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Politik

Brüsseler Kaffeefahrt

Jeder will mal zum Zuge kommen. 25 EU-Kommissare buhlen mit ihren teilweise recht trockenen Ressorts um die Aufmerksamkeit der Medien. Und bedienen sich dabei unterschiedlichster Methoden.

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Porträt Bernd Riegert

Nicht jeder kann, wie der deutsche Kommissar Günter Verheugen, mit Klatsch-trächtigen Urlaubsreisen mit der engsten Mitarbeiterin aufwarten, auf die sich die Journalisten natürlich sofort stürzen.

Markos Kyprianou verfiel auf eine ganz andere Idee, um das eigentlich wichtige Thema "Kampf gegen groteske Fettleibigkeit (Adipositas)" unter die Leute zu bringen. Er überließ einer externen PR-Agentur und einer Armada von Firmensprechern den Pressesaal der EU-Kommission.

Vor den Karren gespannt

Die Getränke- und Nahrungsmittelfirmen hatten sich freiwillig verpflichtet, auf ihren Verpackungen mehr Hinweise zur gesunden Ernährung zu geben und die direkte Werbungen an Kinder zu unterlassen. Chips und Cola sollten mit gesünderen Fetten und weniger Kristallzucker zu besseren Produkten umdeklariert werden. Markos Kyprianou spannte sich vor den Karren der Unternehmen und lobte deren Engagement in höchsten Tönen. Dazu wurden Hamburger-Verpackungen und Getränkeflaschen präsentiert.

Die an manch holprige Pressekonferenz gewöhnten Brüsseler Journalisten waren überrascht bis entsetzt. Auf die Frage, was er mit dieser Werbe- und Verkaufsshow bezwecke, reagierte der EU-Kommissar hilflos und erklärte, er wolle doch nur gute Beispiele nennen. Der Chef des Internationalen Presseverbandes in Brüssel beschwerte sich beim Sprecher der EU-Kommission über die seltsame Veranstaltung.

Neuer Ansatz um Europa schmackhaft zu machen?

Als sich der Ärger über die Fettleibigkeits-PR-Orgie des Gesundheitskommissars im Pressesaal etwas gelegt hatte, ging es auch schon munter weiter. Umweltkommissar Stavros Dimas betrat die Bühne und bejubelte eine Initiative der Umweltschutzorganisation WWF zum Klimaschutz. Auch diese Art der Cross-Promotion bemängelte der Internationale Journalistenverband.

Die Vorgänge werfen einige fundamentale Fragen zur Informationspolitik der EU-Kommission auf, heißt es in einem Schreiben des Verbandes. Bei der Kommission stößt die Kritik der Korrespondenten auf Unverständnis: Die Pressekonferenzen in Zusammenarbeit mit externen Organisationen und PR-Agenturen seien halt ein "neuer Ansatz", um den Bürgern Europa schmackhaft zu machen.