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Europa

Brüssel noch weit entfernt vom Normalzustand

Drei Wochen nach den Anschlägen in Brüssel sind die Hauptverdächtigen gefasst und der Flughafen wieder geöffnet. Doch vom Alltag ist die belgische Hauptstadt noch weit entfernt. Andrea Rönsberg, Brüssel.

Auf den ersten Blick scheint es ein ganz normaler Tag zu sein in Brüssel. Bei Temperaturen von fast 20 Grad haben viele Leute ihre Büros in den europäischen Institutionen verlassen und genießen ihre Pause im nahe gelegenen Park. Fast, könnte man sagen.

Denn das ist nur die halbe Wahrheit. Drei Wochen nach den Anschlägen vom 22. März ist die Terrorwarnstufe in der belgischen Hauptstadt weiter auf Level 3 von 4 - obwohl die Hauptverdächtigen inzwischen verhaftet wurden. Schwer bewaffnete Soldaten dominieren das Stadtbild und der Metro-Verkehr ist weiterhin eingeschränkt.

Lange Staus am Flughafen

Der Flughafen, auf dem sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft sprengten, ist inzwischen wieder teilweise geöffnet. Allerdings sorgen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen dafür, dass sich auf den Straßen und Autobahnen in der Umgebung so lange Staus bilden, dass einige Passagiere ihre Taxis verlassen und den Weg zu Fuß auf sich nehmen.

All die Menschen, die nun aus dem Osterurlaub nach Brüssel zurückgekehrt sind und hofften, eine "normale" Stadt vorzufinden, lagen also falsch.

Viele Stationen noch geschlossen

Am Montag wurden zwar weitere Metro-Stationen wieder geöffnet. Maelbeek, wo 16 Menschen bei einem Anschlag starben, ist aber bei Weitem nicht der einzige U-Bahnhof, der geschlossen bleibt. 17 von 69 Stationen werden aktuell nicht angefahren.

"Wir sind bereit, mehr Stationen zu öffnen, aber wir brauchen zuerst Sicherheitsgarantien", sagte An Van Hamme, Sprecherin des Nahverkehrsunternehmens STIB-MIVB, belgischen Medien. Diese "Garantien" - gemeint sind Sicherheitskräfte - muss die belgische Regierung bereitstellen.

Die hat 300 weitere Soldaten abgestellt, die seit Montag die Straßen und Metros überwachen. Die Gewerkschaft, die die Angestellten im öffentlichen Dienst vertritt, beklagt bereits, dass die "Situation langsam unhaltbar" sei.

Eingang zur Metrostation Maelbeek in Brüssel (Foto: DW)

Der Eingang zur Metrostation Maelbeek in Brüssel - der Bahnhof ist weiter geschlossen

Sicherheitskräfte leiden unter Burn-Out

Die Terrorwarnstufe in Brüssel schwankt bereits seit den Anschlägen von Paris im November zwischen Level 3 (eine "mögliche und wahrscheinliche" Gefährdung) und der höchsten Stufe 4 (eine "ernste und unmittelbare" Gefahr). Polizei und Armee bekommen das am stärksten zu spüren. "Es gibt Leute, die seit Monaten keinen Urlaub mehr nehmen konnten und jetzt unter einem Burn-out leiden", sagt Thomas Renard, Sicherheitsexperte des Brüsseler Egmont-Instituts. "Wir können diese Warnstufe für Militär und Polizeikräfte nicht auf unbestimmte Zeit beibehalten."

Die Menschen in Brüssel selbst sind nicht überzeugt, dass mehr Sicherheitskräfte helfen. "Ich weiß nicht, wie Soldaten einen weiteren Terroranschlag verhindern können", sagt Emmanuel. Der Franzose arbeitet für die EU in der belgischen Hauptstadt. "Ich meine, was sollen die denn machen, wenn jemand sich selbst in die Luft sprengt?"

"Mann mit Hut" wirft Fragen auf

Trotz blauem Himmel und frühlingshaften Temperaturen, die Stimmung in Brüssel bleibt getrübt. Denn auch die Festnahme des "Mannes mit Hut" wirft Fragen auf. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden handelt es sich dabei um Mohammed Abrini. Er soll der gesuchte dritte Attentäter vom Brüsseler Flughafens sein.

Der Mann mit Hut soll Mohammed Abrini sein (Foto: dpa)

Der "Mann mit Hut" soll Mohammed Abrini sein

Mehrere Terrorismus-Experten bezweifeln aber, dass Abrini tatsächlich der "Mann mit Hut" ist, und finden es auffällig, wie gesprächig er im Polizeiverhör war. Denn warum sollte er so bereitwillig gestehen und weitere Anschlagspläne preisgeben? Und warum hat er den Hut, der auf seinem Fahrungsbild so deutlich erkennbar war, verkauft, statt ihn heimlich zu entsorgen?

Ist das Terrornetzwerk zerstört?

"Es ist definitiv noch nicht vorbei", sagt Renard. "Wir erkennen jetzt, dass keine einzelnen Terrorzellen verantwortlich waren für die Anschläge in Paris und Brüssel, sondern dass es ein Netzwerk gibt. Und wir wissen nicht, ob dieses Netzwerk tatsächlich zerstört wurde."

Emmanuel und seine EU-Kollegen machen sich während ihrer Pause im Park keine Illusionen. "Das Problem muss erst noch an der Wurzel angepackt werden", sagt Nello, ein in Brüssel geborener Italiener. "Ich denke, das wird noch 20 bis 30 Jahre dauern."

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