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Wirtschaft

Brasilianischer Real stürzt ab

Der brasilianische Real verliert zunehmend an Wert. Die Regierung hofft, dass so der Export gestärkt wird. Doch für die Bevölkerung bringt eine schwache Währung vor allem Nachteile.

Banknoten der brasilianischen Währung Real (Foto: dpa)

Brasilianische Währung Real

Das Jahr 2011 war ein erfolgreiches für die brasilianische Währung und auch für die junge Brasilianerin Petra. Ihr Freund hatte der 28-Jährigen einen Heiratsantrag gemacht: das Fest sollte nach brasilianischer Tradition groß und teuer werden - und ein Hochzeitskleid durfte dabei natürlich nicht fehlen. Für die Shoppingtour ging es nach New York. Trotz der Kosten für Flug und Unterkunft, sagt Petra, sei ein hochwertiges Kleid dort günstiger zu kaufen gewesen als in Brasilien.

Das lag vor allem an der brasilianischen Währung Real, die damals gegenüber dem US-Dollar sehr teuer war - eine Freude für viele wohlhabende Brasilianer, die gerne im Ausland einkaufen gehen. Für sie waren Auslandsreisen in den letzten Jahren immer günstiger geworden, da sie für einen Real immer mehr Dollar bekamen.

Doch mit diesem Höhenflug ist jetzt Schluss. Während Petra im Jahr 2011 noch 0,60 Dollar für einen Real bekam, sind es mittlerweile nur noch rund 0,43 Dollar. Das ist der niedrigste Wert seit März 2009.

Brasilianische Produkte waren teuer im Ausland

Blick auf den Containerhafen im brasilianischen Santos (Foto: dpa)

Die Wirtschaft wächst nur langsam

Die brasilianische Wirtschaft ist stark von Exporten abhängig. Ein schwacher Real macht heimische Produkte im Ausland günstiger und damit konkurrenzfähiger - so die Hoffnung der brasilianischen Regierung.

Konkurrenzfähige Produkte hat das südamerikanische Land derzeit dringend nötig. Die Wirtschaft ist im vergangenen Jahr nur noch um 0,9 Prozent gewachsen, im ersten Quartal dieses Jahres waren es sogar nur 0,6 Prozent. Zum Vergleich: 2010 lag das Wachstum noch bei rund 7,5 Prozent.

Auch die Bilanz des brasilianischen Außenhandels war im ersten Halbjahr 2013 so schlecht wie seit 20 Jahren nicht mehr. Zwischen Januar und Juli machte die einstige Exportnation ein Defizit von 4,9 Milliarden Dollar, weil sie mehr Waren ein- als ausführte.

Brasilianische Regierung setzt auf billigen Real

Schuld daran haben auch die niedrigen Preise für Rohstoffe, die Brasilien exportiert. Eisen, Zucker und Ethanol kosteten im Juli so wenig wie noch nie in diesem Jahr. Trotzdem glaubt die brasilianische Regierung, dass bis zum Jahresende ein Positivsaldo in der Handelsbilanz erreicht werden kann. Helfen soll dabei vor allem der billige Real.

Doch allein darauf könne man sich nicht verlassen, sagt Fernando Sarti, Ökonom an der Staatlichen Universität Campinas. "Das Exportverhalten wird mehr von der globalen Nachfrage als von der brasilianischen Währung abhängen", so Sarti. Mit anderen Worten: brasilianische Produkte werden im Ausland zwar günstiger, aber nicht unbedingt beliebter. Derzeit ist die internationale Nachfrage gering.

Günstiger Real schwächt Konsum der Brasilianer

Die brasilianischen Konsumenten können sich über den billigen Real auch nicht freuen. "Verliert der Real an Wert, geht auch die Kaufkraft verloren, da die importierten Produkte viel teurer werden", erklärt Antonio Alves dos Santos von der Katholischen Universität São Paulo (PUC). "Man erhält immer das gleiche Gehalt, kann dafür aber weniger kaufen, da die Güter aufgrund der Änderung des Wechselkurses mehr kosten."

Menschen vor Shoppingcenter in Brasilien (Foto: AP Photo/Andre Penner)

Wenn die Preise steigen, macht shoppen weniger Spaß

Die Abwertung des Real wirkt sich bereits negativ auf den Konsum aus. Kraftstoffe und andere Produkte, deren Preis in US-Dollar berechnet werden, sind für die Brasilianer bereits deutlich teurer geworden. Das erhöht auch die Inflation, die bereits über der 4,5 Prozent-Marke liegt, die von der Regierung für das Jahr 2013 festgelegt wurde.

Geld fließt aus Brasilien ab

Steigende Inflation, sinkende Währung, schwaches Wachstum - kein Wunder, dass Anleger gerade ihr Geld aus Brasilien abziehen und es in den USA anlegen. Dort wächst die Wirtschaft langsam, aber stetig. Im zweiten Quartal 2013 lag das Wachstum bei 1,7 Prozent und somit höher, als Analysten erwartet hatten.

Sollte sich die US-Wirtschaft weiter erholen, würde sich der Abwärtstrend des Real in den nächsten Monaten fortsetzen. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hält jedenfalls an ihrer lockeren Geldpolitik fest und wird auch weiterhin jeden Monat 85 Milliarden US-Dollar auf den Markt spülen, um die US-Wirtschaft zu stützen.

"Viel Geld, das in Form öffentlicher oder privater Wertpapiere an der Börse angelegt war, wurde aus Brasilien abgezogen und in Ländern gebracht, in denen es gewinnbringender und mit weniger Risiko angelegt werden konnte, wie zum Beispiel in den USA zurzeit", sagt Celso Grisi, Wirtschaftswissenschaftler bei der Stiftung Management in São Paulo (FIA). Dadurch würden nicht nur der Real, sondern auch der Euro oder der Yen gegenüber dem Dollar weiter abgewertet.

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