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Deutschland

Brainstorming für ein offenes Köln

Das Interesse an einem ehrenamtlichen Engagement für Flüchtlinge wächst. Der gemeinsame Wunsch nach einer "Willkommenskultur" führte zahlreiche Kölner in das erste Barcamp der Stadt. Es wurde zu einer Inspirationsquelle.

Gabi Klein und Joachim Ziefle sammeln die Ergebnisse des 1. Barcamps Willkommenskultur für Flüchtlinge in Köln Foto: DW

Gabi Klein und Joachim Ziefle sammeln die Ergebnisse des 1. Barcamps "Willkommenskultur für Flüchtlinge in Köln"

Etwa achtzig Menschen sind gekommen, um sich zum Thema "Willkommenskultur für Flüchtlinge in Köln" auszutauschen. Der Raum ist voll. Gabi Klein, Mitarbeiterin der Kölner Freiwilligen Agentur, steht vor einer Flipchart und fragt in die Runde, wer schon einmal bei einem Barcamp mitgemacht habe. Hier und da geht vereinzelt ein Finger in die Luft, die meisten schütteln den Kopf. Das Prinzip dieser Tagungsform, erklärt Klein, sei, dass die Inhalte zu Beginn von den Teilnehmern selbst bestimmt würden: "Jeder, der möchte, kann Themenvorschläge einbringen und selbst einen Vortrag halten."

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ist klar: Ideen und Fragen gibt es genug. So wollen die Teilnehmer beispielsweise über Sprachunterricht oder Aus- und Weiterbildungen für Flüchtlinge sprechen. Auch das Organisieren von kulturellen Angeboten soll thematisiert werden sowie rechtliche Hilfeleistungen und Unterstützung in Sachen Wohnungssuche und Umzug. Die Themen werden an einer Pinnwand gesammelt. Insgesamt soll es drei Gesprächsrunden mit jeweils fünf Arbeitsgruppen geben. "Wir haben dieses Barcamp organisiert", sagt Klein, "weil es eine partizipative Möglichkeit des Austauschs bietet."

200 Flüchtlinge in einer Turnhalle

Ziel der Veranstaltung ist auch, die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen zu verbessern. So ist unter anderem die Leiterin der Kölner Ausländerbehörde, Dagmar Dahmen, gekommen, um über rechtliche Rahmenbedingungen zu informieren und "Missverständnisse" aus dem Weg zu räumen. Viele der Teilnehmer beschäftigen sich bereits beruflich oder in ihrer Freizeit mit Flüchtlingen. Andere wollen sich gerne engagieren, wissen aber noch nicht so richtig, wie. "In meiner Nähe ziehen Ende des Jahres Flüchtlinge in ein leerstehendes Gebäude", erzählt ein Teilnehmer. "Ich würde gerne dazu beitragen, dass diese Menschen sich willkommen fühlen."

Schüler des Kölner Georg-Büchner-Gymnasium stellen ihre Flüchtlingsinitiative Share Culture vor Foto: DW

Schüler des Kölner Georg-Büchner-Gymnasiums stellen ihre Flüchtlingsinitiative "Share Culture" vor

Es ist das Stichwort für die 15-jährige Franziska und ihre beiden Schulkameraden Marius und Victoria. Die Zehntklässler erzählen, wie im November vergangenen Jahres die Turnhalle ihrer Schule zu einem Auffanglager für 200 geflüchtete Personen umfunktioniert worden sei, die Hälfte von ihnen Kinder. "Die Bedingungen waren menschenunwürdig", berichtet Marius. In der Halle gebe es kein Tageslicht und nur zwei Duschräume. "Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie die Flüchtlinge da unten mehrere Wochen gelebt haben", sagt Franziska. "Das war mit meiner Moral nicht vereinbar. Wir mussten uns engagieren, um es den Menschen dort ein wenig leichter zu machen."

Welche Sprache wird gebraucht?

In ihrem Vortrag berichten die Schüler, wie Kinder aller Jahrgangsstufen gemeinsam Kunst-, Musik- und Sportprojekte auf die Beine gestellt haben. Mit einem Konzert des Schulorchesters seien die Flüchtlinge begrüßt worden. "Wir sehen Kultur als Gut für alle, nicht nur für diejenigen, die unsere Sprache sprechen", meint Franziska. Es sei ihr Anliegen, diesen Gedanken auf die ganze Stadt auszuweiten. "Köln ist ein Zentrum für Kultur, und wir wünschen uns, dass Flüchtlinge stärker in das kulturelle Leben eingebunden werden." Die Schüler haben ihre Initiative "Share Culture" genannt. Nun suchen sie nach Fördermitteln und Kontakten zu Veranstaltern.

"Es wäre schön, wenn auch mehr Erwachsene nicht immer nur die Probleme sehen könnten, sondern das, was wirklich gebraucht wird", sagt Barbara Derkow-Disselbeck zu den Schülern. Sie ist Autorin und Übersetzerin mit britischen Wurzeln und hat sich spontan entschlossen, auch eine Arbeitsgruppe zu leiten. Das Thema Deutschunterricht liegt ihr am Herzen: "Es ist sehr wichtig, den Menschen die Fremdsprache so zu vermitteln, dass sie im Alltag schnellstmöglich darauf zurückgreifen können." Es entsteht eine dynamische Diskussion. Die Teilnehmer bringen verschiedene Gedanken ein. Am Schluss steht die Idee im Raum: eine Art Tandem-Börse zu erstellen.

Pinnwand mit Vorschlägen beim 1. Barcamp zur Flüchtlingshilfe in Köln Foto: DW

Barcamps bestehen aus Vorträgen und Diskussionen, die von den Teilnehmern selbst auf Pinnwänden koordiniert werden

Engagement für Flüchtlinge wächst

In der Abschlussrunde werden die Ergebnisse der einzelnen Workshops zusammengetragen. Zwar sei es teilweise in den einzelnen Gruppen etwas unstrukturiert zugegangen, berichten die Teilnehmer, doch im Großen und Ganzen sei die Konferenz sehr informativ und inspirierend gewesen. Organisatorin Gabi Klein macht ebenfalls einen zufriedenen Eindruck: "Ich bin überrascht, wie viele Themen heute zusammengekommen sind." Generell beobachte sie eine sehr große Bereitschaft und ein wachsendes Interesse an ehrenamtlichem Engagement für Flüchtlinge. "Ein nächstes Barcamp kommt bestimmt."