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Lateinamerika

Brasilien: Auszeichnung für investigative Reportagen

Vier Journalisten, die an Trainings der DW Akademie teilgenommen hatten, wurden mit einem der wichtigsten Journalistenpreise Brasiliens geehrt. Ihre Reportagen greifen soziale Missstände im Amazonas-Gebiet auf.

Brasilien Journalistenpreis Microfone de Prata Preisträgerin Gecylene Sales

Die Journalistin Gecylene Sales (Mitte) bei ihrer Dankesrede für den Preis "Microfone de Prata"

Viel Hartnäckigkeit und viel Fingerspitzengefühl bedurfte es, bis die Journalistinnen Gecylene Sales und Eanes Silva eine Frau fanden, die über ihr Schicksal berichten wollte. Die 19-jährige Protagonistin ihrer Reportage wurde aus dem brasilianischen Amazonas-Gebiet nach Venezuela verschleppt und dort zur Prostitution gezwungen. Nur unter großer Not gelang es ihr, sich zu befreien und mit Hilfe der örtlichen Polizei wieder nach Brasilien zurückzukehren. In ihrer Heimatstadt Boa Vista steht sie nun unter Polizeischutz - regelmäßig erhält sie Morddrohungen, da nach ihrer Befreiung ein ganzer Prostitutionsring aufgedeckt werden konnte.

In der Grenzregion zu Venezuela, Suriname und Guyana ist Zwangsprostitution neben Drogenschmuggel und Menschenhandel eines der schwerwiegendsten Probleme. Daher lag es für die beiden Radiojournalistinnen Sales und Silva auf der Hand, sich diesem Thema während eines DW Akademie-Trainings zu widmen. "Diese Reportage hat sehr viel intensive Recherche und Überzeugungsarbeit gekostet. Die Informationen mussten besonders sensibel und vertraulich behandelt werden", erzählt Projektmanagerin Helena Ferro de Gouveia. Gemeinsam mit Co-Trainerin Ivana Ebel hatte sie im Oktober 2013 ein Seminar zu Investigativen Journalismus in Boa Vista durchgeführt. Hier vermittelten sie Sales, Silva und acht weiteren Journalisten aus dem Amazonas-Gebiet Techniken zu Recherche, Interview sowie Quellen- und Informantenschutz.

Soziale Konflikte aufdecken

"Durch unser Engagement möchten wir kritischen und unabhängigen Journalismus in der Region stärken und dazu beitragen, dass Minderheiten und Randgruppen der Gesellschaft eine Stimme bekommen", erklärt Rodrigo Villarzú, Leiter des Bereichs Lateinamerika der DW Akademie. Besonders im Amazonas-Gebiet ist kritische und tagesaktuelle Berichterstattung keine Selbstverständlichkeit. Viele Landesteile sind von der Medien- und Nachrichtenwelt abgeschnitten, so dass soziale Konflikte in der Berichterstattung häufig unbeachtet bleiben.

DW Akademie in Brasilien

Training für Journalisten im Amazonas-Gebiet

Aroldo Bruce und Alcinio Lima, zwei weitere Teilnehmer des Trainings, recherchierten über indigene Bevölkerungsgruppen im Norden Brasiliens und erzählten in ihrer Reportage von den Bemühungen, diese Kultur zu bewahren. Indigene werden in Brasilien weiterhin marginalisiert und führen ein Leben am Rande der Gesellschaft, zumeist in Reservaten. Soziale Konflikte, Diskriminierung und wiederholte Landenteignungen prägen das Schicksal der "Indios". Bruce und Lima haben mit Betroffenen sprechen können, die sich trotz widriger Umstände für den Erhalt ihrer Kultur einsetzen. Mit Erfolg: Langsam, aber stetig wächst die Akzeptanz in der Bevölkerung für die indigene Lebensweise.

Anfang Mai 2014 erhielten die Reportagen beider Journalistenteams die Auszeichnung "Microfone de Prata" (Silbernes Mikrofon). Der Preis ist einer der renommiertesten in Brasilien und wird in Aparecida, Sao Paulo übergeben. "Dass gleich zwei Beiträge, die im Rahmen unseres Trainings entstanden sind, gekürt wurden, ist wirklich etwas Besonderes", meint Helena Ferro de Gouveia. "Die Konkurrenz ist enorm." Umso mehr freue sie die Auszeichnung der beiden Reportagen, die von Radio Mar de Manaus, einem Partnersender der DW Akademie, ausgestrahlt wurden.


Von 2010 bis 2013 unterstützte die DW Akademie das Netzwerk RNA (Rede de Notícias da Amazónia) im Amazonas-Gebiet mit Beratungen und Trainings. Das Modul für Investigativen Journalismus in Boa Vista war der Abschluss des Projekts.

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