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Fokus Südosteuropa

Braindrain - Bosnien steht vor Ärztemangel

Im Gesundheitswesen von Bosnien ist ein deutlicher Mangel an Ärzten zu verzeichnen. Viele wandern wegen besserer Bezahlung ins Ausland ab. Der Braindrain könne bald zu Versorgungsengpässen führen, so Gewerkschafter.

Äskulapstab (Foto: Picture Alliance)

Bedroht Braindrain der Ärzte die Versorgung der Patienten in Bosnien?

Bosnien-Herzegowina hat im Vergleich zu anderen Ländern Südosteuropas die wenigsten Ärzte pro Einwohner, sagen Schätzungen. Die Behörden verfügen nämlich nicht über genaue Einwohnerzahlen, weil die letzte Volkszählung noch vor dem Krieg 1991 stattfand. Die Schätzungen besagen jedoch, dass in Bosnien 3000 Ärzte eine Gesamtbevölkerung von rund vier Millionen Menschen betreuen. Die Zahl der praktizierenden Ärzte nimmt aber ab.

Viele vornehmlich junge Ärzte haben nämlich in Nachbarländern wie Kroatien, Serbien und in jüngster Zeit auch in Slowenien Arbeit gefunden, sagt der Vorsitzende des Ärzteverbandes der Republika Srpska Milenko Granulic. Er prognostiziert, dies sei erst der Anfang einer zunehmenden Emigration des medizinischen Personals aus Bosnien, die er für die nächsten Jahre erwartet.

Granulic ist sich sicher, "dass es in fünf bis zehn Jahren in einigen Kommunen niemanden mehr geben wird, der die Leute ärztlich versorgt." Junge Ärzte, so Granulic, kehrten Bosnien-Herzegowina entweder ganz den Rücken oder bevorzugten es, in größeren Städten zu praktizieren. Für ihren Einsatz in ländlichen Gebieten gibt es einfach im Gegensatz zu früher nicht mehr genug finanzielle Anreize, sagt er.

Verlockende Angebote

Hände von einem Arzt im Operationssaal mit Gummihandschuhen und blauem OP-Kittel (Foto: PA)

Gutbezahlte Jobs locken bosnische Ärzte

Im Gegensatz zu Bosnien, Kroatien und Serbien biete Slowenien Fachärzten aus dem benachbarten Ausland praktisch ein Komplettpaket. Daher sei Slowenien in letzter Zeit ein bevorzugtes Ziel für migrationswillige Mediziner geworden. Die Slowenen bieten über den Arbeitsplatz hinaus dem Bewerber eine Wohnung, günstige Kredite sowie die Möglichkeit, auch engsten Familienmitgliedern eine Beschäftigung zu besorgen.

Der Kinderarzt Branislav Lolic aus Banja Luka sieht einen der wichtigsten Gründe, für den Wunsch der bosnischen Ärzte auszuwandern, in den guten Angeboten der ausländischen Krankenhäuser. "Ich als Kinderarzt weiß, dass ich mit Niederländischkenntnissen umgehend in den Niederlanden Arbeit bekäme. Kürzlich war ich in Slowenien und laut dortigen offiziellen Angaben werden im Augenblick über tausend Ärzte gesucht", meint Lolic.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Beschäftigten im Gesundheitswesen der Föderation Bosnien-Herzegowina Abud Saric bemerkt, dass auch aus diesem Teil Bosniens medizinisches Personal nach Kroatien und Slowenien in hoher Zahl abwandere. Aber viele gehen auch in die USA, nach Kanada oder Australien.

Saric fürchtet, dass bei einem Beitritt Bosniens in die EU der überwiegende Teil des medizinischen Personals Bosnien verlassen würde, wenn das Einkommen für Ärzte so niedrig bliebe wie bisher. Ein weiteres Problem sei, dass sich immer weniger Studenten für Medizin entscheiden. Jene, die es tun, hätten von vornherein den Plan auszuwandern, falls sich ihnen eine Gelegenheit dafür böte.

Braindrain nur ein Trend?

Zwei junge Frauen stehen im Vordergrund und ein junger Mann im Hintergrund (Foto: dpa)

Schon Studenten sehen eine Perspektive im Ausland

Darija Dojcinovic, Medizinstudentin in der Hauptstadt der Serbenrepublik Banja Luka, findet das nicht verwunderlich: "Die Perspektiven sind größer, wenn wir ins Ausland gehen. Wenn jemand die Möglichkeit hat zu gehen, wird er das natürlich tun. Ich glaube nicht, dass ich im Ausland arbeiten möchte, es sei denn ich könnte meinen Facharzt machen", räumt auch sie ein.

Der Minister für Gesundheit und Soziales der Serbenrepublik, Ranko Skrbic, beschwichtigt und sagt, das Auswandern von Ärzten sei ein Trend in allen Transitionsländern. Die Lage sei aber nicht ganz so dramatisch: "Wir haben im Gegenzug Anträge für die Einreise von medizinischem hochqualifizierten Personal aus Serbien in die Republika Srpska."

Behörden gefragt

Das Gesundheitssystem in Bosnien-Herzegowina sei nicht so schlecht, dass die Ärzte deswegen das Land verlassen wollten, sagen die Gewerkschaftsvertreter. Es liege vielmehr an den niedrigen Gehältern in Krankenhäusern und an dem Verbot doppelt zu praktizieren. Das heißt, sie dürfen nicht gleichzeitig angestellt sein und eine eigene Praxis betreiben. Bei diesen Voraussetzungen obsiege die Option, in einem reicheren europäischen Land zu arbeiten.

Zudem gebe es einige bosnische Ärzte, die in den Nachbarländern wie Slowenien arbeiten, am Wochenende allerdings nach Banja Luka kommen, um in privaten Gesundheitszentren zusätzliches Geld zu verdienen. Dies könnte als Zeichen an die Behörden gelten, dringend Verbesserungen am Gesundheitssystem vorzunehmen, so die Gewerkschaftler.

Autoren: Dragan Maksimovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Fabian Schmidt

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