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Politik

Brandherd Kaschmir

Flammen des Krieges züngeln empor an der pakistanisch-indischen Grenze, Löschaktionen sind dringendst vonnöten. Ein Kommentar von Günter Knabe.

Die akute Krise ist noch gefährlicher als alle bisherigen indisch-pakistanischen Auseinandersetzungen, weil beide Staaten mittlerweile Atomsprengköpfe getestet haben. Angeblich haben beide mehrere Dutzend einsatzfähige Atomwaffen. Deswegen guckt die Welt besorgter noch als in der Vergangenheit auf den Brandherd Kaschmir.

Ausgelöst wurden die jetzigen gefährlichen Spannungen durch den Terror-Angriff auf das indische Parlament am 13. Dezember. Fünf mutmaßliche Kaschmiri-Terroristen versuchten mit Sprengstoff und Maschinenpistolen, das Gebäude der Volksversammlung in Neu Delhi zu stürmen. Sie und neun indische Sicherheitskräfte starben. Dieser Angriff traf die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt ins politische Herz. Indien musste entschlossen und hart auf diese Tat reagieren. Das wird jeder, auch die pakistanische Regierung, nachvollziehen können.

Separatisten-Gruppen

Tatsächlich hat Pakistan den Angriff auf das indische Parlament umgehend verurteilt. Die Regierung unter Präsident General Musharaf erklärte auch, sie werde gegen solche Gruppen vorgehen, die dafür verantwortlich seien - vorausgesetzt, ihre Verwicklung in diesen Terror-Angriff werde bewiesen.

Für die Inder scheint die Sache klar: Indiens Regierung beschuldigte sofort kaschmirische Kämpfer der Tat und machte Pakistan dafür verantwortlich. Neu Delhi behauptet, dass die Angreifer zu den beiden kaschmirischen Separatistengruppen - Jaish-e-Mohammad und Lashkar-e-Taiba - gehören. Pakistan solle die Führer beider Muslim-Milizen verhaften. Seiner Forderung verlieh Indien starken Nachdruck: Es berief seinen Botschafter aus Islamabad ab und kündigte die Schließung des einzigen offenen Grenzüberganges für Pakistan an.

Druck und Gegendruck

Pakistans Präsident bezeichnete auf einer China-Reise diese ersten Maßnahmen als überzogen. Schon hatte der übliche unheilvolle Mechanismus von Druck und Gegendruck, von Drohung und Gegendrohung, eingesetzt. Truppen werden von beiden Seiten an die Grenze verlegt. Indien bringt dort Mittelstreckenraketen vom Typ Agni II in Stellung. Sie können Atomsprengköpfe transportieren.

Pakistan ist Indien zahlenmäßig in allen militärischen Bereichen unterlegen und weiß das auch. Sein Präsident Pervez Musharaf ist nicht nur militärisch in einer schwierigen Lage. Auch politisch muss er sich in die Ecke gedrängt fühlen. Nicht umsonst signalisiert seine Regierung Richtung Indien immer wieder Bereitschaft, über die Konflikte zu reden. Nach dem Ende der Sowjetunion wechselte Washington abrupt die Partner auf dem Subkontinent. Pakistan wurde wegen der Atomversuche von der Regierung Clinton viel schärfer kritisiert als Indien. Islamabad wurde abrupt vom Hätschelkind zum Prügelknaben der USA; Indien wurde als Gegengewicht zu China genau so plötzlich hofiert.