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Veranstaltungen

Brüssel: „Die EU-Kommission verplempert Geld für Propaganda“

EU-Institutionen bauen ihre Kommunikationsbereiche seit Jahren aus. Geht es um Dienstleistung am Bürger oder betreiben sie Propaganda? Auf Einladung der DW diskutierten dazu am Mittwoch, 31. August, Experten in Brüssel.

Auf dem DW-Panel: Rolf-Dieter Krause, Doris Pack, Christian F. Trippe, Martin Selmayr, Olaf Bruns und Oliver Hahn (v.l.)

Auf dem DW-Panel: Rolf-Dieter Krause, Doris Pack, Christian F. Trippe, Martin Selmayr, Olaf Bruns und Oliver Hahn (v.l.)

Unter dem Titel „Berichte und Bilder auf Bestellung – Die Beeinflussung der Medien durch die EU“ hatte die Deutsche Welle in die Landesvertretung NRW nach Brüssel eingeladen – und offenbar ins Schwarze getroffen: Rund 300 Gäste verfolgten die kontroverse Diskussion zwischen Rolf-Dieter Krause, Leiter ARD-Studio Brüssel, Doris Pack, Mitglied des EU-Parlaments (CDU/EVP), Prof. Dr. Martin Selmayr, Kabinettchef von EU-Kommissarin Viviane Reding, Olaf Bruns, Korrespondent euronews, und Prof. Dr. Oliver Hahn, Professor für Journalistik, Uni Passau. Die Moderation hatte Christian F. Trippe.

DW-Intendant Erik Bettermann wies in seiner Keynote auf die Rolle freier Medien als Garanten für Demokratie hin. Wirtschaftliche Engpässe bei Verlagen und Sendern seien häufig genannter Grund für die Abberufung von Korrespondenten.

Rolf-Dieter Krause sagte zur rückläufigen Zahl an Journalisten vor Ort und der parallel steigenden Zahl vorproduzierter Fotos, Berichte und Live-Streams, die die Kommission zur kostenlosen Übernahme bereitstellt: „Die Kommission verplempert Geld für Propaganda.“ Die „erklärende und hinterfragende“ Position des Journalisten gehe bei dem Angebot von Gratis-Bildern, die „in professionellem Gewand“ daherkämen, aber nur vordergründig Informationsbedarf befriedigten, verloren. Stattdessen fehle es an Sprechern, die den Journalisten Auskunft geben. Die Ressourcen sollten besser eingesetzt werden, so Krause.

Medienangebot oder Propaganda?

Beim Medienangebot für Sender handele es sich nicht um „Propaganda“, sondern um Material, das keinesfalls unbearbeitet genutzt werden könne, widersprach Martin Selmayr. Dieses Material zur Verfügung zu stellen „ist Teil unserer Dienstleistung.“ Der Sprecherdienst habe eine zentrale Rolle. Er sehe hier auch Bedarf, dass der Bereich aufgestockt werden müsse.

Es drohe eine Konvergenz zwischen Public Relations und klassischem Jorurnalismus, so Oliver Hahn. Private kommerzielle Sender etwa in Osteuropa übernehmen gern diese Angebote sehr schnell, zumal es online verfügbar sei.

euronews und Neutralität

Zur Frage, wie der Sender euronews journalistische Neutralität wahre, wenn er jährlich mit 22 Millionen Euro direkt von der EU alimentiert werde, sagte Olaf Bruns, der Vertrag verpflichte nur über Europa zu berichten, nicht jedoch wie. Journalistische Unabhängigkeit könne so nicht gewährleistet werden, meinte hingegen Rolf-Dieter Krause. „Wenn ARD und ZDF mehr über Europa berichten würden, bräuchten wir euronews gar nicht, entgegnete Doris Pack. Sie wehre sich gegen den Begriff „Propaganda“, sehe aber auch, dass die journalistische Kernaufgabe des Erklärens in den Medien oft zu kurz komme. Sie vermisse allerdings bei Journalisten gelegentlich das Bemühen, die Dinge zu verstehen, so Pack. Die Materie sei sehr komplex, ergänzte Olaf Bruns. Einer Befragung von euronews zufolge brauchen Journalisten „im Schnitt bis zu zwei Jahren, um sich hier zurechtzufinden“.

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Martina Bertram

T +49.228.429-2055 martina.bertram@dw.com