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Wirtschaft

Brasilianer soll WTO aus der Krise führen

Der Findungsausschuss der Welthandelsorganisation hat Roberto Azevêdo zum neuen Generaldirektor gewählt. Der Brasilianer hat sich vorgenommen, die festgefahrene Doha-Runde wieder in Gang zu bringen.

Porträt von Roberto Azevedo (Foto: FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images)

Brasilien WTO Roberto Azevedo

Agrarpolitik ist seine Spezialität: Seit zehn Jahren kämpft Roberto Azevêdo im Auftrag der brasilianischen Regierung gegen US-amerikanische Subventionen für Baumwolle und Europas Hilfen für Zuckerrübenhersteller. Am Dienstagabend (07.05.2013) wurde der 55-jährige brasilianische Diplomat von der Mehrheit der 159 Abgeordneten des Findungsausschusses der Welthandelsorganisation (WTO) zu deren neuen Generaldirektor gewählt.

Azevêdo tritt ein schweres Erbe an: Er muss die festgefahrene Doha-Runde wieder in Gang bringen. Die 2001 begonnenen Welthandelsgespräche sollten nach heftigen Protesten gegen die negativen Folgen der Globalisierung die Interessen von Entwicklungs- und Schwellenländern stärker berücksichtigen. Doch seit 2003 sind die Verhandlungen wegen des Streits über den Abbau von Agrarsubventionen zwischen den USA und der EU festgefahren.

Diplomat mit Hausmacht

Azevêdo stammt aus dem nordöstlichen Bundesstaat Bahia und hat für das brasilianische Außenministerium bereits viele wichtige Posten besetzt, unter anderem von 1997 bis 2001 bei den Vereinten Nationen. Von 2006 bis 2008 war er Chefunterhändler Brasiliens bei der Doha-Runde, seit 2008 ist er Ständiger Botschafter seines Landes bei der WTO. Diese Laufbahn dürfte ihm nun bei der Wahl zugute gekommen sein: Er kennt das System und gilt als konsensorientierter und geschickter Verhandlungspartner.

Roberto Azevedo bei einer Rede (Foto: Elza Fiuza/ABr)

Roberto Azevedo: Antworten auf die wirtschaftliche Entwicklung der Welt finden

Azevêdo hatte seine Kandidatur für den WTO-Chef-Posten unter die klare Prämisse gestellt, den Freihandel stärken und die Doha-Runde wiederbeleben zu wollen: "Die Verhandlungen sind vollkommen festgefahren. Mein Fokus wird darauf liegen, sie wieder in Gang zu bringen, um Antworten auf die wirtschaftliche Entwicklung der Welt zu finden", sagte Azevêdo kürzlich in einem Interview der Deutschen Welle.

Ein ambitioniertes Ziel, meint Wirtschaftsprofessor Antonio Carlos Alves do Santos von der PUC-Universität São Paulo: "Aber möglich ist es schon. Immerhin hat er es geschafft, bei seiner Wahl das Veto der USA und Europas zu umgehen." Die hatten nämlich den ehemaligen mexikanischen Außenminister Hermínio Blanco bei seiner Kandidatur unterstützt. "Aber sie haben seine Wahl nicht erzwungen", betont dos Santos.

Entscheidend für den Ausgang der Wahl seien die afrikanischen Vertreter gewesen, die 50 der 159 Stimmen im Findungsausschuss stellen, glaubt der Handelsexperte. "Die Nähe zu Afrika, die Brasiliens Ex-Präsident Lula da Silva seinerzeit suchte, trägt nun Früchte", sagt dos Santos.

Brasilien feiert

Für die brasilianische Diplomatie ist Azevêdos Wahl extrem wichtig. "Der Sieg Azevêdos ist auch ein Sieg für den Multilateralismus, gerade in einer Zeit, wo die Zahl bilateraler Handelsverträge zunimmt", schreibt die bekannte brasilianische Wirtschaftsjournalistin Miriam Leitao in ihrer Kolumne in der brasilianischen Tageszeitung "Globo". Außerdem habe Brasilien schon wichtige Streitfälle vor die WTO gebracht und gewonnen.

Nun muss noch der Allgemeine Rat der WTO der Wahl Azevêdos zustimmen. Dann hat er den höchsten internationalen Posten inne, den ein Brasilianer bisher erreicht hat. Der Amtsantritt soll zum 1. August erfolgen.

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