfen", sagt FAO-Mitarbeiterin Inge Jonckheere.

Langfristige Kontrolle und kurzfristige Abholzungs-Notrufe

Verkohlte Holzreste nach einer Brandrodung im Regenwaldgebiet (Foto: picture alliance)

Verkohlte Holzreste nach einer Brandrodung im Regenwaldgebiet

Den Grundstein für die Regenwaldüberwachung legte die Entwicklung der Computersoftware Terra Amazon. Das System sammelt und verarbeitet Bilder des nordamerikanischen Satelliten Landsat. So erhalten die Wissenschaftler Karten und Daten über Regenwaldgebiete, in denen abgeholzt wird.

Heute besteht das System aus verschiedenen Elementen: Während das Modul "Prodes" in einem jährlichen Rhythmus den Kahlschlag auswertet, arbeitet das Modul "Deter" mit schnelleren Erhebungen und sendet Notrufe an die Kontrollstation. "Innerhalb von 15 Tagen stehen diese Daten der brasilianischen Umweltbehörde Ibama zur Verfügung, die sich gegebenenfalls an den Ort begibt und schaut, ob dort etwas passiert", sagt Alessandra Gomes.

André Muggiati von der Umweltschutzorganisation Greenpeace hält Terra Amazon des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung INPE für ein wirkungsvolles Pionier-System: "Es ist die Grundlage dafür, den Fortschritt oder Rückschritt der ergriffenen politischen Maßnahmen in der Amazonasregion zu messen. Ohne die Satellitenüberwachung könnte man nicht einschätzen, was in der Region passiert."

Muggiati untersucht die Konsequenzen der Viehzucht auf den Regenwald. Erst seit Beginn der Satellitenüberwachung und der genauen Ortung von zerstörten Waldflächen habe die Regierung überhaupt begonnen, das Roden aufzuhalten. "Wir sehen nun, wie die Abholzung abgenommen hat. Das Interessante dabei ist, dass diese Daten für alle zugänglich sind. Die Gesellschaft wird gewarnt und kann Druck auf die Regierung ausüben", sagt André Muggiati.

Autorin: Nadia Pontes (Übersetzung: Anna Pellacini)
Redaktion: Johannes Beck