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Deutschland

Brandenburger Tor: Wann gedenkt Berlin?

Nach den Terroranschlägen in Paris, Brüssel und Istanbul leuchtete das Brandenburger Tor in den Farben der jeweiligen Länder. Nach dem jüngsten Anschlag in Jerusalem zunächst nicht, dann aber doch. Wer entscheidet das?

Brandenburger Tor mit Israels Flagge illuminiert (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Das Brandenburger Tor, illuminiert mit der Flagge Israels

Es leuchtete in den Farben der Tricolore, im satten Rot der türkischen Nationalflagge und jetzt auch in den Farben der israelischen. In den vergangenen Jahren wurde das Brandenburger Tor - das Wahrzeichen der deutschen Hauptstadt - immer wieder aus Solidarität mit den Opfern von Terroranschlägen farbig angestrahlt. Zum ersten Mal geschah dies nach dem Angriff auf die Redaktionsräume von Charlie Hebdo vor zwei Jahren. Damals habe Berlin sich entschieden, "es anderen Ländern in seiner Bekundung von Solidarität gleichzutun", erklärt ein Sprecher der Senatskanzlei die Entscheidung. 

Wann das Brandenburger Tor leuchten soll und wann nicht, das entscheidet die Berliner Senatskanzlei und damit auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller. Nach Angaben eines Senatssprechers würde das Berliner Wahrzeichen nur dann aus Solidarität angestrahlt, wenn ein Anschlag in einer Stadt geschehe, mit der Berlin eine Städtepartnerschaft pflege. Ein weiterer Grund könnte eine "übergreifende Relevanz" sein, so der Sprecher. Das sei dann der Fall, wenn es Opfer gebe, "zu deren Ländern die deutschen Beziehungen besonders eng oder bedeutungsvoll sind."

Video ansehen 01:57

My picture of the week | Tiefe Partnerschaft zwischen Deutschen und Türken

"Wann, wenn nicht jetzt?"

Jetzt sorgte die Frage darüber, ob Berlin das Brandenburger Tor in den Farben der israelischen Flagge erstrahlen lassen sollte, für einige Kritik. Am Abend des Lkw-Anschlags auf vier Soldaten in Ostjerusalem wurde das Berliner Wahrzeichen zunächst wie an jedem gewöhnlichen Tag angestrahlt. "Wann, wenn nicht jetzt? Am Brandenburger Tor sollte die israelische Fahne erleuchten!", twitterte das Berliner Büro des Amerikanisch Jüdischen Komitees daraufhin - und lieferte eine Fotomontage des Brandenburger Tores mit israelischer Fahne direkt dazu. Auch auf dem Petitionsportal change.org wurde eine Petition zur Illuminierung des Bauwerks in den Farben Israels gestartet. Nahezu 4000 Unterschriften liefen ein. 

Einen Abend später wurde auch auf das echte Brandenburger Tor die israelische Flagge projiziert. Grund dafür sei die "besondere und enge Beziehung zum Staat Israel", so der Senatssprecher zur DW. Es werde damit nicht nur Solidarität mit den Opfern in Israel, sondern auch eine Verbundenheit zur jüdischen Gemeinde in Berlin gezeigt. Mit der Petition und sonstigem öffentlichen Druck habe die Entscheidung nichts zu tun gehabt, so der Sprecher.

"Das wird noch ausdiskutiert"

Berlin pflegt Partnerschaften mit 17 Städten weltweit, unter anderem mit Madrid, Moskau, Buenos Aires oder Jakarta. Auch Paris und Brüssel gehören zu den 17 Partnerstädten. Nach den Anschlägen von Paris im November 2015 und Brüssel im März 2016 leuchtete das Tor in den Nationalfarben der Länder. Doch nicht nach jedem Vorfall mit Todesopfern komme es zu einer öffentlichen Solidaritätsbekundung, so der Senatssprecher, nur bei schweren Anschlägen sei dies der Fall. Was einen Anschlag jedoch schwer macht, "das wird noch immer ausdiskutiert", so der Sprecher. 

Der Anschlag von Nizza sei definitiv solch ein schwerer Fall gewesen: "Obwohl keine Städtepartnerschaft zu Nizza besteht, war hier eine besondere Situation gegeben", heißt es aus der Senatskanzlei. Genauso sei es nach dem Anschlag auf einen bei Homosexuellen beliebten Nachtclub in Orlando, Florida, im Juni 2016 gewesen. Zur Ausnahme kam es allerdings erst, nachdem die Organisatoren einer Mahnwache öffentlich Druck ausgeübt hatten.

Deutschland Brandenburger Tor nach den Anschlag in Orlando (picture-alliance/dpa)

Deutschland zeigt Solidarität mit Orlando - mit Regenbogenfahne und Mahnwache

Für viele Menschen war die homophobe Tat in Orlando ein direkter Angriff auf eine freiheitliche, liberale Lebensweise - es folgte eine weltweite Solidarisierungswelle unter dem Hashtags #lovewins. Viele Länder ließen symbolträchtige Bauwerke in Regenbogenfarben erstrahlen, wie beispielsweise den Eiffelturm in Paris oder die Harbour Bridge in Sydney. In Berlin dauerte es jedoch mehrere Tage, bis der Forderung nach einer Beleuchtung stattgegeben wurde. Letztendlich leuchtete das Tor in den Symbolfarben der schwul-lesbischen Emanzipationsbewegung. "Wir haben uns dazu entschieden, weil Berlin weltweit als Regenbogenhauptstadt gilt und wir somit Solidarität zeigen wollten."

Auf die Nachfrage, warum es bei der Vielzahl von Anschlägen - zum Beispiel in Nigeria oder Syrien - keine Beleuchtung gebe, berief sich die Senatskanzlei auf die besonderen Umstände: eine Beziehung zur Stadt müsse vorliegen, aber "sonst wird das von Fall zu Fall abgewogen."
 

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