1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Brüsseler Spitzen

Wie aus dem Euro-Bastard ein Wunderkind wurde - DW-Korrespondent Alexander Kudascheff erläutert.

default

Der EURO ist da. Endlich. Und was kaum jemand für möglich gehalten hat: der EURO wird angenommen. Die Europäer wollen ihn. Sie stehen Schlange für das neue Geld. Und ihre Trauer über Lira, Drachmen, Finnmark, Schilling, französische oder belgische Franken - das alles hält sich in Grenzen.

Noch vor wenigen Wochen war der EURO ein ungeliebtes europäisches Kind, eine Art Euro-Bastard. Und nun - auferstanden mit den Hymnen zum neuen Jahr - ist er plötzlich ein Wunderkind, eine Art Mozart unter den Währungen. So schnell ändern sich Einstellungen und Meinungen. Dabei ist die Nagelprobe fürs neue Geld noch gar nicht da. Und damit ist nicht die währungspolitische Solidität des neuen Solitärs gemeint. Nein, es geht um den wirklichen D-Day des Euros. Genauer: es geht um die D-days, das heisst um den Alltag.

Ist der EURO alltagstauglich?

Wie gehen die Europäer mit ihren anfänglich zwei Währungen um? Wie schnell verzichten sie auf Peseta, Escudo und Mark? Wie souverän agieren die Kassiererinnen bei den Warteschlangen? Wie problemlos (und geduldig?) können wir Europäer demnächst unsere Zeitungen, unsere Brötchen, unsere Bücher, unsere Blumen kaufen, wie lange brauchen wir für ein Ticket für Bus oder Bahn, wie lange dauert es an unseren Tankstellen? (Vorsicht, Deutsche: die neuen Preise haben nicht nur mit dem Euro zu tun, da gibt es auch die beliebte(?) Ökosteuer!!) Erst da wird sich erweisen, ob die heutige Euphorie, die überschäumende Begeisterung nur ein Strohfeuer war - oder ob sich dahinter die Bereitschaft Europas zu einer lang dauernden Liebe verbirgt.

Einer Liebe, bei der alle hoffen, dass sich die traditionell scheuen Engländer, die lebensfrohen Schweden und die eigenbrötlerischen Dänen bald dazu bekennen. Denn das erst macht aus dem EURO mehr als ein nur sinnliches Ereignis. Der EURO markiert jedenfalls einen historischen Einschnitt der europäischen Geschichte. Die Art und Weise, wie die Europäer ihn feiern, zeigt aber auch: sie nehmen diese Zäsur an, frölich, ja fast ausgelassen. Die Geduldsprobe kommt eh schnell genug nämlich im Alltag.